Kurz an der Langloch gebohrt

In der Schreinerei Arnold setzt man die Neue vor allem für das Bohren von Dübelverbindungen bei Rahmenkonstruktionen ein. Bild: Christian Härtel

Langloch-Bohrmaschine.  Einer der Klassiker im Maschinenpark der Holzbearbeitung steht heute meist nicht mehr im Zentrum der Betrachtung. Aber die Langloch-Bohrmaschine leistet nach wie vor gute Dienste, weshalb auch Schreiner Leo Arnold erst kürzlich eine neue gekauft hat.

Manche haben einen Mehrspindel-Bohrkopf. Bei anderen kann man die Neigung des Bohraggregates einstellen. Die meisten Exemplare der Langloch-Bohrmaschine jedoch können vor allem eines: zuverlässig über Jahrzehnte exakt Loch für Loch bohren und Langlöcher fräsen. Ob es die Verbindung von Rahmenkonstruktionen, das Bohren grösserer Materialquerschnitte oder das Fräsen von Schlosskästen bei Türen ist: Die Langloch-Bohrmaschine ist durchaus vielseitig, und wenn sie nicht gebraucht wird, ist ihr Platzbedarf in der Werkstatt meist nicht entscheidend. «Die Nachfrage ist weniger geworden. Die Maschinen- gattung wird jedoch auch künftig ihre Berechtigung haben. Denn viele Betriebe benötigen sie für die Berufsausbildung», sagt Peter Eigenmann, Geschäftsleiter des gleichnamigen Handelsunternehmens in Dietfurt SG.

Ein Besuch in der Werkstatt bei Schreiner Leo Arnold in Meierskappel LU bestätigt diese Aussage. Bei der Ineichen AG aus Ermensee LU hat Arnold jüngst eine neue Langloch vom Hersteller Hofmann gekauft. Und ganze zehn Personen der insgesamt 37 Mitarbeitenden sind in der Schreinerei Arnold AG aktuell in Ausbildung. «Unser Betrieb kann so durch unseren eigenen Nachwuchs wachsen. Auch dieses Jahr werden wieder zwei Lernende nach dem Abschluss bei uns bleiben», sagt Arnold.

Wer alles macht, muss flexibel sein

Dass die Auszubildenden eine Maschine haben, mit der sie grundlegende Arbeiten wie Dübelverbindungen, etwa für gestemmte Türen, bohren können, ist ein wichtiger Aspekt bei solchen Maschinen, die heute vielerorts durch CNC-gesteuerte Maschinen ersetzt wurden.

Arnold geht es darüber hinaus auch um Flexibilität in der Fertigung. Denn das Spektrum der angebotenen Arbeiten ist sehr weit. Innenausbau, Türen und Möbel aller Art sowie bis zu 60 Küchen im Jahr gehören dazu. Während des Besuchs in der Werkstatt reparieren einige Lernende Holz-klappläden. Daran sind Teile zu ersetzen, Lamellen zu richten, die Oberfläche aufzufrischen und manche Läden auch zu erneuern. Die haben verschiedene Formate und Formen und sind deshalb nur mit viel Handarbeit zu bewältigen. «Wir können mit unserem Maschinenpark alles anbieten und machen das auch. Und ich möchte einfach sehr flexibel bleiben», erklärt Arnold.

Dazu gehört auch die Arbeit mit der Langloch-Bohrmaschine, auf der hauptsächlich gedübelte Rahmeneckverbindungen für Türen gebohrt werden. Die haben stets unterschiedliche Masse und Ausführungen. Die Serie endet nicht selten bei der Stückzahl zwei oder drei. «Wenn Flexibilität wichtig ist und Sonderteile gefertigt werden, dann ist die Langloch sinnvoll», sagt auch Markus Ambauen, Anwendungstechniker der Arthur Bründler AG in Ebikon LU.

Trotz Langloch auch ein Kettenstemmer

Auch einen Kettenstemmer hat Arnold an zentraler Stelle in der Werkstatt platziert. Der wird als stationäre Maschine gar nicht mehr gebaut, weshalb man sich des Occasionsmarkts bedient und die Maschine hat revidieren lassen. Schlosskästen von Türen lassen sich damit immer noch schnell, einfach und präzise einfräsen, und auch beim Fräsen von Zapfenlöchern ist die Maschine kaum zu toppen, vorausgesetzt, man hat etwas Übung im Umgang damit.

Für Arnold war die Entscheidung für eine Ersatzinvestition der neuen Langloch keine Frage. Sie ist fester Bestandteil der Fertigungsplanung. Generell komme es auf die Einteilung und Organisation an, damit die Dinge funktionierten. Auch grössere Aufträge für Küchen in Serien habe man gut im Griff. So baut Arnold die Korpusse in der Werkstatt zusammen und bringt diese mit Hilfe eines Zügelliftes in die Wohnungen. «Während die ersten Korpusse an den Ort der Bestimmung kommen, sind schon die Sockel ausgerichtet», so Arnold.

Interessanter Occasionsmarkt

Die Anzahl an Herstellern und Modellen für Langloch-Bohrmaschinen ist im Laufe der Zeit merklich zurückgegangen. Neben einigen Schreinermaschinen sind noch Modelle am Markt, die sich insbesondere für Treppenbauer eignen.

Auch auf den Websites der Hersteller findet man die Maschinen meist nicht gerade an erster Stelle. Die Handelsunternehmen bestätigen eine Nachfrage auf niedrigem Niveau. Etwas präsenter sind die Semiprofi-Maschinen, die im Web deutlich leichter zu finden sind.

Bei Maschinentypen wie der Langloch, die nicht gerade im Fokus der Entwicklung von den Herstellern stehen, kann der Occasionsmarkt durchaus eine interessante Option sein, vor allem, wenn die Maschine ergänzend angeschafft werden soll. Die Schweizer Maschinenhändler haben immer wieder solche Maschinen im Programm, teils mit interessanten Ausstattungsmerkmalen. Denn im Laufe der Zeit sind bei den Langloch-Bohrmaschinen auch technische Innovationen umgesetzt worden. Das betrifft etwa die Vorrichtungen für mehr Rasterbohrungen, Gehrungs- und Winkelanschläge, schwenkbare Bohraggregate, Digitalanzeigen und eine ganze Reihe von Hilfsanschlägen, mit denen die Arbeit erleichtert wird und so das Bohren und Fräsen rationeller machen. Auch so mancher Korpusverbinder liesse sich mit der Langloch umsetzen. Während etwa Verbinder von Lamello längst am Bearbeitungszentrum eingefräst werden, scheint in dieser Hinsicht noch einiges an Potenzial bei der Langloch zu schlummern.

Der österreichische Hersteller Felder bietet mit seiner Maschine die Möglichkeit, auch zu stemmen. Zum Einsatz kommen dabei Bohrer, die als quadratisches Stemmeisen in Form einer umgebenden Hülse geführt werden. So entsteht bei jeder Bohrung ein quadratisches Zapfenloch. Solche zusätz- lichen Funktionen könnten auch ältere Maschinen durch Nachrüstung wieder interessanter machen. Denn die gibt es noch: «Die Maschinen sind langlebig und überdauern locker eine Inhabergeneration», weiss Markus Ambauen.

www.eigenmannag.chwww.ineichen.chwww.schreinereiarnold.chwww.bruendler.ch

Christian Härtel

Veröffentlichung: 09. April 2026 / Ausgabe 15/2026

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