Sprung ins kalte Wasser

David Hügli meisterte sein erstes Kundengespräch mit Bravour. Bild: Schneider AG

Premiere.  David Hügli hat soeben das 4. Lehrjahr seiner Lehre bei der Schreinerei Schneider in Dieterswil BE begonnen. Der 19-jährige Schreinerlernende durfte kürzlich zum ersten Mal einen Auftrag inklusive Kundengespräch selbstständig abwickeln.

Früher oder später ist es soweit: Angehende Schreinerinnen und Schreiner dürfen ihren ersten Auftrag selbstständig abwickeln. Für viele Lernende ist das ein wichtiger Moment in der Berufsausbildung, der aber auch manchmal für ein flaues Gefühl in der Magengegend sorgt. Besonders die Gesprächsführung mit den Kunden bereitet beim einen oder anderen im Vorfeld Bauchschmerzen. So war auch David Hügli aus Lyss BE etwas nervös, als er von seinem Chef den Auftrag erhielt, eine Küchenerweiterung von A bis Z selbstständig abzuwickeln. «Ich war vor dem Kundengespräch etwas angespannt, habe mich aber auch besonders auf diesen wichtigen Meilenstein gefreut», erzählt der Lernende.

Der Kundenbesuch

Die Vorbereitung für den grossen Auftritt beim Kunden hielt sich bei David in Grenzen. «Ich schaute vor allem, dass ich gepflegt aussehe. Das ist sehr wichtig beim Kundenkontakt», betont er. Begleitet vom Chef ging der Lernende zum Auftraggeber nach Hause. Die Anspannung habe sich sofort gelegt, als sie dort eingetroffen seien. «Der Kunde war sehr freundlich und erklärte mir, was an der Küche geändert werden muss.» Fazit: Bei einer zwölfjährigen Küche brauchte es Ersatz für einige abgenutzte Türen, zudem musste der Kühlschrank und ein weiterer Schrank ausgebaut und ein neuer Backofen, Hochschrank und Dampfabzug eingebaut werden. Weiter wurden Oberbaumöbel demontiert und neue Unterbaumöbel eingesetzt. Da Platten mit dem bestehenden Dekor nicht mehr erhältlich waren, war eine Alternative gefragt. «Ich habe dem Kunden vier Muster präsentiert, die farblich und strukturell zum bestehenden passen. Der Kunde hat sich dann relativ rasch für einen Vorschlag entschieden», erzählt David zufrieden. Nach sorgfältiger Massaufnahme und einigen Skizzen war das erste Kundengespräch bereits vorbei.

Wichtige AVOR

Wieder zurück in der Schreinerei fertigte David im CAD-Programm die Konstruktionsstudien an. «Ein Mitarbeiter aus dem AVOR-Bereich gab mir dabei wertvolle Tipps, da ich in diesem Bereich noch nicht so erfahren bin.»

Anschliessend folgte die Materialbestellung. «Das hatte ich bereits einige Male gemacht und konnte ich wieder selbstständig erledigen. Es ist toll, wenn man das Vertrauen des Arbeitgebers geniesst.» Und das Vertrauen hat sich David verdient, denn auch bei dieser Bestellung ging alles flott über die Bühne. Das Zuschneiden und Zusammenbauen war Formsache. Und auch bei der anstehenden Montage sollte alles reibungslos ablaufen. Diese wird rund anderthalb Tage dauern, da vieles demontiert und angepasst werden muss. «Aber vom Schwierigkeitsgrad her ist das kein Problem», meint David. «Das Schwierigste am Auftrag war, alles vom Anfang bis zum Schluss alleine durchzuziehen. Es war sehr interessant zu sehen, was alles in der Arbeitsvorbereitung steckt und wie zentral diese ist. Und endlich konnte ich nun auch in diesem Bereich die Theorie aus der Schule mit der Praxis verknüpfen.»

ms

Veröffentlichung: 11. August 2016 / Ausgabe 32-33/2016

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