Wow-Effekt in luftiger Höhe

Erste Gäste geniessen die Aussicht. Bild: Stefan Hilzinger

Sektion LUzern.  Alle zwei Jahre öffnet ein verstecktes Bijou der Schweizer Schreiner seine Türen: Der Dächliturm mit seiner Turmstube in der Luzerner Museggmauer. Rund 350 Besucherinnen und Besucher stiegen die fast 70 Stufen hoch und bewunderten Handwerk und Alpenpanorama.

Acht Türme zählt die historische Museggmauer in Luzern. Der mit 27 Metern Höhe kleinste und östlichste von ihnen ist der Dächliturm, benannt nach dem charakteristischen, pyramidenförmigen Steildach. Alle zwei Jahre lädt die Museggmauer die Bevölkerung zur Besichtigung ein. Am vergangenen Samstag war es wieder so weit, und schon kurz vor elf Uhr vormittags stiegen die ersten Besucherinnen und Besucher die 66 Treppenstufen hoch zur Turmstube.

Der Dächliturm ist seit 1936 so etwas wie ein historisches Schaufenster der Schweizer Schreinerbranche. Damals feierte der Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM) sein 50-Jahr-Jubiläum – und seither mietet der VSSM den Turm von der Stadt Luzern. Verwaltet und bewirtschaftet wird er von der Regionalsektion Luzern und Umgebung des VSSM Luzern.

Ausblick und Einblick

Ein Schaufenster ist der Turm in doppelter Hinsicht. «Es ist der einzige Turm, bei dem sich die Fenster öffnen lassen», weiss Franz Bleisch, der frühere, langjährige Turmwart. Vom Dächliturm geniesst man daher eine herrliche Sicht über das Seebecken zum Bergpanorama. «Beim Stadtfest hat man hier Logenplätze fürs Feuerwerk», verrät Markus Meier, Präsident der Regionalsektion Luzern und Umgebung, der mit dem Präsidenten der Kantonalsektion Beat Bucheli die ersten Gäste begrüsst und ihnen Red und Antwort steht.

Ein Schaufenster, zumindest der damaligen Schreinerkunst, ist überdies der Innenausbau der Stube, der in den Jahren um 1936 entstanden ist. Die Stabellen und der Meistersessel um die lange Eichentafel stammen von der damaligen VSSM-Sektion. Das unübersehbare Prunkstück ist das mit Schnitzereien verzierte neugotische Buffet, ebenfalls aus Eiche. «Die Schnitzereien sind wirklich speziell – umso mehr, als sich Eiche ja nicht besonders dafür eignet», sagt Bleisch.

Der Turm und die Stube können für Anlässe gemietet werden, allerdings nur zwischen Mai und Oktober, da sich der Turm nicht heizen lässt. Die Platzzahl ist auf rund 20 Personen beschränkt. Der Aufstieg muss sich etwas verdient werden, jedoch gibt es unterwegs historisches Schreinerwerkzeug zu bestaunen, was allein schon einen Besuch wert ist. Am Samstag jedenfalls liessen sich rund 350 Besucherinnen und Besucher die Chance nicht entgehen, einen Blick in und aus dem Dächliturm zu werfen. Turmwartin Cornelia Portmann ist zufrieden. Sogar eine Gruppe Pfadfinder und eine Reisegruppe aus Osteuropa seien zu Besuch gewesen, berichtet sie. Der nächste Tag der offenen Museggmauer findet voraussichtlich 2028 statt.

www.luzerner-schreiner.ch

Stefan Hilzinger

Veröffentlichung: 17. September 2026 / Ausgabe 38/2026

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