Tausendsassa aus dem Toggenburg

Thomas Steiner (47) verhilft Menschen dazu, ihre handwerklichen Träume selbst an die Hand zu nehmen. Bild: Caroline Schneider

Er tanzt auf vielen Hochzeiten und ist ein unermüdlicher Macher und Schöpfer. Thomas Steiner beschreibt sich selbst als fantasievollen Querdenker. Er packt jede Chance und stampft aus Gelegenheiten neue Projekte aus dem Boden. Nebst seinem Teilzeitpensum als Werklehrer ist der Schreiner selbstständiger Gestalter und verwandelt die Wünsche seiner Kunden in handgemachte, ästhetische Objekte. Er baut Küchen um, kreiert kunstvolle Lichtobjekte, schreinert Esstische oder designt stylische Accessoires wie handgefertigte Pfeffermühlen aus Nussbaum oder handgedrechselte Nussknacker. Seinen Traum, Wohnen und Arbeiten unter ein Dach zu bringen, hat er sich vor einem Jahr verwirklicht. In einem kleinen Weiler in Neckertal SG kaufte er sich ein Haus mit viel Umschwung. Im Untergeschoss hat er eine Schreinerei mit sechs Arbeitsplätzen eingerichtet. Die 200 Quadratmeter grosse Werkstatt lässt das Herz jedes Handwerkers höher schlagen. Drechselbank, Bandsäge, Tischfräse, Hobel-, Schleif- und Bohrmaschinen, Leimständer und diverse Handmaschinen stehen dort. Im März dieses Jahres startete er sein jüngstes Projekt. Es heisst selber-bauen.ch. Damit will der Neckertaler seine Werkstatt für alle öffnen, die ein Projekt realisieren und selbst Hand anlegen wollen.

«Ich möchte die Menschen dazu animieren, ihre Ideen umzusetzen. Etwas, das man selbst hergestellt hat, erhält einen ganz anderen Wert, als wenn man es im Laden oder online kauft.» Er bietet dazu den Rahmen, das heisst einen Arbeitsplatz mit den dazugehörigen Maschinen, Werkzeugen und Materialien.

Gleichzeitig unterstützt er seine Kunden bei der Ideenfindung und der Umsetzung. Zugutekommt Steiner dabei neben seiner Schreinerausbildung auch seine langjährige Erfahrung als Werklehrer und Erwachsenenbildner sowie seine Menschenkenntnis. Das hilft ihm, die Fähigkeiten der Hobbyhandwerker realistisch einzuschätzen. Etwa im Gebrauch der Maschinen. Denn Sicherheit steht bei ihm an oberster Stelle. Wenn er Unsicherheit wahrnehme oder merke, dass jemand mit wenig Erfahrung sich überschätze, führe er die Kursteilnehmer sorgfältig in den fachmännischen Gebrauch der Maschine ein. Die Arbeiten, die in der Schreinerei entstehen, sind so bunt wie vielfältig: vom Hundespielzeug über den Leiterwagen, die Restaurierung eines alten Schlittens bis hin zum Dekofenster, zum Hochbeet oder zum massgefertigten Badezimmermöbel. Was der 47-Jährige nebst dem handwerklichen Austausch schätzt, sind die sozialen Kontakte. Er mag es, wenn Leben in seine Schreinerei kommt. «In den Pausen erzählen wir einander aus unserem Alltag. Und manchmal entwickeln sich gar Freundschaften. Das Schönste für mich sind die vielen positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden. Ihre Freude darüber, wenn ihnen etwas gelingt und sie am Schluss ihre Arbeit mit Stolz nach Hause tragen.» Und letztlich, davon sei er überzeugt, mache Handarbeit glücklich – und über sein Gesicht breitet sich ein herzhaftes Lachen aus.

Der Neckertaler braucht verschiedene Standbeine, um seiner schöpferischen Kraft Ausdruck zu verleihen. Er braucht diese Vielseitigkeit, um im Fluss zu sein. Als nächstes Projekt will er seine Schreinerei mit einer Metallwerkstatt erweitern. «Ich möchte hier auch Kurse für Werklehrer anbieten. Vom Profi für Profis, quasi», sagt er mit einem Augenzwinkern. Die Ideen sprudeln nur so aus ihm heraus, und man darf gespannt sein, was er alles noch auf die Beine stellt.

Caroline Schneider

Veröffentlichung: 12. August 2021 / Ausgabe 33/2021

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