Wo aus Lernenden Wettkämpfer werden

Ramon Roth (3. Lehrjahr) beim Ausarbeiten der Überplattung. Bild: Michael Nussbaum

Sieben Stunden, ein Werkstück und jede Menge Konzentration: An den Sektionsmeisterschaften messen sich Schreinerlernende unter Wettbewerbsbedingungen und sammeln wichtige Erfahrungen für ihre berufliche Zukunft.

Für einige Lernende können die Sektionsmeisterschaften der erste Schritt auf dem Weg zu den World Skills sein. Vor allem bieten sie die Möglichkeit, sich unter Wettbewerbsbedingungen zu messen und wertvolle Erfahrungen für die berufliche Zukunft zu sammeln. Von Ende August bis Ende November treten Schreinerlernende in regionalen üK-Zentren oder an öffentlichen Austragungsorten gegeneinander an. Innerhalb von sieben Stunden fertigen sie ein Möbelstück mit verschiedenen Eckverbindungen. Gefragt sind präzises Handwerk, eine durchdachte Arbeitsplanung, Selbstständigkeit und ein kühler Kopf unter Zeitdruck. Gleichzeitig dient der Wettbewerb als wichtige Standortbestimmung und ideale Vorbereitung auf die Teilprüfung. Die 90 Bestklassierten qualifizieren sich für die Regionalmeisterschaften 2027 und machen damit den nächsten Schritt in Richtung Swiss Skills und World Skills.

Die Sektion Luzern gehörte zu den ersten Austragungsorten. Vom 17. bis 21. August fand im Ausbildungszentrum Rothenburg die Luzerner Schreiner Meisterschaft statt, wie der Wettbewerb in der Sektion Luzern genannt wird. Insgesamt 43 Lernende aus dem Kanton Luzern stellten sich in fünf Gruppen der Aufgabe, darunter 7 Frauen und 36 Männer. Die Teilnehmenden stammten etwa je zur Hälfte aus dem zweiten und dritten Lehrjahr.

Herausforderung Zeitmanagement

Am Morgen des ersten Wettkampftages herrschte noch eine ruhige Atmosphäre. Mit dem Anreissen der Friese starteten die Lernenden in die Aufgabe. «Dabei ist gerade das Zeitmanagement eine der grössten Herausforderungen», sagt Hans Jörg Weingartner, Instruktor in der Lernendenausbildung und Coach der Berufsmeisterschaften. Gegen Ende werde die Zeit oft knapp. «Schliesslich müssen die Werkstücke nicht nur hergestellt, sondern auch verleimt, verputzt und fertig bearbeitet werden.» Genau darin liege aber ein wichtiger Lerneffekt. Die Teilnehmenden erkennen, wo sie ihre Zeit künftig besser einteilen müssen. «An Wettbewerbe dieser Art sind viele noch nicht gewöhnt.» Einige Betriebe würden ihre Lernenden gezielt anmelden. «Der grösste Teil nimmt jedoch freiwillig teil. Es ist schön, zu sehen, mit welchem Engagement die Jugendlichen dabei sind», sagt Weingartner. Gleichzeitig lernen sie, ihre Arbeit sinnvoll einzuteilen und den Zeitaufwand einzelner Arbeitsschritte besser einzuschätzen.

Hilfe für die Teilprüfung

Für Luca Helbling aus Adligenswil LU erwies sich der Wettkampf als machbare Herausforderung. Zwar geriet der angehende Schreiner gegen Ende etwas unter Zeitdruck, dennoch brachte er sein Werkstück rechtzeitig fertig. «Ich dachte zuerst, es würde schwieriger werden. Am Schluss konnte ich die Zeit aber noch etwas aufholen und bin fertig geworden, auch wenn es sehr knapp war», erzählt er. Neu war für den Luzerner vor allem die besondere Situation eines Wettkampfs. «Unter Wettbewerbsdruck zu arbeiten, ist definitiv etwas anderes als im Betrieb. Damit hatte ich nicht gerechnet.» Grössere Fehler blieben ihm erspart. «Einmal habe ich ein Werkstück leicht angeschnitten, aber nicht durchgeschnitten.» Die grösste Herausforderung stellte die Schlitz-Zapfen-Verbindung dar. «Die konnte ich vorher kaum üben, und deshalb war ich unsicher, ob sie funktionieren würde.» Die Sorge erwies sich als unbegründet. «Am Schluss hat es prima funktioniert, und auch beim Verleimen ist alles gut gegangen.»

Bei der Bearbeitung setzte Helbling auf eine einfache Strategie. «Ich bin nach dem Motto vorgegangen: zuerst die einfacheren Arbeiten erledigen, um in einen Rhythmus zu kommen, und mich danach den schwierigeren Dingen widmen.» Sein Ziel sei nicht die Qualifikation gewesen. «Ich habe mitgemacht, weil ich die Chance dazu hatte und weil mir schon die Vorbereitung Spass gemacht hat.» Entsprechend fällt auch sein Rat aus: «Wer künftig teilnehmen möchte, sollte die Verbindungen unbedingt vorher üben, auch wenn das in der Freizeit passiert.» Sein Fazit: «Für die Teilprüfung hilft dieser Wettbewerb definitiv.»

Das Üben half ihm beim Wettkampf

Andrin Bisang aus Küssnacht SZ konnte auf eine gewisse Vorbereitung zurückgreifen. «Die Aufgabe übten wir bereits im Betrieb, was mir am Wettkampftag sicher geholfen hat», sagt der Lernende der Schreinerei Arnold AG in Meierskappel LU. Ganz ohne Fehler verlief der Wettbewerb dennoch nicht. «Bei einer Verbindung habe ich etwas falsch gedacht und dadurch an einer Stelle zu viel Material weggenommen.» Trotz dieses Missgeschicks blieb er gelassen. «Ich fing einfach an und arbeitete Schritt für Schritt. Dabei sagte ich mir immer, dass es nichts bringt, mich stressen zu lassen.» Diese Einstellung habe ihm geholfen. «Wenn ich mich verrückt mache, wird das Ergebnis nicht besser.» Entsprechend locker blickt er auf die Qualifikation für die nächste Runde. «Ob ich unbedingt in die nächste Runde kommen muss? Eigentlich nicht. Wenn es klappt, freue ich mich natürlich. Wenn nicht, ist es auch in Ordnung. Mir geht es in erster Linie darum, die Erfahrung zu machen.»

Nicht zum ersten Mal dabei

Anders als viele andere Teilnehmende kannte Linus Geiser aus Roggwil BE die Wettkampfatmosphäre bereits. Er hatte schon im vergangenen Jahr an den Sektionsmeisterschaften teilgenommen. Als ihn sein Lehrmeister erneut fragte, ob er dabei sein wolle, sagte er zu. «Man fordert sich selbst heraus und sammelt wertvolle Erfahrungen.» Entscheidend sei nicht, möglichst früh fertig zu werden, sondern die verfügbare Zeit richtig einzuteilen und trotz Zeitdruck präzise zu arbeiten. «Dieses Jahr war ich relativ gut in der Zeit; das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich die Teilprüfung bereits hinter mir habe.» Dort sei der Zeitdruck oft die grösste Herausforderung. Ganz fehlerfrei blieb aber auch er nicht. «Bei einem Zapfen bin ich mit dem Bohrer an der Langlochbohrmaschine etwas zu tief rein und hatte dadurch zu viel Luft.» Trotzdem konnte er das Werkstück fertigstellen. Für Geiser ist die nächste Runde durchaus ein Anreiz: «Mein Ziel ist es schon, möglichst weit zu kommen. Die Chance, sich für die Regionalmeisterschaften zu qualifizieren, motiviert natürlich zusätzlich.» Sein Tipp: «Die Aufgabe im Voraus zu üben. Die Pläne liegen frühzeitig vor, und diese Möglichkeit sollte man nutzen.»

Sie staunte, wie gut es lief

Livia Budmiger aus Grosswangen LU blickt ebenfalls positiv auf den Tag zurück. «Der Wettbewerb war eine gute Erfahrung, und ich konnte viel dabei lernen», sagt die junge Schreinerin, die ihre Lehre bei der Müller & Zihlmann AG in Buttisholz LU absolviert. Besonders überrascht habe sie, dass sie trotz wenig praktischer Vorbereitung vieles richtig umsetzen konnte. «Ich habe eigentlich gestaunt, dass ich relativ oft gewusst habe, wie ich es machen soll, obwohl ich kaum übte.» Zur Vorbereitung stellte sie lediglich eine Verbindung vollständig her. Ganz fehlerfrei verlief der Tag allerdings nicht. «Bei der Schlitz-Zapfen-Verbindung vertauschte ich Schlitz und Zapfen.» Als ihr der Fehler auffiel, war es bereits zu spät für eine Korrektur. Nervös war sie trotzdem nicht und stellte ihr Werkstück rechtzeitig fertig. «Eigentlich wollte ich die kompliziertere Schwalbenschwanzverbindung erst am Schluss machen, so hätte ich bei Zeitnot reagieren können.» Schliesslich entschied sie sich jedoch für das Gegenteil. Der Entscheid zahlte sich aus. «Ich habe viel gelernt, und das ist die Hauptsache.» Ob sie nochmals teilnehmen wird, weiss sie noch nicht. «Wahrscheinlich eher nicht. Der Wettbewerb war für mich vor allem eine praktische Gelegenheit, Erfahrungen für die Teilprüfung zu sammeln.»

www.vssm.ch

Michael Nussbaum

Veröffentlichung: 20. Januar 2026 / Ausgabe 36/2026

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