Mit Sonnenkraft aufs Wasser

Bildhauer Georg Vonwyl (75) beschäftigt sich in seiner Werkstatt auf vielfältige Weise mit Holz als Werkstoff. Bild: Caroline Mohnke

Leute. Das Boot von Georg Vonwyl steht in seinem Garten neben einem Apfelbaum, einem Mirabellenbaum und einem Pflaumenbaum. «Es wartet auf seinen Umbau», sagt der pensionierte Bildhauer und Gestalter aus Schachen in der Gemeinde Werthenstein LU.

Georg Vonwyl wohnt im Haus an der Emme, in dem er aufgewachsen ist. Auf dem Dach und an der Seitenfassade sind Solarzellen angebracht. Rundherum befindet sich der Garten mit Obstbäumen, Hochbeeten, Kräutern, Gemüse und Hühnern. «Früher gingen wir noch mit dem Schlitten in die Schule», erzählt der 75-Jährige, der mit einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder aufgewachsen ist.

 

Nach seiner Matura habe er mit dem Beruf des Architekten geliebäugelt. Da der Schwerpunkt jedoch weniger auf ästhetischem Gestalten, sondern auf Organisation und Profitorientierung gelegen habe, entschied er sich für den Bildhauerberuf. Nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Zeichnungslehrer besuchte er die Bildhauerwerkklasse an der Luzerner Kunstgewerbeschule. Er lernte die Holz-, Stein- und Metallbearbeitung, aber auch gegenständliches Zeichnen. «Die pädagogischen Methoden am Zeichnungslehrerseminar behagten mir gar nicht», erzählt Vonwyl, der sich am anthroposophischen Menschenbild orientiert.

Wien als Higlight der Kunstgeschichte

Danach besuchte er in Wien die Akademie der bildenden Künste. «Die Stadt ist ein Highlight in Sachen Kunstgeschichte», sagt er. Nach seiner Rückkehr arbeitete er selbstständig, gestaltete unter anderem Massivmöbel nach Mass und Holzobjekte. An Jahresausstellungen der Schweizer Künstler gewann er zweimal einen Preis. Anfang der 1980er-Jahre gab es eine Finanzkrise. «Es wurde Zeit für eine Neuorientierung.» Vonwyl machte den Jahreskurs «Einführung in die anthroposophische Pädagogik».

Er baut sein Boot auf Solarbetrieb um

Später arbeitete er als Fachlehrer Bildnerisches Gestalten und Werken an Rudolf-Steiner- und Montessori-Schulen sowie an einer freien Volksschule. Er erinnert sich gerne an diese Zeit. Obwohl er schon länger pensioniert ist, arbeitet er noch heute gerne handwerklich. Auf dem Vierwaldstättersee hat er ein Boot, das er selbst umgebaut und auf Solarantrieb umgerüstet hat. «Nächste Woche hole ich die Hölzer für ein neues Boot, und dann gehts da los», freut er sich. Auch das neue Boot will er komplett umbauen und mit einem Solarantrieb ausstatten.

Ein Unwetter zerstörte sein Atelier

In seinem Zuhause, wo auch sein Sohn wohnt, hat er eine kleine Werkstatt. «2005 nahm mir die Emme das einstige Wohnatelier», erzählt er. Der Sohn habe ihn angerufen und gesagt, es habe sich «zu Hause etwas verändert». Die schwere Naturkatastrophe hat das grosse Wohnatelier neben dem Haus weggerissen. «Flüsse und Bäche traten über die Ufer, es kam zu Murgängen und Erdrutschen.» Es blieb ihm nichts anderes übrig, als die Situation anzunehmen. Ein paar Überbleibsel sind noch in seiner heutigen kleineren Werkstatt im Haus.

Er tanzt gerne Tango

Wenn Georg Vonwyl nicht im Garten arbeitet oder an seinem Boot handwerkliche Arbeiten verrichtet, geht er gerne tanzen. «Ich tanze Tango Argentino.» Das sei sehr gesund für Seele und Geist und erhalte die Beweglichkeit. «Und ich engagiere mich beim Bildungsprojekt ‹Senior im Klassenzimmer›», erzählt er. Ältere Menschen gehen in dem Programm freiwillig in Schulklassen und unterstützen den Unterricht. Das fördere den Austausch zwischen den Generationen. «Vielleicht kommt meine Gitarre bald wieder zum Einsatz», sagt er lachend und zeigt auf sein Instrument inmitten vieler Bücher.


Caroline Mohnke

Veröffentlichung: 11. Mai 2026 / Ausgabe 19/2026

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