Lehrstelle gab es erst nach Tatbeweis


Antoinette Badat (58) in ihrer Werkstatt im Krienser Nidfeld-Quartier. Bild: Caroline Mohnke


Antoinette Badat (58) in ihrer Werkstatt im Krienser Nidfeld-Quartier. Bild: Caroline Mohnke
Leute. Besucht man die Schreinerwerkstatt von Antoinette Badat im Krienser Nidfeld-Quartier, läuft man vorerst an Grabsteinen vorbei. «Hier arbeitet mein Partner, er ist Steinbildhauer», sagt sie bei der Begrüssung und fügt an: «Im oberen Stock arbeitet eine Künstlerin, die zurzeit in China weilt.»
Ihre Kindheit im ländlichen Rümlang, nahe dem Zürcher Flughafen, hat Antoinette Badat zusammen mit einem älteren Bruder genossen. «Wir wohnten in einer Blocksiedlung neben einem kleinen Wald und spielten oft draussen, bauten Baumhütten und hatten viele Freiheiten. Wenn ich nach Hause kam und sagte: ‹Hansueli hat mich geschlagen›, sagte meine Mutter: ‹Du warst bestimmt auch kein Engel.›» Dass sie Schreinerin lernen würde, war nicht von Anfang an klar: «Ich wusste aber schon immer, dass ich kein Studium machen und auch nicht im Büro arbeiten will.» Etwas im Grafischen hätte sie sich auch vorstellen können. Schliesslich hat sie in Zürich an der Nordstrasse bei einem Schreiner angeklopft. «Oh nein, ich nehme keine Frau mehr, das ist ein Männerberuf», hat er gesagt. Doch sie blieb hartnäckig. «Ich bat ihn, er solle mich doch eine Schnupperlehre machen lassen.» Er ging darauf ein und sagte, sie solle am nächsten Tag mit Überhose, einem Meter und einem Bleistift erscheinen. Sie hat ihm noch gesagt, er müsse ihr versprechen, dass sie ihre Lehre beginnen darf, wenn er mit ihr zufrieden ist. «Wir haben Decken abgerissen, Fenster ausgeglast und andere Handwerksarbeiten erledigt.» Mitte Woche hat der Lehrmeister beiläufig gesagt: «Übrigens, du hast die Lehrstelle.» Das war kurz, bevor sie 19 Jahre alt wurde, erzählt die heute 58-jährige selbstständige Schreinerin.
Nach der Lehre arbeitete sie eine kurze Zeit an der Zürcher Oper. «Da wir in Schichten arbeiteten, hatte ich die Gelegenheit, über die Mittagszeit drei bis vier Stunden mit dem Ruderboot auf den See zu gehen.» Sie sei ein Bewegungsmensch. Nach der Opernzeit ging es mit ihrem Sportwagen, einem Lotus Super Seven, Richtung Spanien. In Cadaqués, einem malerischen Fischerdorf, wurde sie zwei Jahre sesshaft. Sie unterstützte ihren damaligen Freund bei Reparaturarbeiten seines Restaurants oder arbeitete bei lokalen Schreinern. «Es zog mich dann aber wieder in die Schweiz zurück, wo ich bei Freunden in Schönenberg wohnen konnte.» Dort gab es bald einen neuen Mitbewohner, einen Australier. «Wir besorgten uns ein Round-the-World-Ticket und reisten nach Australien, Mexiko, Peru, Guatemala und nach Kambodscha.» Auf einer Brücke in Kambodscha passierte es: Antoinette Badat hatte einen schweren Motorradunfall und wurde nach Thailand verlegt. «Während dieser Zeit lernte ich das Programmieren», erzählt sie. Sie hat Websites programmiert und eine Schule in Datenverarbeitung absolviert. Die Beziehung zerbrach, die Lebenspläne stimmten nicht überein.
Heute ist Badat sesshaft und wohnt zusammen mit ihrem neuen Lebenspartner im selbst umgebauten Haus in Kölliken AG. Die beiden lieben das Motorradfahren. «Am liebsten auf Korsika, dort kannst du dich noch richtig in die Kurven legen», sagt sie lachend. Badat hat ausserdem schon mehr als 140 Fallschirmsprünge hinter sich. An ein Abenteuer erinnert sie sich besonders gern: «Ich sprang vom Flügel eines Segelfliegers, diese absolute Ruhe bleibt unvergesslich.» Schon als Kind habe sie immer davon geträumt, auf den Wolken zu schweben. «Das Gefühl, wenn du mit dem Fallschirm durch die Wolken schwebst und nichts mehr siehst, ist unbeschreiblich.»
Caroline Mohnke
Veröffentlichung: 27. Oktober 2025 / Ausgabe 43/2025
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