Komprimierte Schlagfertigkeit

Auf der Suche nach der besten Holzart und der perfekten Form gibt es nur eines: probieren, probieren und nochmals probieren. Bild: Sven Bürki

Sportgeräte. Gegenüber anderen und populäreren Sportarten hat Baseball in der Schweiz keinen leichten Stand. Das hält ein kleines Unternehmen im Jura aber nicht von dem Ziel ab, den besten Baseballschläger auf dem internationalen Markt herzustellen.

Was haben ein Schneidebrett, eine alte Fassdaube und ein Baseballschläger gemeinsam? Abgesehen davon, dass Holz für alle drei Gegenstände ein hervorragendes Ausgangsmaterial ist, in der Regel nicht sonderlich viel. Etwas anders verhält es sich bei der Walter’s Wood Idea AG im kleinen Dorf Pleigne im Jura. Hier verbindet die drei Dinge nämlich eine zusätzliche und zugegeben recht unerwartete Gemeinsamkeit – denn sie landen allesamt früher oder später in der firmeneigenen Dampfkammer. Ein Umstand, der für Aussenstehende einigermassen merkwürdig erscheinen mag. Für den Gründer und Inhaber des Unternehmens ist das aber nichts Neues. «Meine Ideen stossen nicht selten erstmal auf Verwunderung oder Skepsis», sagt Walter Amrhyn und lacht. Davon abbringen lässt er sich aber deshalb nicht. Vielmehr verfolgt er seine Einfälle mit leidenschaftlicher Hartnäckigkeit. Und so kommt es, dass bei der Walter’s Wood Idea AG sowohl die Dauben alter Weinfässer als auch Sportgeräte und Küchenutensilien im Dampfofen landen.

Vom Fassholz zur eigenen Marke

Um den Zusammenhang besser zu verstehen, beginnt man am besten bei den Fassdauben. Denn sie sind der Grund dafür, warum in der Werkstatt von Amrhyn überhaupt ein Dampfofen steht. Ihretwegen trägt der gelernte Zimmermann auch den selbst verliehenen Titel des Fasstischmachers. Unschwer zu erraten, was demnach aus den Dauben von zuweilen über hundert Jahre alten Weinfässern entsteht. Damit aus den gebogenen Brettern eine gerade Tischfläche entstehen kann, dämpft Amrhyn das Holz und biegt es zurück in die gerade Form. Mehr über seine Arbeit mit dem Fassholz kann im SZ-Artikel «Gut gereiftes Filetstück der Eiche» nachgelesen werden (QR-Code auf Seite 29).

Da das alte, zähe Eichenholz der Fassdauben alles andere als einfach zu handhaben ist, hat sich Amrhyn über die Jahre einiges an Erfahrung und Wissen über das Dämpfen und Umformen von Holz angeeignet. Kenntnisse, die alle in ein selbst entwickeltes Verfahren geflossen sind, welches sich der Fasstischmacher unter der Marke «swisspressed» hat schützen lassen.

Immer noch Holz, aber besser

Womit wir beim zweiten Gegenstand aus der anfänglichen Frage angekommen sind – dem Schneidebrett. Beim «swisspressed»-Verfahren wird das Massivholz nach dem Dämpfen komprimiert, wodurch die Oberfläche härter und widerstandsfähiger wird. Bei einem Schneidebrett mit einer solchen Oberfläche wird das scharfe Brotmesser also deutlich weniger Spuren hinterlassen als auf einem herkömmlichen Holzbrettchen. Oder wie es der Entwickler des Verfahrens selbst formuliert: «Es bleibt Holz – nur besser!» Durch das Verdichten des Holzes lassen sich aber nicht nur seine Eigenschaften verändern, sondern auch die Optik. So lassen sich etwa Strukturen, Logos oder Bilder in die Oberfläche einprägen. Die Anwendungsmöglichkeiten für sein Verfahren erachtet Amrhyn als annähernd endlos. Man müsse sie nur noch entdecken.

Ambitionierte Ziele

Auf ein weiteres und sehr vielversprechendes Anwendungsfeld ist Amrhyn vor etwas mehr als drei Jahren gestossen. Das komprimierte Holz sollte doch eigentlich auch bei einem Baseballschläger entscheidende Vorteile gegenüber «normalem» Holz bringen, so die Theorie. Eine Theorie, die sich – und die Formulierung könnte passender nicht sein – in der Zwischenzeit verdichtet hat. Und so ist aus der Theorie mittlerweile ein neuer Geschäftszweig entstanden. Ein Geschäftszweig, der dazu geführt hat, dass man in der Werkstatt des Fasstischmachers zurzeit kaum eine Ecke erblickt, in der nicht mehrere Baseballschläger stehen, liegen oder hängen. Die Begeisterung für das neue Anwendungsfeld ist im Gespräch mit Amrhyn deutlich spürbar – genauso wie die Überzeugung, was die Qualität und die Leistung des eigenen Produktes anbelangt. Zufrieden ist der Perfektionist aber noch lange nicht. Irgendwo findet sich immer noch ein kleines Detail, das es zu verbessern gilt. Und das formulierte Ziel Amrhyns ist so klar wie ambitioniert: «Ich möchte den besten Baseballschläger auf dem Markt herstellen, und das unter dem Label ‹Made in Switzerland›.» Und so feilt der Fasstischmacher in jeder freien Minute an der perfekten Form und den optimalen Proportionen für seine Sportgeräte.

Bereits einen Namen gemacht

Indes werden die Baseballschläger aus dem Jura bereits von einigen namhaften Spielern in der NLA (Nationalliga A) der Schweiz und in Deutschland geschwungen. Ein Erfolg, der alles andere als selbstverständlich ist. Denn Hersteller gibt es auf dem Markt bereits zur Genüge. «Auf uns hat sicherlich niemand gewartet», sagt Corinna Amrhyn, Geschäftsführerin der neu gegründeten Firma Alysius Sports Sàrl, mit der das Ehepaar seine «Alysius Bats» nun produziert und vertreibt. «Umso mehr freut es uns, dass wir uns in verhältnismässig kurzer Zeit bereits einen Namen in der Baseballgemeinschaft machen konnten.»

Ein Umstand, der nicht einfach so gekommen, sondern hart erarbeitet ist. So besuchte die Familie in den letzten zwei Jahren zahlreiche Baseballspiele in der Schweiz und in Deutschland. Zum einen, um ihre Schläger zu bewerben, und zum anderen auch, um Feedback von erfahrenen Spielern zu sammeln und so das eigene Produkt stetig weiterentwickeln zu können. Denn das nötige Wissen, was einen guten Schläger überhaupt ausmacht und wie dieser herzustellen ist, hat sich das Ehepaar erst in den letzten zwei Jahren angeeignet – einen Bezug zu dem Sport hat es zuvor nicht gegeben.

Entscheidende Vorteile

Dass die «Alysius Bats» den Schlägern etablierter Hersteller auf dem Markt in nichts nachstehen, zeigen die Rückmeldungen der Spieler. Vielmehr haben die Sportgeräte aus dem Jura gegenüber anderen Baseballschlägern aus Holz einige entscheidende Vorteile. So wird durch das besondere Komprimierungsverfahren etwa die Dich- te des Holzes erhöht. «Bei unseren Schlägern kommt es dank der Behandlung im Wasserdampf ausserdem zu weniger Vibrationen beim Schlagen», erklärt Corinna Amrhyn. Dies bedeutet für die Spieler weniger Belastung für die Gelenke, Bänder und Sehnen.

Durch das Verdichten des Holzes im Bereich der Schlagfläche gelangt zudem mehr Gewicht in diesen Teil des Schlägers – ohne dass der Durchmesser zunimmt. Ein wichtiger Nachsatz, denn für den Durchmesser eines Baseballschlägers gilt laut Reglement eine strikte Obergrenze. «Dank dieser Gewichtsverlagerung hin zum Barrel, also dem Schlagkörper, lassen sich unsere Schläger schneller schwingen», erklärt Walter Amrhyn. Dies bedeutet wiederum mehr potenzielle Energie und somit eine höhere Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Ball weiter geschlagen werden kann.

Beeindruckende Verschlankungskur

Die technischen Details hinter «swisspressed» möchte Amrhyn verständlicherweise nicht verraten. Und obwohl man es dem fertigen Produkt nicht ansieht, sind die Zahlen beeindruckend. So ist Amrhyn mit seinem Verfahren imstande, den Durchmesser der Baseballschläger um mehrere Millimeter zu komprimieren. Damit diese Verformung überhaupt möglich ist, müssen die Parameter bei der Veredelung, wie der Fasstischmacher diese Bearbeitungsschritte auch nennt, exakt stimmen. Hier kommen ihm seine langjährigen Erfahrungen mit den Fassdauben zugute. Vor der Veredelung erhalten die Schläger ihre (fast) finale Form. Hierfür steht in der Werkstatt der Walter’s Wood Idea AG seit diesem Frühjahr eine CNC-gesteuerte Vierachs-Drechselmaschine. So können die Baseballschläger nun in einem Arbeitsgang aus dem Rohling gefräst, ausgedreht und vorgeschliffen werden. «Mit der Maschine können wir nun wesentlich rationaler produzieren, und Anpassungen in Form und Grösse der Schläger sind viel einfacher umzusetzen», sagt Amrhyn. Für das Schreiben der CNC-Programme arbeitet er eng mit dem Hersteller zusammen. «Ich habe nicht die Musse, mich in das Programmieren reinzufuchsen», sagt der Fasstischmacher. Viel lieber tüftelt er an der nächsten Version der «Alysius Bats».

Holz ist nicht gleich Holz

Reichlich Kopfzerbrechen bereitet dem Fasstischmacher zurzeit die Frage nach dem besten Holz für seine Baseballschläger. Das ist nämlich nicht unbedingt die Esche, wie der Schreiner wohl sofort vermuten würde. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass nicht zwingend die Holzart der entscheidende Faktor ist, sondern vielmehr der Faserverlauf, ein fehlerfreier Wuchs sowie die Rohdichte des Rohlings. So steht zurzeit der Anspruch, die Baseballschläger auch aus Schweizer Holz herzustellen, auf der Kippe. «Das Holz, das wir brauchen, ist in der Dicke und mit Schweizer Herkunft schwer zu finden», sagt Amrhyn.

Zu Problemen in der Holzbeschaffung führt nicht zuletzt auch ein kleines Detail bei der Deklarierung. So wird bei den Holzhändlern in der Regel ein Mittelwert für die Rohdichte eines Brettes ausgerechnet. «Damit ich abschätzen kann, ob sich das Holz für meine Zwecke eignet, brauche ich aber die exakte Rohdichte des besäumten Brettes oder, noch besser, des bereits formatierten Rohlings», erklärt Amrhyn.

Im Prinzip ein Verbrauchsgegenstand

Im Baseballland USA wäre es hingegen deutlich einfacher, an die benötigten Angaben zu kommen. So würden dort diverse Lieferanten entsprechende Rohlinge mit den exakten Angaben zur Rohdichte anbieten, wie Amrhyn sagt.

Den Traum von Baseballschlägern aus Schweizer Holz möchte er deshalb aber noch nicht so schnell aufgegben. Und so experimentiert er weiter mit einheimischen Holzarten. Ein Kompromiss könnte vielleicht ein Verbund aus einheimischem Holz und einem filigranen Kern aus Bambus darstellen. Bisher haben die Versuche aber noch nicht zu den gewünschten Verbesserungen geführt, und die Schläger mit dieser Materialkombination sind verhältnismässig früh gebrochen.

Nicht, dass es realistisch wäre, dass ein Schläger nie bricht, wie Amrhyn irgendwann akzeptieren musste. Dafür ist die Krafteinwirkung auf das Schlaggerät im Profisport einfach zu gross. «Jeder Baseballschläger aus Holz wird früher oder später einmal brechen – egal, wie gut er auch sein mag», sagt Amrhyn und fügt lachend an: «Daher ist ein Holzschläger im Prinzip ein Verbrauchsgegenstand, auch wenn ich es mir anders wünschen würde.» Dennoch gelte es natürlich, einen Schläger herzustellen, der möglichst lange ganz bleibt.

Fas(s)zinierend

Um diesem Ziel gerecht zu werden, musste die andere Leidenschaft des Fasstischmachers zwischenzeitlich ein wenig hinten anstehen. Ganz loslassen wird ihn seine Faszination für das Fassholz aber keinesfalls. Schliesslich wartet im Lager der Walter’s Wood Idea AG das Holz von über 300 Fässern darauf, zu einem Möbel weiterverarbeitet zu werden.

Ein Bezug zu den Fässern taucht dann aber auch im Zusammenhang mit den Baseballschlägern unverhofft wieder auf. Und wer der englischen Sprache mächtig ist, wird dies zuvor vielleicht schon bemerkt haben. Denn die englische Bezeichnung für den Schlagkörper eines Baseballschlägers ist «Barrel», was übersetzt nichts anderes als «Fass» bedeutet.

www.wood-idea.chwww.alysius.ch

Sven Bürki

Veröffentlichung: 27. August 2026 / Ausgabe 35/2026

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