Meinung: Was von der Imm übrig bleibt

Für langjährige Messegänger ist die Imm in Köln aktuell nur noch ein Schatten ihrer selbst. Bild: Koelnmesse/Oliver Wachenfeld

Über lange Zeit war die Möbelmesse in Köln (D) eine wichtige Veranstaltung der Branche. Jetzt hat sie einen weiteren Neustart hingelegt. Aber das Ergebnis bleibt: Die Imm Cologne ist Geschichte. 

Die Zahlen sprechen für sich. An der diesjährigen Imm Cologne stellten 330 Austeller aus. 272 Möbelproduzenten davon kamen aus China. Bleiben 58 übrig. Aus der Schweiz war keiner davon, aus Italien fanden zwei den Weg. Man mag es kaum glauben: Weniger als zehn Prozent der Besucheranzahl aus besseren Zeiten schauten sich diese Imm 2026 an.

Die Messeleitung klingt wie immer: «Wir sind die Nummer eins.» Nur der Verband der deutschen Möbelindustrie schweigt inzwischen. Denn nichts ist derzeit gut an der Möbelmesse, gerade weil sie im Vorfeld viel versucht hat. Als sich im letzten Herbst das Desaster bereits abzeichnete, erhielten frühere Aussteller Angebote für Messestände zu absoluten Schnäppchenpreisen. Aber auch das half offensichtlich nicht. 

Konsequent die Augen verschlossen

Man muss den Kölnern zugutehalten, dass viele Messeveranstaltungen nach der Pandemie nicht mehr an einstige Relevanz anknüpfen können und sich neu sortieren müssen. Aber neben dieser höheren Gewalt sind es auch hausgemachte, strukturelle Probleme, vor denen die Verantwortlichen der Kölnmesse lange konsequent die Augen verschlossen haben. «Et hätt noch emmer jot jejange», heisst es auf Kölsch. Man hat stets betont, die grösste, wichtigste und tollste Veranstaltung zu sein. Was nie stimmte, wurde auch durch die Wiederholung nicht wahr. Am Ende hat man sich selbst belogen.

Köln war zu den besten Zeiten ein wichtiger Marktplatz im globalen Geschäft. Spitze Zungen behaupteten damals in den Nullerjahren: «In Milano am ­Salone werden die Trends gesetzt, aber in Köln werden die Verträge unterschrieben.» Das ist lange her, heute ist in Köln kaum noch jemand, der unterschreiben könnte. Die Märkte haben sich verändert, aber die Möbelmesse blieb davon unbeeindruckt.

Die Mitte aufgegeben 

Köln war immer die Messe des mittleren Segments, der Salone der Event des ­Designs. Beide waren anschlussfähig nach oben und nach unten. Milano und Italien, die viele Jahre Möbelweltmeister waren, haben sich behauptet. Köln hat Strategie durch immer neu zu fassende Strohhalme ersetzt. Dass man nun das Passagenprogramm als dezentralen Event der Stadt aus der Ecke der jahrelangen Nichtbeachtung geholt hat, zeigt nur, dass die Strohhalme inzwischen rar geworden sind. 

Christian Härtel
 

Veröffentlichung: 03. Februar 2026

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