Vor 50 Jahren siegte eine Frau

Siegerehrung der Möbelschreiner 1968: Silvia Felix aus Bremgarten bei Bern errang die Goldmedaille. Bild: Archiv SchreinerZeitung

Schreiner Weltmeisterin. Samanta Kämpf kann die Schweiz nächstes Jahr an den World Skills vertreten. Vor genau 50 Jahren trat schon einmal eine Frau für die Schweiz an und stellte alle männlichen Kollegen in den Schatten.

Sie war die einzige Frau im Schreiner-Nati-Team und erreichte in der Kategorie Möbelschreiner den zweiten Platz. Nun kann die Thurgauerin Samanta Kämpf nächstes Jahr nach Russland reisen und die Schweiz an den World Skills vertreten. Vor genau 50 Jahren trat schon einmal eine Schweizer-Schreinerin an den Berufsweltmeisterschaft an.

Bescheidener Anlass

Am 9. August 1968 fanden die Berufsweltmeisterschaften in der Schweiz statt. Der Anlass hatte damals noch eine bescheidene Grösse. Junge Berufsleute aus 14 Ländern reisten nach Bern und massen sich in 28 Berufen. Auch die SchreinerZeitung (SZ) berichtete dazumal über die Olympiade der Arbeit und freute sich stolz darüber, dass jeder freundschaftliche Kontakt über die Grenzen hinweg als kleiner Beitrag zu einer besseren Verständigung unter den Völkern betrachtet werden könne.

Wenig euphorisch

Zum Wettbewerb unter den Schreinern, schrieb die SZ: «Des grössten Besucherinteresses durfte sich der Möbelschreiner aus Japan erfreuen, der, auf seiner am Boden liegenden Hobelbankplatte sitzend, umgeben von einer unwahrscheinlich vielseitigen Werkzeugauslage, konzentriert und ruhig arbeitete. Die zweite ‹Attraktion› der Möbelschreinergruppe war zweifellos die charmante junge Dame, die sich weder von ihren männlichen Mitkonkurrenten noch von den Besuchern aus der Ruhe bringen liess.» In Anbetracht dessen, dass diese «charmante junge Dame» namens Silvia Felix eine Schweizerin war und dann erst noch die Goldmedaille gewann, fällt die Berichterstattung dann doch eher nüchtern aus.

Ein absolutes Novum

Eine Weltmeisterin in einem Männerberuf, das hatte es noch nie gegeben. Der Berner «Bund» war dann auch schon aufgeregter und titelte: «Das Wunderkind aus Bremgarten». Ihr Sieg sei das «wohl überraschendste und am meisten beachtete Resultat» der Berufsweltmeisterschaften. Felix war neben den Damencoiffeusen die einzige Frau, die überhaupt teilnahm.

Weltmeistertitel mit wenig Wirkung

Für die Stellensuche brachte ihr der Sieg leider nicht sehr viel. Sie sei die erste Frau in Bern gewesen, die eine Stelle als Schreinerin gesucht habe. Felix brauchte Geduld, bis es dann endlich mit einer Stelle klappte. Sie arbeitete daraufhin 10 Jahre als Schreinerin, machte zusätzlich die Meisterprüfung und wurde dann Berufsschullehrerin. Heute ist Felix seit einigen Jahren pensioniert. Sie besucht aber nach wie vor gerne Berufsmeisterschaften und würde sich freuen, wenn sie bald nicht mehr die einzige Schreinerweltmeisterin sein würde.

ids

Alle bereits erschienen Beiträge zu den Swiss Skills 2018 find Sie hier im Dossier.

www.swiss-skills.ch
www.worldskills.org
www.worldskills2019.com

Veröffentlichung: 19. September 2018

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