Von Natur aus glänzend ausgestattet


Auch Kiefernholz verströmt einen aromatischen Duft. Bei den Arbeiten des finnischen Schreiners Antrei Hartikainen kann man das riechen, weil er auf eine Beschichtung verzichtet. Bild: Christian Härtel


Auch Kiefernholz verströmt einen aromatischen Duft. Bei den Arbeiten des finnischen Schreiners Antrei Hartikainen kann man das riechen, weil er auf eine Beschichtung verzichtet. Bild: Christian Härtel
Ohne beschichtung. Holz einfach so lassen, wie es von Natur aus ist. Auch kein Öl verwenden und selbstredend nicht mit Lack beschichten. Das geht für die meisten nicht. Dass es oft besser geht, als man meinen mag, zeigen Beispiele aus dem Möbel- und Innenausbau.
Ein wenig erinnert das Ganze an eine Blumenwiese, die fast jeden entzückt. Aber im eigenen Garten ist es dann doch der perfekt gestutzte Rasen, den man findet. Bei der Patina von Holz ist es nicht viel anders. Gerne sitzt man an einem Tisch mit Zeichen und Spuren der Zeit in der Platte. Der eigene Tisch aber ist fein geschliffen und oberflächenbehandelt, möglichst so, dass Flecken keine Chance haben und die Oberfläche auch Putzmittel aushält.
Dabei hat sich so manches getan punkto Natürlichkeit der Holzoberflächen. Ölen ist längst salonfähig, und natürliche Merkmale des Holzes bleiben in Möbeln öfter sichtbar. Lasuren sind heute frei von Bioziden, sprich Giften. Und dünn aufgetragene, stumpfmatte Lacke sind nur minimal filmbildend, sodass man gut den Eindruck von unbeschichtetem Holz gewinnen könnte.
Dabei geht es nicht allein um Optik und Haptik, sondern auch um Olfaktorik, um das Riechen: Eine japanische Zeder zu beschichten grenzt an Stilbruch, und vor allem die Arve, die will nun wirklich jeder gerne riechen. Die Arvenstube rangiert gewissermassen ausser Konkurrenz. Was sonst nicht geht, ist hier selbstverständlich. Das Holz wird nicht beschichtet. Einer mit viel Erfahrung beim Einsatz des Arvenholzes ist Schreiner Ramon Zangger aus Samedan GR. «Letztlich kommt es auf den Schreiner und seinen Kunden an. Beide müssen bereit sein, sich auf die rohe Holzoberfläche einzulassen», sagt Zangger. Es müsse ein Bezug zum Holz gegeben sein, denn eine unbehandelte Oberfläche brauche etwas Aufmerksamkeit und auch Zuneigung. Der Verzicht auf eine Oberflächenbeschichtung müsse deshalb nicht per se die richtige Entscheidung sein. Aber wer sich darauf einlasse, der werde miterleben, wie sein Holz eine Patina bildet. «Die erweckt das Holz zum Leben», sagt Zangger. So hat er bei der Planung des Innenausbaus der Pizzeria Caruso im Hotel Laudinella in St. Moritz GR das Holz ohne Behandlung eingesetzt, wo dies von Vorteil ist. Allen voran natürlich die Deckenelemente aus Arve, genauso wie die schmückenden Wandelemente. Auch die Bänke und andere Einbauten sind in natürlichem Arvenholz, das im Raum seinen aromatisch Duft verströmt.
Auch bei der Schreinerei Roth AG aus Trubschachen BE sind es vor allem die Arvenholzmöbel, deren Oberflächen unbeschichtet bleiben. Gerade Bettgestelle aus dem besonderen Holz stehen hoch im Kurs, erklärt Projektleiter Matthias Kaderli. Als man den Auftrag für den neuen Pavillon des Centre Albert Anker in Ins BE bekam, war das schon etwas Besonderes gewesen. Denn die Präsentations- und Aufbewahrungsmöbel für die Arbeiten des Künstlers im zentralen Raum wurden vom Atelier Marcel Hegg in unbehandelter Eiche geplant. Auch die Wandverkleidungen und das Parkett blieben unbehandelt. Das scheint ungewöhnlich für ein Museum mit Publikumsverkehr. Doch angesichts des sensiblen Lagerguts wollte man jedes Risiko einer Belastung, etwa durch Ausdünstungen von Lösemitteln ausschliessen. Auch das Tageslicht musste zum Schutz der Gemälde draussen bleiben.
Im chaletartigen Haus von Aurelio Ledergerber in Brunni-Alpthal SZ ist nahezu alles Holz unbeschichtet. Er selbst arbeitet nur mit Massivholz. Sein Portfolio ist inzwischen umfänglich. Am liebsten aber arbeitet er an seinen Schlitten und kleinen Projekten. Wenn Arbeiten in Serie gefertigt werden sollen, dann macht er das zusammen mit einer Stiftung in Einsiedeln.
«Seit 2019 wohnen wir in unserem Haus. Nicht wenige sind überrascht, wenn sie zu mir kommen, dass ein hölziges Haus mit hölzigem Interieur, das nicht beschichtet ist, keine Katastrophe darstellt, sondern im Gegenteil recht gut funktioniert», sagt Ledergerber. Eine natürliche Alterung des Holzes mit Bildung einer Patina durch Abnützung gehört dazu. «Gerade in unserem Haus mit Chalet-Stil ist das schön. Manche Kunden sind auch sehr überrascht, weil sie es anders gewöhnt sind. Viele denken, dass das Holz leidet, wenn es nicht geölt oder beschichtet ist. Aber das Gegenteil ist der Fall», sagt Ledergerber. Da steckt einiges dahinter. Denn wenn beschichtetes Holz Schaden nimmt, nimmt in Wirklichkeit ja stets die Beschichtung Schaden. Unbehandeltes Holz repariert sich zum Teil selbst, indem beim feuchten Aufnehmen eingedrückte Fasern wieder quellen und den Schaden immer weiter abmildern.
Dass dies kein Hirngespinst ist, sondern real, zeigt sich an Ledergerbers Interieur. Die Küchenabdeckung etwa ist genauso wie die Tischplatte aus Lärche gefertigt. «Auf dem Lärchenholz verschwinden alle Flecken wie von Geisterhand. Bratspritzer sind nach wenigen Tagen einfach weg», sagt Ledergerber. Der Jahrringverlauf sei dabei wohl wichtig. Abdeckung und Tisch sind aus Riftbrettern, während liegende Jahr-ringe diesbezüglich nicht ganz so gut seien. Klar bekämen die Flächen durch den täglichen Gebrauch eine Patina, so auch der Parkettboden aus Esche, unbehandelt versteht sich. Für Ledergerber gewinnen die Oberflächen aber mit der Zeit an Charakter, und das Material bewähre sich im Alltag. Während eine beanspruchte geölte Fläche immer wieder nachgearbeitet werden müsse, sei die rohe Holzfläche wartungsarm. Aber man müsse es eben auch vertragen, dass man Spuren sieht, etwa auf den Hauptwegen eines Parketts. «Bei uns im Haus passt das gut, in einem modernen Ambiente mag das nicht das Richtige sein», räumt Ledergerber ein. Einen gewissen Grad an unperfekter Oberfläche muss man aushalten können, sonst ist die unbehandelte Holzfläche nicht das Richtige. Zeichen der Benutzung kommen schnell, das darf man nicht als Schaden interpretieren. Beim Thema Öl ist Ledergerber kein Dogmatiker. Im Gegenteil, manche Hölzer ölt er gerne, weil sie dadurch gewinnen. Ulme und Nussbaum, Birne und Buche, aber auch Eiche und Apfel gehören dazu, aber niemals helle Hölzer wie Esche oder Ahorn. Auch Ramon Zangger differenziert hier und ölt gerne die Kastanie. Es komme auf das Holz und den Einsatzort an. Eine weitere Beobachtung taucht immer wieder auf: Gerade helle Hölzer bleiben ohne Beschichtung erstaunlich farbstabil. Das Holz dunkelt und gilbt leicht nach, aber viel weniger, als man erwarten würde. Die gleichen Hölzer, geölt, werden dagegen schnell gelb.
Einen richtigen Umgang gäbe es nicht, sagt Ledergeber. Es gehe darum, Material, Nutzung und gewünschte Stimmung zusammenzubringen. Eine Tischplatte dürfe anders sein als ein Schrank und der anders als ein Wandpaneel.
www.ramonzangger.chwww.schreinerei-roth.chwww.brunni-woodwork.ch
Veröffentlichung: 23. April 2026 / Ausgabe 17/2026
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PaidPost. Beim traditionsreichen Unternehmen Gross Fenster + Türen GmbH in Salzweg bei Passau (D) hat Range + Heine aus Winnenden (D) kürzlich die horizontale Flutanlage für die Grund- und Zwischenbeschichtung von Holzteilen modernisiert und erweitert.
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