Vom Scheitern und Siegen




Berufsmeisterschaft. Die neuen Schreiner-Schweizer-Meister Sven Bürki und Fabio Holenstein konnten sich schon im jungen Alter für das Werken mit Holz begeistern. Der Weg an die Spitze war aber für beide mit Stolpersteinen belegt.
Auf ihrer Jacht in der Sonne liegen, Cocktails schlürfen, ein bisschen mit ihren Mädels kuscheln, zwischendurch mal einen Sprung ins kühle Nass – so erholen sich Fussballstars wie Messi oder Ronaldo von ihren Wettkämpfen. Und die frischgebackenen Schreiner-Schweizer-Meister? Die sind bereits wieder am Krampfen. Beim besten Massivholzschreiner Fabio Holenstein ging es direkt nach der Siegerehrung an der Zentralschweizer Bildungsmesse in Luzern zurück nach Frauenfeld ins Abendverlesen. Seit Anfang November absolviert der 20-Jährige im Thurgau die Rekrutenschule. «Ausgiebig feiern konnte ich den Sieg leider nicht, aber immerhin gab es genügend Schlaf – ich bin bei den Motorfahrern», erzählt er. Der beste Möbelschreiner, Sven Bürki, hatte immerhin den Montag nach dem Wettkampf frei. «Das hat mir gut getan. Aber am nächsten Tag ging es wieder los.»
Im Betrieb von Sven läufts zurzeit auf Hochtouren: «Da kann ich mich nicht auf den Lorbeeren ausruhen», erzählt der 21-Jährige, der im thurgauischen Lanzenneunforn zu Hause ist. Er habe schon als Kind gerne mit Holz gebastelt. Im Werkunterricht an der Oberstufe habe es dann endgültig Klick gemacht: «Ich merkte, Schreinern ist mein Ding. Von da an wollte ich nichts anderes mehr.» Noch früher als für Sven war für Fabio klar, dass er Schreiner werden wollte: «Mein Vater ist Schreiner und Inhaber der Holenstein Schreinerei AG in Bazenheid SG. So war Schreiner schon ganz früh mein Traumberuf», so Fabio. Seine Lehre absolvierte er bei der Schreinerei Egli in Niederstetten. «Bei Prisco und Luzio Egli war ich natürlich super aufgehoben. Die beiden haben mir von ihren Erfahrungen an den World Skills erzählt und mir manchen Tipp gegeben, dafür bin ich dankbar», sagt er. «Klar, hat mich dann auch bald das Wettkampffieber gepackt.»
Sven packte es, als ein ehemaliger Nati-Schreiner ihm von seinen Erlebnissen berichtete. «Meine Neugier war geweckt.» 2013 nahm er an den Sektionsmeisterschaften teil, qualifizierte sich für die überregionalen Schreiner-Meisterschaften – und scheiterte. «Das war ein schwieriger Moment für mich, aber diese Erfahrung hat mir geholfen. Ich startete beim nächsten Zyklus erneut und wusste schon, was auf mich zukommt. Und ich sagte mir, wenn du das nochmals machst, dann mach es richtig.» Gesagt, getan. Sven schaffte es in die Nati und stand nach drei Nati-Wettkämpfen als Gesamtsieger und Favorit auf den Schweizer-Meister-Titel da. Wie Sven scheiterte auch Fabio bei den überregionalen Meisterschaften 2014. «Mir fehlten ein paar Zehntelspunkte für den Einzug in die Nati. Ich war echt frustriert darüber.» Weltmeister Prisco Egli hat ihn dann motiviert, es nochmals zu versuchen. Und siehe da, es klappte. Fabio und Sven fliegen im nächsten Oktober gemeinsam nach Abu Dhabi. Beide freuen sich riesig auf den internationalen Wettkampf. Sven ganz besonders, da auch seine Freundin Ramona Bolliger vor Ort sein wird. Aber nicht als Zuschauerin, sondern als Wettkämpferin bei den Bäckern. Die 19-jährige Aargauerin aus Gontenschwil wurde an der Europameisterschaft der Bäcker Zweite.
Veröffentlichung: 01. Dezember 2016 / Ausgabe 48/2016
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