Wer muss die Suppe auslöffeln?

Sie kreuzen leidenschaftlich die Messer (v.l.): Raffael Brogna, Michel Molinari, Stephan Klapproth und Andrin Schweizer. Bild: Isabelle Spengler

Küche Schweiz. Am Diestag fand der Küchenkongress in der Trafo-Halle in Baden statt. Zum zehnjährigen Jubiläum wurde Klartext gesprochen. Es ging dabei um die entscheidende Frage: Löffel schwingen oder abgeben? Die Redner suchten nach Antworten in der Psychologie.

Im Grunde genommen war es keine leichte Kost, die der Branchenverband Küche Schweiz seinen Gästen an diesem Nachmittag in Baden servierte. Der Küchenmarkt ist unter Druck. Grosse Küchenanbieter sind Konkurs und die Auftragsvolumen verlagern sich zunehmend ins europäische Ausland. Wie soll der Schweizer Küchenanbieter auf die sinkenden Preise und Margen reagieren und wie soll er sich gegenüber der überschaubaren Anzahl von Investoren und GU/TUs präsentieren, um nicht vom Tellerrand zu fallen?

Psychologischen Mechanismen

Ein finales Rezept, wie der Küchenanbieter auf den steigenden Druck reagieren soll, wurde keines gefunden, doch die 211 Besucher des 10. Küchenkongresses konnten ein paar würzige Denkanstösse mit nach Hause nehmen.

Sowohl der Psychoanalytiker und Satiriker Peter Schneider, als auch der Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Neuropsychologie an der Universität Zürich Lutz Jäncke tranchierten die psychologischen Mechanismen, welche die Branche anheizen. «Käufe werden nicht durch Vernunft getrieben» erklärt der Hirnforscher Jäncke. Unser Hirn fällt Entscheidungen nicht rational, sondern lässt dich durch viele Faktoren beeinflussen. Da der Mensch ein Sozialwesen sei, spiele Vertrauen und die Beziehung, die man zu etwas oder jemandem aufbaue, eine enorme Rolle. Es lohne sich also in eine langfristige Kundenbeziehung zu investieren, gibt Jäncke mit auf den Weg.

Entscheidungshilfe Zeithorizont

Peter Schneider plädierte darauf, Gier und Neid im Preiskampf nicht zuzulassen. «Der Wunsch billig einzukaufen ist rational erklärbar», meint der Psychoanalytiker. Man müsse seine Entscheide aber immer im Verhältnis des Zeithorizonts betrachten, für welchen man diesen fällen. Eine Küche habe einen Erneuerungszyklus von 20 bis 30 Jahren und darf daher auch mehr kosten, als eine Hose aus dem H & M. Er schloss mit dem Vorschlag, man solle sich in der Branche auf die gemeinsamen Interessen besinnen und eher gewerkschaftlich Ziele verfolgen.

Wer löffelt die Misere aus?

kreuzten Vertreter verschiedener Interessengemeinschaften im Podiumsgespräch die Messer. Es standen sich der Generalunternehmer Raffael Brogna, CEO der Priora AG, der Investor Michel Molinari, Direktionsmitglied der Helvetia Versicherungen und der Architekt Andrin Schweizer, Spezialist für atmosphärischen Innenräumen, gegenüber. Stephan Klapproth moderierte gekonnt durch die Veranstaltung reicherte das Gespräch durch Fragen aus dem Publikum an.

ids

www.küche-schweiz.ch

Veröffentlichung: 14. November 2018

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