«Wir brauchen Fenster, die schützen»

Produkte zum Nachrüsten wie der massive Schubriegel von Blaser machen Fenster sicherer. Bild: Christian Härtel

Einbruchschutz.  Einbruchhemmende Fenster der Klasse RC2 setzen Einbrechern nur relativ wenig entgegen. Doch ein Fenster auf RC3 zu bringen, ist aufwendig und in der Schweiz kaum etabliert. Daran dürften auch die neuesten Zahlen der Kriminalitätsstatistik nichts ändern.

Knapp ein Drittel aller Einbrechenden gelangen in der Schweiz durch ein Fenster in die private Wohnung, und weitere 45 % aller Übeltäter kommen über die Terrasse oder den Balkon durch eine Fenstertür ins Innere. Von diesen Annahmen geht der Verband für Einbruch- und Gebäudeschutz Schweiz, kurz Vegs, aus. Fenster- und Fenstertüren sind also die Bauteile, über die der Zugang in den allermeisten Fällen erfolgt. Rechnet man unter dieser Prämisse die neuesten Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik hoch, wurde im letzten Jahr in jeder Stunde zwei- bis dreimal ein Fenster oder eine Fenstertür in der Schweiz von einem Einbrecher überwältigt.

Aber ein wenig ist es wohl so wie bei den Rechenbeispielen mit der Regenwaldzerstörung und den Fussballfeldern: Die Dimensionen und Zahlen sind gewaltig, und doch bleibt es für den Einzelnen irgendwie abstrakt und am Ende einfach auch weit weg. Wie sonst wäre es zu erklären, dass trotz solcher Zahlen der Einbruchschutz von Fenstern bei Neubauten und beim Fensterersatz meist Gedankenspiele bleiben. «Fenster der Klasse RC3 sind kostspielig. Die wirklich Wohlhabenden setzen ihr Sicherheitsbedürfnis im eigenen Haus um, aber in der Regel bleibt der Einbruchschutz wegen des drei- bis viermal höheren Preises gegenüber dem normalen Fenster am Ende bei den meisten Bauherren aussen vor», sagt Daniel Blaser, Inhaber und Geschäftsführer der Blaser Einbruchschutz GmbH in Baar ZG.

Nicht zuletzt deshalb gibt es in der Schweiz kaum Hersteller von Fenstern mit hoher Sicherheit. «Wenn sie gewünscht werden, dann handelt es sich oft um importierte Fenster», weiss der Sicherheitsexperte. Und weil sie selten geplant und umgesetzt werden, ist die Nachrüstung von Fenstern ein Geschäftsfeld, etwa für Unternehmen wie Blaser. Dazu hat man eigene Sicherheitsbeschläge für Fenster und Türen entwickelt, die den Schreinereien zum Kauf bereitstehen. Die seien aber auch nicht gerade ein Verkaufsschlager bei den Schreinern, gibt Blaser zu. Einbruch und der Schutz davor werde meist erst dann zum Thema, wenn es beim Nachbarn gerade passiert sei.

Was Fenster sicherer macht

Wie man Fenster sicherer macht, ist eigentlich weitläufig bekannt. Fachleute werden aber oft erst gerufen, wenn der Schaden bereits eingetreten ist. «Wir rüsten Fenster meistens nach, selten sind wir schon bei der Planung mit dabei», sagt Blaser.

Ein Notfallschreiner aus der Zentralschweiz, der namentlich nicht erwähnt werden möchte, wird häufig gerufen, wenn ein Einbruch erfolgt ist. Der Schreiner ist oft als einer der Ersten vor Ort, wenn eingebrochen wurde, und hat schon so einiges gesehen im Laufe der Jahre. «Es gibt nicht die eine Methode, wie Einbrecher ins Haus gelangen. Vieles wird ausprobiert – vom unerfahrenen Täter, der sich an einfachen Schwachstellen versucht, bis hin zum Profi, der gezielt und systematisch vorgeht.» In manchen Fällen werde einfach rohe Gewalt angewendet, um sich Zutritt zu verschaffen, erklärt der Fachmann.

Der VSSM hat zum Thema das Praxismerkblatt «Einbruchschutz – Für den Schreiner» erarbeitet. Darin sind die wichtigen Massnahmen aufgeführt, mit denen man Fenster nachrüsten kann, und auch die Merkmale von geprüften und zertifizierten Fenstern nach den RC-Klassen.

Um einbruchhemmende ein- und zweiflüglige Fenster zu erhalten, sind umlaufende, einbruchhemmende Beschläge mit Pilzköpfen und Stahlschliessblechen nötig. Der Begriff Pilzkopf leitet sich von der Form der Schliesszapfen an den umlaufenden Beschlägen ab, die sich in die Schliessbleche einhaken und so ein Aufhebeln des Fensters verhindern können. Wichtig dabei ist auch eine reduzierte Falzluft.

Man muss alle Schwachpunkte ansehen

Nicht selten läuft der Einbruch über die sogenannte Anstichmethode. Dabei wird mit einem grossen Schraubendreher durch Glas oder Flügelrahmen oder genau dazwischen auf der Höhe des Fenstergriffes gestochen und dieser sodann aufgehebelt. «Viele abschliessbare Griffe helfen da auch nicht weiter, da die Kraft mit dem Schraubendreher ausreicht, um die Zuhaltungen des Schlosses mit einem kräftigen Ruck zu zerstören», erklärt Blaser.

Trotzdem ist die abschliessbare Fensterolive ein wichtiges Ausstattungsmerkmal. Zumal es solche mit Sollbruchstellen und einem Widerstand von bis zu 200 Newtonmeter (Nm) gibt. «Die sind natürlich besser als die in der Regel mit 100 Nm Bruchlast ausgeführten abschliessbaren Fenstergriffe», erklärt Urs Stalder, Projektleiter Prüfungen Einbruchhemmung an der Berner Fachhochschule in Biel BE, die auch die akkreditierte Prüfstelle für Einbruchhemmung ist. Bei Griffen mit 100 Nm sei die Sollbruchstelle deshalb sinnvoll.

Einen deutlichen Schritt besser ist wohl die Situation, wenn das Schloss vom Griff getrennt ist wie beim Blaser-Schubriegel. Der massive Stahl der Schubstange hält auch dem hartnäckigsten Angriff stand, und der Verschlussmechanismus kann nicht angegriffen werden, auch wenn der Griff abgerissen wurde.

Das Gegenstück wird mit M12-Gewindebolzen ins Holz geschraubt, sodass die Richtung der Belastung den hohen Schraubenauszugswerten entspricht. Zusätzlich lässt sich eine Alarmfunktion integrieren, bei der das Fenster normal bedienbar ist. Wird der Flügel nach innen gedrückt, schliesst sich der Kontakt über die Schubstange, und der Alarm ertönt.

Auch wichtig: «In jedem Fall muss das Glas im Flügelrahmen eingeklebt sein, sonst ist der Einbruch relativ schnell erfolgt», sagt Blaser. Denn schlanke Glasleisten, bei Fenstern aus Kunststoff sind diese sogar nur aufgeklippt, sind schnell abgeschlagen. Auch in der Klasse RC2 ist deshalb die eingeklebte Scheibe als Anforderung definiert.

Das Glas selbst muss bis zur Fenster-Widerstandsklasse RC3 «nur» durchwurfhemmend sein und damit der Klasse P5A entsprechen. Zur Prüfung fällt eine 4,11 kg schwere Stahlkugel aus 9 m Höhe neunmal auf die gleiche Stelle auf dem Glas. Bei Scheiben für RC2-Fenster sind es drei Treffer auf ein P4A-Glas. Verglasungen der Klasse P6B, die für RC4-Fenster gefordert sind, müssen 30 bis 50 Axthieben widerstehen, ohne dass ein Durchbruch gelingt.

Kann Holz das überhaupt?

Fenster der Widerstandsklasse RC3 können durchaus Holzfenster sein. Allerdings funktioniere das mit Weichhölzern wie Fichte oder Tanne nicht. Sibirische Lärche oder Eiche seien dann die richtige Wahl. Sonst zersplittere das Holz bei der Attacke mit den Werkzeugen. Kunststoff verhalte sich meist etwas günstiger, weil es biegbar, regelrecht zäh sei, so Blaser. Bei Holzkonstruktionen sind die Dimensionen tendenziell etwas grösser, damit die kräftigen Beschläge auch entsprechend befestigt werden können.

Am Ende führt das alles dazu, dass ein klassisches Fenster in RC3 ein recht teures Produkt ist. «Aber ein RC2-Fenster entspricht einfach nicht dem, was sein sollte. Wir brauchen Fenster, die schützen, und nicht solche, die dem Kunden eine Sicherheit vorgaukeln», sagt Blaser.

Rahmenlose Schiebeelemente mit RC4

Während es das typische ein- und zweiflüglige Fenster mit Rahmenflügel in der Klasse RC3 schwer hat, haben die Hersteller von grossformatigen, nahezu rahmenlosen Schiebelösungen, die Sicherheit ins Visier genommen. Bei Swiss Fine Line etwa bietet man ein RC4-Element, das groben Attacken mit Säge und Axt, Stemmeisen, Hammer und Meissel sowie dem Akku-Bohrschrauber widersteht. Einbruchschutz schien bis vor wenigen Jahren noch kein Thema bei den Herstellern solcher Elemente zu sein. Es kam gar nicht vor. Inzwischen hat man jedoch nachgebessert, und offenbar lässt sich der Einbruchschutz bei rahmenlosen Elementen recht gut implementieren.

Dem Glas kommt dabei eine entscheidende Bedeutung zu. «Diese muss eine gute Resttragfähigkeit aufweisen», sagt Urs Stalder, denn auch die normalerweise verwendeten Riegelverschlüsse sind, wenn die Scheibe erstmal zerstört ist, eine leichte Beute. Die Scheibe wird durch den Verbund von Iso- und VSG-Gläsern so steif, dass sie gar keinen Rahmen braucht.

Ganz anders beim sogenannten Lochfenster mit Rahmen und Flügelrahmen in unterschiedlichen Einbausituationen. Von RC2 zu RC3 sei es ein regelrechter Sprung, was die Attacke angehe, und deshalb auch, was den Aufwand betreffe, den man als Fensterbauer für RC3 betreiben müsse.

«Mit einem längeren Schraubendreher in der RC2-Prüfung kann man umgerechnet etwa 600 kg Hebelwirkung erzeugen. Mit einem Kuhfuss bei RC3 sind es schon 3 bis 3,5 Tonnen», sagt Stalder. So mancher Fensterexperte ist deshalb der Meinung, dass es eine Klasse RC2 Plus geben sollte, etwas zwischen RC2 und RC3, damit mehr Fenster mit höherer Sicherheit auch in Holz verbaut werden. Und das möglichst, bevor beim Nachbarn eingebrochen wird.

www.blasereinbruchschutz.chwww.bfh.ch

Polizeiliche Kriminalstatistik

Zahlen richtig deuten

Dieser Tage sind viele Meldungen über die Zahlen der jüngsten polizeilichen Kriminalstatistik 2024 im Umlauf. Nicht alle davon zeugen von seriösen Interpretationen der Zahlen.

Was die Einbruchdiebstähle angeht, weist die Statistik 2024 eine Zunahme um 15 % gegenüber 2023 aus. Danach wurden 33 058 Straftaten registriert gegenüber 28 793 Einbruchdiebstählen im Jahr 2023. Bei den Einschleichdiebstählen beträgt die Zunahme lediglich 3 % und damit 13 012. So wird ein Ein- bruchdiebstahl bezeichnet, wenn der Zutritt ohne Gewaltanwendung, etwa durch offen stehende Türen oder Fenster erfolgt.

Im langjährigen Vergleich stellt sich die Situation etwas differenzierter dar. So wurde 2012 ein Höhepunkt mit 61 128 Einbrüchen verzeichnet. In den darauffolgenden Jahren sank diese Zahl immer weiter ab. Die geringsten Einbruchzahlen stammen aus den Corona-Jahren. Seit dem offiziellen Ende der Pandemie nehmen diese nun wieder stetig zu.

christian Härtel, ch

Veröffentlichung: 03. April 2025 / Ausgabe 14/2025

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