Längere Standzeit dank Reinigung per Ultraschall


Nein, keine Fritteuse, sondern ein Gerät für das Reinigen von Gegenständen und Werkzeugen mit Ultraschallwellen. Bild: Sven Bürki


Nein, keine Fritteuse, sondern ein Gerät für das Reinigen von Gegenständen und Werkzeugen mit Ultraschallwellen. Bild: Sven Bürki
Sven Bürki macht den Test. Die Werkzeugpflege war ein wichtiger Bestandteil in den Trainings und Vorbereitungen von Fachredaktor Sven Bürki auf seinem Weg zu den World Skills 2017 in Abu Dhabi. So manche Stunde ging daher für die Reinigung und Pflege von Fräsern, Bohrern und Co. drauf. Ob ihm die Reinigung per Ultraschall damals hätte Zeit und Mühe sparen können, wollte der Möbelschreiner-Weltmeister in diesem Praxistest herausfinden.
Achtung Verwechslungsgefahr! Das Gerät in diesem Testbericht ist nicht dazu gedacht, um Lebensmittel in heissem Öl zu frittieren, sondern um Werkzeuge und Gegenstände von Öl, Fett und Verschmutzungen zu reinigen. Zugegeben, der Warnhinweis ist mit einem Augenzwinkern versehen und natürlich mit Humor zu geniessen. Aber gewisse Ähnlichkeiten mit einer kleinen Fritteuse lassen sich nicht gänzlich von der Hand weisen. Tatsächlich wird das zu reinigende Gut bei dem heutigen Testgerät auch mit einem Edelstahlkorb in das Ultraschallbad eingesetzt – also genau so, wie auch die Pommes in ihr heisses Ölbad gelangen.
Aber Spass beiseite – in diesem Bericht soll es schliesslich um die Ultraschallreinigung gehen. Diese kommt überall dort zum Einsatz, wo empfindliche oder schwer zugängliche Teile gründlich gereinigt werden müssen. So etwa in der Automobilindustrie, im Medizinal- oder Dentalbereich oder auch in der Schmuck- und Uhrenindustrie. Ich bin vor etwas mehr als einem Jahr über das Thema gestolpert, als ich im Sortiment von Shaper ein ebensolches Gerät – quasi im Taschenformat – entdeckt habe. Seither sind mir solche kompakte Ultraschallreiniger vermehrt untergekommen, und ich habe mich gefragt, wie leistungsfähig diese kleinen Geräte sind.
Für diesen Praxistest hat mir die HWS AG einen Ultraschallreiniger zur Verfügung gestellt, den das Unternehmen in Stäfa ZH normalerweise selbst nutzt, um Werkzeuge und Gegenstände zu reinigen. Der von mir getestete «Ultraschall-Teilereiniger 3.2 Liter» sowie ein Gerät mit einem Fassungsvermögen von 6,5 Litern finden sich zudem im Sortiment der HWS AG.
Während in der Industrie natürlich weitaus grössere Geräte zum Einsatz kommen, hat mein Testgerät mit 3,2 Litern ein recht überschaubares Fassungsvermögen. Die Technologie ist aber dieselbe. So basiert die Ultraschallreinigung auf dem sogenannten Kavitationseffekt. Durch Ultraschallwellen bilden sich in einer Flüssigkeit mikroskopisch kleine Bläschen, die implodieren und dadurch die Kavitation erzeugen. Da diese Bläschen klein genug sind, um in winzige Risse und Spalten einzudringen, entsteht ein wirkungsvoller Reinigungseffekt. Aus meiner Sicht hat die Technologie deshalb auch im Arbeitsalltag einer Schreinerei grosses Potenzial – etwa, um die Werkzeugschneiden von Sägeblättern, Fräsern oder Bohrern effektiv von Verschmutzungen und Ablagerungen zu reinigen. Natürlich gelingt dies auch mit einer manuellen Reinigung. Doch jeder, der mal einen mit Harz verklebten Fräser von Hand gereinigt hat, weiss, wie zeitaufwendig und mühsam das sein kann.
Nun könnte man die Frage anführen, warum die Werkzeuge überhaupt einer Reinigung bedürfen, wenn sie vom nächsten Schärfgang ja ohnehin gereinigt zurückkommen werden. Die Antwort auf diesen Einwand liefert HWS-Geschäftsführer Adrian Guggisberg, der tagtäglich mit dieser Thematik zu tun hat. So würden viele Werkzeuge, die beim Unternehmen zum Nachschärfen landen, dies gar noch nicht nötig haben. Vielmehr kommen die Brandstellen bzw. die unsauberen Fräs- oder Sägebilder oft von den Verschmutzungen und Ablagerungen auf den Werkzeugschneiden. «Nach unserer Erfahrung lässt sich gut und gerne nochmals eine Standzeit aus den Werkzeugen herausholen, wenn sie regelmässig gereinigt werden», erklärt Guggisberg.
Eine zusätzliche Standzeit klingt durchaus verlockend. Und aus meiner Sicht hätte sich die Anschaffung eines Ultraschallreinigers somit schnell amortisiert – zumindest, wenn die Geräte halten, was sie versprechen. Und genau das wollte ich in diesem Praxistest herausfinden.
Also schnell noch einen Blick in die Bedienungsanleitung geworfen, denn da sind die Warnhinweise keinesfalls humoristisch zu verstehen. Grundsätzlich steht dort nichts, was mit gesundem Menschenverstand nicht ohnehin klar wäre, aber das Gerät arbeitet nun mal mit Strom und Wasser. Eine gewisse Vorsicht kann also nicht schaden. Der Bedienungsanleitung lässt sich ausserdem entnehmen, dass der Ultraschallreiniger entweder mit reinem Leitungswasser oder, für eine bessere Reinigungsleistung, mit einem Zusatz von ein paar Tropfen Geschirrspülmittel oder einem speziellen Reinigungskonzentrat betrieben werden kann. Ein solches Reinigungskonzentrat wurde mir ebenfalls von der HWS AG zur Verfügung gestellt. Der Universalreiniger für Ultraschall «Tickopur R33» wird in einer Dosierung von 3–5 % dem Wasser beigegeben. Die Waschlösung darf mit diesem Mischverhältnis in die Kanalisation gegeben werden. Zumindest sofern die darin gelösten Verschmutzungen dies zulassen.
Wie mich Guggisberg bereits vorgewarnt hat, dauert das Aufheizen des Gerätes einen Moment. So musste ich mich eine gute halbe Stunde gedulden, bis das eingefüllte Wasser die gewünschten 60 °C erreicht hatte. In der Regel erreiche man die besten Resultate mit einer Temperatur zwischen 40 °C und 60 °C, wie mir Guggisberg im Vorfeld erklärte. Die Temperatur lässt sich bei dem Testgerät von 20 °C bis 80 °C einstellen. Wer sich die Aufheizphase sparen möchte, kann das Gerät aber auch mit bereits temperiertem Wasser befüllen.
Zum Einsetzen und Entnehmen des Edelstahlkorbes sollte jeweils die Stromquelle getrennt werden, so die Anweisung in der Bedienungsanleitung. Gesagt, getan und danach das Gerät wieder eingesteckt.
Mit dem Einstellen der Zeitschaltuhr werden auch automatisch die Ultraschallwellen aktiviert. Dies ist zum einen gut zu sehen, da sich sofort gelöste Schmutzpartikel in der Waschlösung ausbreiten, und zum anderen auch gut zu hören. Wobei das leicht untertrieben ist. Denn das Geräusch, das manche vielleicht von der Zahnreinigung wiedererkennen werden, ist wirklich sehr unangenehm. Zumal ich feststellen musste, dass auch ein Gehörschutz nur bedingt etwas dagegen nützt. So habe ich das Gerät dann auch ziemlich schnell einmal in den Nebenraum gezügelt, um dem nervtötenden Geräusch nicht permanent ausgesetzt zu sein.
Da die Zeitschaltuhr die automatische Abschaltung des Ultraschalls übernimmt, kann man den Reiniger getrost in einem anderen Raum arbeiten lassen. Während des Betriebes und natürlich auch schon während der Aufheizphase sollte der Deckel immer auf dem Gerät sein, um einen unnötigen Energieverlust zu vermeiden.
Als ich nach Ablauf der eingestellten zehn Minuten schliesslich gespannt den Deckel hob, war der erste Blick auf das Resultat zunächst mal sehr getrübt. Und das ist in diesem Fall nicht im übertragenen Sinn gemeint, sondern wörtlich. Denn das Werkzeug am Boden des Edelstahlkorbes war kaum mehr zu sehen, so trüb war die Waschlösung bereits beim ersten Waschgang geworden. Nach dem Entnehmen des Korbes zeigt sich dann schon ein deutlich klareres oder vielmehr glänzenderes Bild. Nahezu alle Verschmutzungen und Ablagerungen an den Fräsern, Wendeschneiden und Kegelsenkern waren verschwunden. Was noch übrig geblieben war, liess sich mit einem Lappen oder mit einer Messingbürste problemlos entfernen. Da das Reinigungskonzentrat mit einem Korrosionsschutz versehen ist, konnte ich das Werkzeug nach der Reinigung lediglich noch kurz abtupfen und danach aufgestellt trocknen lassen.
Nicht ganz so glänzend wie erhofft, ist hingegen der Zentrumsfinder aus Messing aus dem Ultraschallbad gekommen. Zwar haben sich die störenden Leimrückstände vollständig von dem Werkzeug gelöst, doch die Oberfläche des Buntmetalls ist stark angelaufen. So bewahrheitete sich die Empfehlung auf dem Etikett des Reinigungskonzentrates, dass Materialien immer durch Vorversuche geprüft werden sollten. Wovon generell abgeraten wird, ist das Reinigen von Gegenständen aus Zinn oder Zink, da das Reinigungskonzentrat die Oberflächen der beiden Metalle angreifen kann. Ohne Zusatz eines Konzentrates können laut Betriebsanleitung des Ultraschallreinigers jedoch alle Produkte und Materialien per Ultraschall gereinigt werden, die porenfrei sind und sich in Wasser tauchen lassen – mit Ausnahme einiger Edelsteine. Ein Vorversuch sei aber generell immer sinnvoll, wie auch Guggisberg empfiehlt.
Da die Oberfläche meines Zentrumsfinders bis auf die farbliche Veränderung aber nicht gelitten hatte und sich die gebildete Patina problemlos rauspolieren liess, war das in diesem Fall nicht weiter schlimm. Was sich weniger gut rauspolieren liess, waren die Ablösungen der Kunststoffbeschichtung, die ich nach weiteren Reinigungsdurchgängen bei einigen Oberfräsern beobachten konnte. Bei anderen Fräsern mit mutmasslich derselben Beschichtung trat das Phänomen allerdings nicht auf. Eine mögliche Erklärung für das Phänomen könnten beschädigte Stellen in der Kunststoffbeschichtung sein, die dem Kavitationseffekt genügend Angriffsfläche bieten, um die Oberfläche aufzusprengen und abzulösen, wie Guggisberg auf Nachfrage vermutet. Eine etwas schonendere Reinigung, also ohne den Zusatz von Reinigungskonzentrat, mit geringerer Temperatur oder einfach für eine kürzere Dauer, könne eine Möglichkeit sein, dem vorzubeugen.
Ansonsten haben sich auch nach mehreren Durchgängen und der erfolgreichen Reinigung der verschiedensten Fräs- und Bohrwerkzeuge sowie mehrerer Stechbeitel und einer Kettensägekette keine Probleme gezeigt. Na ja, zumindest, wenn man meine tolle Idee mal ausklammert, ein zusätzliches Drahtgitter als Werkzeughalter zu verwenden. Der Reinigungseffekt nimmt nämlich ab, wenn die Werkzeuge im Ultraschallbad übereinanderliegen und sich berühren. Ordentlich aufgestellt und durch eine zusätzliche Ebene im Edelstahlkorb an Ort und Stelle gehalten, können in einem Reinigungsgang also mehr Werkzeuge gleichzeitig und effektiver gereinigt werden, so meine Überzeugung. Dass sich die verzinkte Oberfläche des verwendeten Drahtgitters mit dem Reinigungskonzentrat möglicherweise nicht so gut verträgt, habe ich an der Stelle leider nicht bedacht. So hatte ich dann einen Korb voll Fräswerkzeug mit kalkähnlichen Flecken. Die Rückstände sind nach dem Austausch der Waschlösung und einem weiteren Durchgang im Ultraschallbad aber glücklicherweise nahezu vollständig wieder verschwunden. Ein Gitter aus Edelstahl wäre dem verzinkten also definitiv vorzuziehen. Generell sollte die Waschlösung gelegentlich ausgetauscht werden, da ihre Wirksamkeit mit der Zeit nachlässt. In welchem Abstand dies geschieht, hängt in erster Linie vom Verschmutzungsgrad der Werkzeuge oder Gegenstände ab.
Und wenn wir gerade beim Verschmutzungsgrad sind: Bei allen Werkzeugen, die ich in diesem Praxistest ausprobiert habe, konnte der Ultraschallreiniger das Gros der Ablagerungen an den Schneiden oder der generellen Verschmutzungen lösen – von den vereinzelt vorkommenden Rostflecken mal abgesehen. Bei besonders hartnäckigen Ablagerungen oder bei Innenecken bedurfte es manchmal noch etwas Nacharbeit mit dem Lappen, der Messingbürste oder auch der Druckluftpistole. Insgesamt ist der Zeitaufwand aber um ein Vielfaches kleiner als mit einer reinen Handreinigung, besonders bei einem Sägeblatt mit seinen zahlreichen Zähnen. Das Testgerät ist für die effektive Reinigung eines Kreissägeblattes sicherlich zu klein, es ist aber durchaus möglich, wie das Bild Nr. 7 beweist. Ein grösseres Gerät kann also durchaus Sinn machen, möchte man regelmässig Sägeblätter im Ultraschallbad reinigen. Den grössten Mehrwert sehe ich allerdings bei Gegenständen mit vielen Flächen, Ecken oder Zwischenräumen wie etwa den Spannfuttern einer Oberfräse oder auch Wendeplattenfräsern. Letztere habe ich mit montierten Schneiden und inklusive Kugellager in das Ultraschallbad gegeben, und herausgekommen sind sie wie neu. So darf ich mich bei einem zuvor sehr schwergängig laufenden Kugellager nun wieder über einen freien und leichten Lauf freuen. Hier empfehle ich das Ausblasen mit Druckluft direkt nach der Reinigung, denn wie das Bild Nr. 6 zeigt, kann sich ganz schön viel Schmutz im Innern ansammeln. Dass das Kugellager danach einen guten Tropfen Öl braucht, versteht sich von selbst.
Bereits in der kompakten Grösse des Testgerätes sehe ich den Ultraschallreiniger als praktisches Hilfsmittel für die Werkstatt. Wer grössere Werkzeuge wie Kehlmaschinenfräser oder Sägeblätter effektiv reinigen will, ist mit einem grösseren Gerät aber sicherlich besser bedient. Vorversuche sind erwiesenermassen ratsam – genauso wie das überlegte Platzieren des Gerätes. Denn das durchdringende Geräusch der Ultraschallwellen lässt sich in unmittelbarer Nähe wirklich schwerlich über einen längeren Zeitraum aushalten.
|
Masse (L × B × H) |
270 × 170 × 240 mm |
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Behälterinhalt |
3,2 l |
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Grösse Edelstahlkorb |
220 × 120 × 70 mm |
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Gewicht |
2,868 kg |
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Betriebsspannung |
230 V |
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Ultraschallleistung |
120 W |
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Heizleistung |
100 W |
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Ultraschallfrequenz |
40 kHz |
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Einstellbereich Temperatur |
20–80 °C |
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Einstellbereich Zeitschaltuhr |
0–20 min |
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Lieferumfang |
• |
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Preis exkl. MwSt. |
CHF 295.– |
Veröffentlichung: 02. Juli 2026 / Ausgabe 27-28/2026
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