Spezialitäten am laufenden Band

Der Innenausbau eines Privathauses mit Schweizer Weisstanne, projektbezogen von der Rauch AG produziert. Bild: Alexander Gempeler

3-S-Platten Produktion.  In der Schweiz wird mehr produziert, als viele wissen. Etwa Lagenhölzer wie die 3-S-Platte. Die Schreinerzeitung hat sich drei Beispiele herausgepickt und war auch auf Werkstattbesuch, um zu erfahren, wie die Platten entstehen und was den Machern wichtig ist.

Obwohl die Produktion von Platten täglich läuft, fehlen bei der Rauch AG in Sumiswald BE die typischen Stapel verpackter Ware aus der Produktion. Das Lager ist gefüllt mit Messer- und Schälfurnieren in allen erdenklichen Stärken, Holzarten und Formaten. Daraus entstehen die verschiedensten Lagenhölzer. Darunter eine Reihe von Spezialprodukten wie der weiche Holzfussboden mit Filzeinlage aus Schweizer Schafwolle oder akustisch wirksame Platten, die sogenannten Akustikmatten, bei denen die Wolle der Vierbeiner ebenso eine wichtige Rolle spielt. Standard ist die Sache von Geschäftsführer Andreas Zemp mit der Marke Holzwerk Emmental nicht. «Wir sind im Grunde für jedes Produkt eine Manufaktur», sagt Zemp. Das liegt auch daran, dass in der Regel projektbezogen gearbeitet wird oder auch im Lohn für andere Schreiner und Produzenten. Das hat die Rauch AG schon immer getan. Ein Maschinenpark zum Furnieren und eine Oberflächenstrasse zeugen davon.

Manufaktur für Lagenhölzer

Neben der Verleimstrasse bildet die Furnierzusammensetzmaschine das Herzstück der Produktion. Bis zu 4,5 mm starkes Furnier kann die Kuper an den Schmalkanten verkleben. Deshalb sind viele Decklagen der produzierten Lagenhölzer bis zu 4 mm stark. Das Holzwerk im Emmental fertigt vor allem Holzwerkstoffe für den gehobenen Innenausbau, macht spezielle Oberflächenbeschichtungen, was sogar die Farbgebung der Wolle mit einschliesst. «Die typische Emmentaler Stäbliplatte ist am Ende meist eine 5-Schicht-Platte», erklärt Zemp. Auf die Mittellage aus Schweizer Tannenholz kommt zunächst ein Absperrfurnier und dann wieder in Längsrichtung ein dekoratives Furnier. Die Mittellage ist geritzt, wie Zemp es nennt. Gemeint sind die schmalen Nuten, die abwechselnd von beiden Seiten die Mittellage durchziehen. Dadurch werden die Spannungen aus dem Holz genommen, und die Platten sind und bleiben besonders formstabil. Das macht Innenausbauprojekte leichter, auch was das Gewicht angeht.

Tanne und Pappel aus der Schweiz

Schweizer Holz für die Emmentaler Produkte ist ein grosses Thema bei der Rauch AG. Neben der Weisstanne für die Mittellage kommt bei sichtbaren Kanten und auf Wunsch auch eine Mittellage aus Thurgauer Pappel zum Einsatz. Diese wird dann nicht geritzt und kann so ohne Weiteres mit sichtbaren Kanten eingesetzt werden. Generell versucht Zemp, das Holz mit möglichst wenig Aufwand einzusetzen. So produziert die Rauch AG auch aus der astigen Emmentaler Weisstanne Furnier. «Die bleiben beim Messern drin, weil das Holz durch das Kochen so geschmeidig wird. Später müssen sie aber mit einem Klebstreifen fixiert werden, damit sie beim Trocknen nicht ausfallen», erklärt Zemp. Wenn Stämme wie Eiche oder Esche gemessert werden, erfolgt das in der Regel als Vollbaum. Das heisst, der Stamm wird nicht aufgetrennt, um etwa möglichst viele streifige Riftfurniere zu erhalten, sondern durchgemessert, beginnend mit fladriger Zeichnung über den gesamten Querschnitt hin zur anderen Seite mit erneuten Fladerbildern der schmäleren Furniere.

Holz so zeigen, wie es ist

Viele Kunden, auch Architekten, würden das gar nicht mehr kennen. Ihr Blick sei geschult an makellosen Furnieren, die mit den Merkmalen des Holzes eines Baumes mit langem Leben gar nichts zu tun hätten, so Zemp. Wenn er dann zeigt, wie es sein könnte, springen die meisten Kunden darauf an und möchten das baumtypische Holzbild. Auch Architekturbüros wie Herzog & de Meuron seien schon in der Werkstatt gewesen und hätten das Holz nach ihren Vorstellungen ausgesucht. Für Zemp sind das entscheidende Vorteile, die er braucht, um ein marktfähiges Produkt anbieten zu können. Wenn er nicht selektieren muss, sondern das Holz so verwenden kann, wie es ist, dann entsteht kaum Abfall, und die Plattenproduktion kann wirtschaftlich erfolgen.

Denn in der Produktion geht es teilweise mit viel Handarbeit zu. Während die liegende Plattensäge und die CNC von jeweils einer Person bedient werden, braucht es auf der Leimstrasse schon wenigstens zwei Mitarbeitende, die Furniere beleimen, Mittellagen auflegen und das Ganze auf dem Band in die Presse befördern. Dann werden die Kanten gefräst, und die Platten werden kalibriert und auf Mass geschliffen, sofern sie nicht noch furniert, gebürstet oder anders bearbeitet werden.

Im Bereich zwischen 100 und 3000 Quadratmetern dreht sich die Welt für Zemp in der Regel um Platten ganz nach Bedarf. Ganz normale 3-Schicht-Platten mit gleichstarken Schichten macht die Rauch AG auch, dafür kommen dann gesägte Brettchen zum Einsatz. Lieber jedoch ist Zemp etwas zum Tüfteln, etwas Neues.

www.rauchag.ch

Christian Härtel

Veröffentlichung: 26. März 2026 / Ausgabe 13/2026

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