Alternativ veredeln

In der Kathedrale Santa María de Vitoria in Spanien fällt der Blick gerne auf die geölten Holzfussböden. Bild: Livos GmbH

Beschichtungen.  Vor einigen Jahren hätte man einen stark frequentierten Holzboden mit Lack versiegelt. Heute gibt es Alternativen dazu, die sich sogar in einer Kathedrale bewähren. Es tut sich was bei den Oberflächenveredelungen.

Lacke auf Wasserbasis vollbringen schon kleine Wunder mit ihrer Abrieb- sowie Kratzfestigkeit und der Widerstandskraft gegen Feuchtigkeitseinflüsse. Damit aber nicht genug: Wenn es beim Abschluss einer Schreinerarbeit um die Veredelung und den Schutz der Oberfläche geht, stehen dem Handwerker immer mehr ernsthafte Alternativen zur Verfügung, die sehr bewusst eingesetzt werden sollten.

Problemlos reparierfähig

Lacke, welche – einmal ausgehärtet – nicht mehr aufgelöst werden können, haben ihre Schwächen. Diese liegen vor allem in ihrem fixen Oberflächenfilm, der kaum reparierbar ist und bei Rissen empfindlich reagiert. Durch diese kann Feuchtigkeit die dichte Schicht unterwandern und anlösen. Öle sind da weniger anfällig. Die Ecovos AG aus Bern-Worblaufen empfiehlt den Kunos-Naturöl-Siegel von Livos. Das vielseitig verwendbare, moderne Öl auf Pflanzenbasis ist ein schönes Beispiel dieser Beschichtungsmöglichkeit. Auch stark benutzte Böden in öffentlichen Gebäuden stellen kein Problem mehr dar. Das Öl ist für Spielzeuge geeignet und in 21 Farbtönen erhältlich. Ebenso lässt sich die Ölsiegelfläche problemlos reparieren und auf einfache Weise pflegen. Öle brauchen beim Auftragen wie beim Trocknen Zeit. Sind sie aber erst einmal voll durchgehärtet, werden sie äusserst widerstandsfähig und können, bei richtiger Pflege, dauerhaft auf gleichbleibendem Niveau gehalten werden, was so mit Lack nicht möglich ist.

Lösemittelbeständige Seifenoberfläche

Geseifte Oberflächen sind heute vor allem als natürliche Beschichtungsart für Massivholztische bekannt. Mit feiner Körnung geschliffen und richtig behandelt, werden solche Oberflächen einzigartig. Sie genügen sogar den Anforderungen für den Restaurantbetrieb.

Die Naturhaus Naturfarben GmbH aus dem deutschen Riedering hat nun eine Lösung gefunden, womit ihre Naturholz-Seife selbst bei sehr stark beanspruchten Möbelflächen und sogar auf solchen Böden eingesetzt werden kann: Durch einen Endauftrag mit dem «Premium-Finish» verspricht der Hersteller eine leicht diffusionsfähige, abriebfeste und lösemittelbeständige Seifenoberfläche. Und das Produkt basiert auf nachwachsenden Rohstoffen. Ein kompletter Oberflächenaufbau ist zudem an nur einem Tag und auf allen Nadel- sowie Laubhölzern möglich.

Authentische Darstellungen

Die Firma Adler im österreichischen Schwatz definiert das Wort «Alternative» auf eine ganz eigene Art, denn mit ihren Lacken lassen sich beispielsweise Kupferflächen darstellen. Diesen können sogar Oxidationsflecken beigebracht werden. Sie bieten hochwertige, gleichbleibende und kratzfeste Möbeloberflächen. Der ebenfalls angebotene «Echteisen-Effekt» ist sogar magnetisch.

Ausser verschiedenen Metallen gibt es die Möglichkeit, Betonflächen zu imitieren, was dann auch einen dreidimensionalen Strukturaufbau erfordert. Schliesslich soll auch das typische Porenbild dieser Steinfläche authentisch wirken.

Stumpfmatt und unempfindlich

Adler gehört aber auch zu den Firmen, welche die schlechte Reparierfähigkeit von wasserbasierenden Lacken nicht einfach akzeptieren wollen. Mit ihrem «Bluefin Pigmosoft» ist es der Firma Adler gelungen, einen sich selbst regenerierenden Möbellack herzustellen. Die stumpfmatte, samtweiche Oberfläche schützt sich vor Aufglänzen und bei Kratzern durch selbstständige Regeneration innert Stunden, oder bei Bedarf mit einem Mittel sogar sofort.

Im industriellen Bereich lassen sich aber noch ganz andere Mattflächen erzeugen: Mattlacke verfügen normalerweise über einen Zusatzstoff, welcher das Licht bricht. Solche Oberflächen lassen sich aber auch physikalisch erzeugen. Mit sogenannten Excrimer-UV-Strahlen sind selbst stumpfmatte Wirkungen realisierbar. Bei dieser neuen Methode wird der im Walzverfahren aufgetragene, flüssige UV-härtende Excrimer- Lack «Innolux Topcoat EXC» von Adler unter Ausschluss von Sauerstoff mit kurzwelligem UV-Licht bestrahlt. Dadurch schrumpft die äusserste Schicht ganz fein so zusammen, dass sie einen definierten Glanzgrad von 3 bis 20 erreicht. Unmittelbar danach erfolgt die Bestrahlung mit einem UV-Trockner.

Die erhöhte Oberflächenhärte führt laut Hersteller zu einer extrem kratz- und abriebfesten Lackfläche, die kaum noch aufglänzen kann. Dennoch besteht ein Softtouch- sowie Anti-Fingerprint-Effekt und das alles ohne Lösemittel.

Strukturieren im Durchlauf

Dass mit Digitaldruck viel möglich ist, dürfte bekannt sein. Und ja, solche Geräte lassen sich auch in eine Lackstrasse integrieren, was den Einsatz personalisierter Dekorfronten erlaubt. Ein neues Druckverfahren ist das Digital Embossing. Zusammen mit dem von Adler dafür entwickelten UV-Lack «Innolux Topcoat DLE» können in der noch nicht ausgehärteten Lackschicht Vertiefungen erzeugt werden, ohne dass sich die Oberflächeneigenschaften verändern. So entsteht eine haptisch fühlbare, definierte Struktur wie sonst bei Dekorflächen – aber individuell und gezielt am Produkt ausgeführt.

www.ecovos.chwww.naturhaus.netwww.adler-lacke.com

ab

Veröffentlichung: 21. Juni 2019 / Ausgabe 24/2019

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