Schlagfertigkeit für harte Aufgaben

Montagearbeiten mit Akkubohrhammer von Bosch, welcher mit einer integrierten Absaugung ausgestattet ist. Bild: Robert Bosch AG

SCHLAGBOHRHÄMMER.  Schlagbohrhämmer gehören auf Montage zur zentralen Grundausrüstung. Die neuesten Modelle bieten nebst moderner Ergonomie und Funktionalität bewährte Leistung und Dauerhaftigkeit.

Bei der Küchenmontage, beim Einbau von Schränken oder bei der Befestigung von Fenstern und Türen, wo der Akkuschrauber keine Option darstellt, ist der Bohrhammer schnell zur Hand. Bohrarbeiten ins massive Mauerwerk lassen sich mit ihm rasch und mühelos ausführen, und eine alte Türschwelle ist im Nu weggespitzt. Auch auf der Baustelle gibt es viele Situationen, wo der bewährte Bohrhammer sehr gute Dienste leistet. Moderne Geräte haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Funktionalität, Ergonomie und Sicherheit haben sich verbessert. Aspekte, die für den täglichen Einsatz wichtig sind. Grund genug, einen Blick auf den aktuellen Stand der Technik zu werfen.

Schlagbohrmaschine oder -hammer?

Damit klar ist, von welchem Werkzeug die Rede ist, lohnt es sich zunächst, die Begrifflichkeiten zu klären. Obwohl die Bezeichnungen im Alltag ab und zu vermischt werden, handelt es sich bei Schlagbohrmaschine und Schlagbohrhammer um technisch unterschiedliche Werkzeuge, welche sich für getrennte Einsatzbereiche eignen.

Eine Schlagbohrmaschine erzeugt den Schlag mechanisch über zwei gezahnte Scheiben, die beim Bohren gegeneinandergedrückt werden. Der Schlag ist eher leicht und hochfrequent, gut erkennbar am oftmals unangenehm hohen Ton beim Bohren. Diese Bauart eignet sich für Bohrungen in Kalksandstein oder Backstein, stösst aber bei Beton und Granit rasch an ihre Grenzen. Der Schlagbohrhammer arbeitet dagegen mit einem pneumatischen Schlagwerk. Ein Kolben erzeugt dabei die Schlagenergie unabhängig vom Anpressdruck des Anwenders. Dadurch entsteht eine deutlich höhere Schlagkraft, die speziell für Beton und harte Materialien ausgelegt ist. Gleichzeitig wird der Anwender körperlich entlastet, da weniger Druck erforderlich ist. Das Bohren gelingt ohne grossen Kraftaufwand.

Ohne Kabel, bitte sehr!

«Anhand der Verkaufszahlen lässt sich klar feststellen: Es werden immer mehr Bohrhämmer mit Akku verwendet», sagt Niklaus Bühlmann von der Immer AG in Uetendorf BE. Als Händler in beratender Funktion gegenüber Handwerkern hat man im Unternehmen einen guten Überblick, was die Entwicklung bei Handmaschinen angeht. Akkugeräte haben sich in den letzten Jahren stark verbreitet. Die Leistungsdaten sind den kabelgebundenen Maschinen ebenbürtig, auch bei Maschinen mit eher hoher Leistungsaufnahme wie dem Bohrhammer. Ihre Vorteile liegen in der Mobilität und Flexibilität, bei der Arbeit stört kein Kabel, und es ist keine Stromquelle in der Nähe nötig. Für den Bohrhammer ein zentrales Argument, denn er wird bei Montagearbeiten meist an den unterschiedlichsten Orten eingesetzt. Kommt dazu, dass Schreiner den Bohrhammer eher sporadisch für Befestigungsbohrungen nutzen. Schwere Spitz- und Bohrarbeiten im Dauerbetrieb, was nach wie vor für kabelgebundene Lösungen spricht, stehen weniger im Fokus. Eine kompakte Bauform, gute Balance zwischen Leistung und Gewicht, Flexibilität und Ergonomie sind entscheidender als die reine Leistung. Trotz weniger Nachteile wie des höheren Gewichts aufgrund schwerer Akkupacks oder des regelmässigen Wechselns der Akkus fällt die Wahl vieler Schreinereien heute also auf eine Akkumaschine. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Anzahl Akkus pro Maschine nötig ist. «Für einen kontinuierlichen Arbeitsablauf in der Praxis empfehlen wir in der Regel drei Akkus für den Wechselbetrieb», sagt Ursula Persici von der Robert Bosch AG in Zuchwil SO. Während ein Akku im Einsatz ist, kann ein zweiter abkühlen, und der dritte wird geladen. Mit den kurzen Ladezyklen von modernen Ladegeräten ermöglicht dies praktisch ein Dauerbetrieb. «Bei modernen und ausreichend leistungsfähigen Akkubohrhämmern kommt es zu keinem spürbaren Leistungsabfall während der Arbeit, solange der Akku ausreichend geladen ist», sagt Ursula Persinci.

Technisch auf dem Stand der Zeit

Doch was genau können heutige Bohrhämmer? Mehr als Löcher bohren oder Mauerwerk zertrümmern? Eigentlich nein, aber moderne Geräte machen den Job mithilfe neuer Funktionen effizienter, sicherer und angenehmer als vor Jahren. Wer das Angebot der führenden Anbieter überblickt, erkennt die folgenden Neuerungen, welche sich durchgesetzt haben.

  • Bürstenlose Motoren (Brushless-Motor): Hochwertige Geräte arbeiten heute mit bürstenlosen Elektromotoren. Diese sind effizienter, erzeugen weniger Wärme und gelten als langlebiger als klassische Motoren mit Kohlebürsten. Für Anwender bedeutet dies mehr Leistung bei kompakter Bauweise und weniger Wartungsaufwand, da der regelmässige Austausch der Kohlebürsten entfällt.
  • Moderne Akkutechnik: Bei der Akku- technologie gibt es grosse Fortschritte. Moderne Lithium-Ionen-Akkus liefern heute eine stabile Leistungsabgabe über die gesamte Laufzeit. Und diese Laufzeit hat sich stark verlängert. Waren vor zehn Jahren Werte wie 5 Amperestunden sehr hoch, erreichen moderne Topmodelle Werte bis 12 Amperestunden. In Kombi- nation mit leistungsfähigen Motoren erreichen akkubetriebene Schlagbohr- hämmer inzwischen Leistungsbereiche, die vor Kurzem noch kabelgebundenen Geräten vorbehalten waren.
  • Ergonomie, Bedienkomfort und Sicherheit: Wichtig für die Nutzung des Geräts sind Verbesserungen bei Ergonomie, Bedien- komfort und Sicherheit. Optimierte Griffzonen, ausgewogene Gewichtsver- teilung und integrierte Schlagdämpfungs- systeme reduzieren die Belastung für die Anwender, LED-Arbeitsleuchten brin- gen Licht ins Dunkel. Moderne Geräte punkten zudem mit elektronischen Schutzfunktionen. Diese schalten das Gerät in gefährlichen Situationen sofort aus, etwa beim Verhaken des Werkzeugs, bei unnatürlichen Bewegungen wie Rückschlägen oder bei Überlast des Motors. Damit wird nicht nur die Lebensdauer der Maschine verlängert, sondern auch die Sicherheit für die Nutzer stark verbessert.
  • Integrierte Staubabsaugung: Ein modernes Feature schafft Abhilfe für ein bekanntes Problem, nämlich den lästigen Bohrstaub. Wo früher mit einem separaten Staubsauger oder einem unter das Bohrloch geklebten Couvert gearbeitet werden musste, übernimmt heute die passende Staub- absaugung diese Aufgabe. Passend zum Maschinenmodell und mit Anlauf- steuerung ausgestattet, ermöglicht sie nahezu staubfreies Arbeiten.
  • Dauerhaftigkeit: Im professionellen Einsatz spielt die Haltbarkeit der Maschinen eine zentrale Rolle. Hier spielen die führenden Hersteller mit vergleichbaren Preisklassen in einer gemeinsamen Liga und bieten passende Lösungen für den Einsatz im Handwerk. Entscheidend sind die hochwertige Auslegung der Mechanik von Schlag- werk und Getriebe, eine wirksame Wärmeabfuhr am Motor sowie die Quali- tät der verbauten Elektronik. Weiter muss die stark beanspruchte Werk- zeugaufnahme, heute meist SDS-plus, als zentrale Komponente robust und langlebig ausgeführt sein, und ein guter Staubschutz für Elektronik und Motor ist ein Muss.

Der Weg zur passenden Maschine

Rasch wird klar: Angesichts der grossen Auswahl an Modellen und Leistungsklas-sen wird die Wahl des passenden Schlagbohrhammers zunehmend anspruchsvoller. Technische Daten reichen oft nicht aus, um eine Entscheidung zu fällen. Gewicht, Balance, Ergonomie und Laufzeit lassen sich in der Praxis deutlich besser beurteilen als auf dem Datenblatt. Tests und eine fachkundige Beratung können dabei helfen, Fehlentscheide zu vermeiden. «Wir stellen immer wieder fest, dass Maschinen entweder zu gross und zu schwer gewählt werden oder umgekehrt zu klein dimensioniert sind», sagt Niklaus Bühlmann.

Ein überdimensioniertes Gerät belastet durch Gewicht und schlechtes Handling den Anwender unnötig, während zu schwache Maschinen oder Akkus mit geringer Kapazität im Alltag rasch an ihre Grenzen stossen. Gerade bei akkubetriebenen Geräten ist es daher zentral, das ideale Zusammenspiel von Maschine und Akku zu erreichen, also die passende Kombination von Leistung und Handlichkeit. Das Gerät soll zur typischen Arbeit passen und nicht für den Ausnahmefall ausgelegt sein.

Das Team soll entscheiden

Nicht der Chef im Büro sollte über die Eignung einer Handmaschine entscheiden, sondern die Mitarbeitenden, welche die Geräte einsetzen. Sie wissen mit Sicherheit besser Bescheid zu allen möglichen Anforderungen und haben mehr Freude an der richtigen Wahl, was sich meist sehr positiv auf die Motivation auswirkt. Und zum Schluss muss noch ein Klassiker erwähnt sein. Ein weitverbreiteter Fehler ist die Orientierung an den Beschaffungskosten. Wer nach dem Preis und nicht nach den Anforderungen einkauft, muss mit einer Fehlbeschaffung rechnen. Schnell ist ein unpassendes Gerät gekauft, welches nicht den Anforderungen entspricht, aber eben gerade als Aktion angeboten wurde.

Moderne Schlagbohrhämmer sind leistungsfähiger, komfortabler und vielseitiger denn je. Für Schreinereien lohnt es sich, neue Geräte gezielt nach Einsatzgebiet auszuwählen. Ob gross oder klein, entscheidend ist vor allem, dass die Maschine zum Arbeits-alltag passt und langfristig zuverlässig ihren Dienst tut.

www.immerag.chwww.bosch-professional.comhttps://dech.milwaukeetool.eu/www.festool.ch

Roland Wildi

 

Veröffentlichung: 09. April 2026 / Ausgabe 15/2026

Artikel zum Thema

09. April 2026

Kurz an der Langloch gebohrt

Langloch-Bohrmaschine.  Einer der Klassiker im Maschinenpark der Holzbearbeitung steht heute meist nicht mehr im Zentrum der Betrachtung. Aber die Langloch-Bohrmaschine leistet nach wie vor gute Dienste, weshalb auch Schreiner Leo Arnold erst kürzlich eine neue gekauft hat.

mehr
12. Februar 2026

Kehlmaschinen im Kleinformat

Tischoberfräsen.  An den World Skills loten junge Berufsleute aus aller Welt jeweils die Grenzen von Werkzeugen und Maschinen aus. Besonders eindrücklich zu beobachten ist dies bei den Tischoberfräsen. Eine Übersicht der spannendsten Beispiele von den World Skills in Lyon.

mehr

weitere Artikel zum Thema:

Maschinen