Auch morgen noch passend

Bild: De Breuyn Möbel GmbH

Möbel für Kinder.  Multifunktional und verstellbar: Im Idealfall wachsen die Möbel zusammen mit den Kindern. Auch das Baukastenprinzip ist ein wichtiger Ansatz, wie der Blick auf die Ideen aus verschiedenen Ländern zeigt.

«Mein Gott, sind die schon wieder gross geworden!» Nicht nur Eltern kennen das Gefühl, dass die Kinder, je älter sie werden, desto schneller im Wachstum zulegen. An den Schuhgrössen merkt man es oft, an den Kleidern, aber auch an der dann nicht mehr passenden Einrichtung des Kinderzimmers. Gerade eben noch im Gitterbett, braucht das Kind mehr Platz, am besten mit veränderbaren Elementen und kindgerechter Gestaltung. Denn schon wächst der Sprössling ins vorpubertäre Alter hinein und hat wieder andere Bedürfnisse. Auf einmal ist die «Hello Kitty»-Dekoration völlig am Bedürfnis vorbei und die Plätze für die Hausaufgaben und fürs Chillen werden zunehmend wichtiger.

Der Bedarf ist oft unklar

Weil alles dann doch so schnell geht, haben Eltern oft Mühe, mit der Einrichtung des kindgerechten Wohnbereiches Schritt zu halten. Was bei Ernährung, Kleidung und Utensilien des täglichen Bedarfs klar und strukturiert organisiert wird, ist beim Kaufen von Kindermöbeln immer noch mit vielen Fragezeichen verbunden.

Neben Fragen des Designs, danach, wie Kindermöbel eigentlich aussehen sollten, geht es auch um die Frage, ob ein Möbel für eine bestimmte Zeit gedacht ist oder ob es die Zeit des Heranwachsens überdauern soll. Die Antwort hängt natürlich von der Einstellung der Eltern ab, von deren finanziellen Möglichkeiten und der Wichtigkeit, die sie dem Thema beimessen. Während viele Eltern das Ganze bei temporären Utensilien wie dem Kinderwagen, der Sitzerhöhung oder auch der Skiausrüstung recht einfach beantworten können, ist die Sache mit den Möbeln – weil im Grundsatz langfristiger angelegt – schwieriger.

Anpassung an die Erwachsenenwelt

Der Archetypus eines intelligenten Kindermöbels ist der verstellbare Kinderstuhl, der es den Erwachsenen ermöglicht, dass der «Zwerg» zusammen mit den Grossen an einem Tisch sitzt, auch wenn das Kind etwas anderes isst. Ein Stuhl, der mit dem Kind mitwächst, weil die Sitzhöhe und das Fussbrett verstellbar ausgebildet sind. Jeder hat so einen Stuhl. Jedes Kind zu Hause am Tisch, jedes Restaurant und jeder Wartebereich an Orten, an denen Kinder auch warten müssen. Manchmal sind sie von zweifelhafter gestalterischer Qualität, und so manche Eltern sind froh, wenn es dann endlich vorbei ist mit der Zeit des Kinderstuhls und der immer noch Kleine auf den Stühlen für Erwachsene Platz nehmen kann.

Kissen für die nötige Höhe

Trotzdem gibt es die Situationen, in denen der Kinderstuhl mit der nötigen Sitzerhöhung einfach fehlt. Dann können die aufgelegten Sitzkissen «Cojines C/02» der in Zürich lebenden Designereltern Margarita Salme- rón Espinosa und Christoph Schindler helfen. Die Polster des Möbellabels «Schindlersalmerón» aus der Kleinserie des «Kinderstuhles to go» sind als Auftragsarbeit für ein befreundetes Elternpaar entstanden. Die Sitzauflagen haben eine rutschfeste Unterlage für den sicheren Gebrauch auch beim Aufeinanderstapeln und können je nach Alter des Kindes aus einer oder mehreren Schichten bestehen, sobald das Kind alt genug ist und keine Absturzsicherungen beim Sitzen mehr benötigt.

«Im Gebrauch mit den eigenen Kindern bemerkten wir, wie einfach und unmittelbar dieses Produkt auf die sich ständig verändernden Bedürfnisse reagieren kann, ohne dass wie bei so vielen Kinderprodukten geschraubt und montiert werden muss. Eine Anschaffung speziellen Kindermobiliars entfällt, und die Kinder fühlen sich als vollwertige Familienmitglieder. Diese unscheinbaren, aber wichtigen Qualitäten planten wir nicht voraus, sondern erkannten sie in der Anwendung», sagt Architekt und Produktdesigner Christoph Schindler.

Ideen aus dem Leben

Weder geschraubt noch montiert werden muss bei veränderter Nutzung auch beim Babybett «Bennis Nest». Der zweite Sohn der Familie Pröll war ein Frühchen. Die Eltern wollten ihm die benötigte Wärme und Geborgenheit geben. Doch Bennis Schlaf war nicht immer so fest, wie er sein sollte. Erst als die naturverbundene Grossmutter riet, das Kind – wie es ein alter Brauch war – in die Schublade ihrer Arvenholzkommode zu legen, schlief Benni tief und fest. In Zusammenarbeit mit einem Schreiner entstand so «Bennis Nest»: ein Bettchen aus Arvenholz, das sich später als Aufbewahrungsmöbel in Form einer Truhe oder als Tischchen nutzen lässt. Dafür braucht es lediglich eine Abdeckung, die das Möbel ergänzt.

Wandelbar durch System

Neben solchen einzelnen Schmuckstücken der variablen, temporären Nutzung steht vor allem der systemische Gedanke für das Prinzip des mitwachsenden Möbels im Vordergrund. So wird beispielsweise aus dem Gestell des Kinderbettchens später ein Kinderschreibtisch. Oder das Bett lässt sich über die Jahre hinweg durch An- und Abbau von Systemteilen in Höhe und Nutzung entsprechend den Bedürfnissen des Kindes um- bauen. Mal als Hochbett mit Rutsche und später den Raum darunter als Stauzone, Spielecke oder Sitzgelegenheit genutzt. Schliesslich ist die Zeit des Himmelbettes vorbei, und die Teile fügen sich neu zusammen. Ein Jugendbett steht auf dem Boden der Tatsachen mit einem Schreibtisch und einem Ordnungsregal.

Der Lebensbegleiter

Einen ganz besonderen Ansatz hat neben veränderbaren Kindermöbelsystemen die De Breuyn Möbel GmbH gestaltet. Bei «Kukua Kids» ging es darum, Möbel zu entwerfen, die von Kindern und Erwachsenen gleichermassen zu benützen sind. «Diese Art ist eine sehr moderne Form, die aber eher selten nachgefragt wird. Denn die meisten Kunden wünschen sich pragmatischere, direktere Lösungen für das Kinderzimmer», weiss der Firmeninhaber Jörg de Breuyn. Etwa das mitwachsende Bett. Zunächst für das Krabbelkind eingerichtet, wächst das Bett bis zum Erwachsenenalter in unterschiedlichen Raumsituationen. Dazu braucht man flexibles Mobiliar. Denn das Möbel sollte auch bei einem Wohnungswechsel noch passen.

Fünf Höhen integriert

«Die Betten können bereits für Kleinkinder ab zwei Jahren als bodennahes Himmelbett starten, werden dann zu halbhohen Spielbetten für Kinder ab drei Jahren umgebaut und später zu hohen Betten aufgestockt», so de Breuyn. Der Kunde kauft dabei einen Bausatz, in dem fünf verschiedene Betthöhen integriert sind. «Denn es geht ja auch immer darum, dass ein Möbel von dem Kind und dem Erwachsenen bedient werden muss. Deshalb ist der Gedanke an ein umbaubares System ein ganz wichtiger Punkt für uns. Da kommen verschiedene Körpergrössen und unterschiedliche Bedürfnisse zusammen. Ausserdem: Junge Eltern ziehen öfter um. Das erste Kind findet noch seinen Platz, beim zweiten sucht man die grössere Wohnung, und all diese Bewegungen müssen die Kindermöbel mitmachen», verdeutlicht de Breuyn.

Wandelbar bis zur Couch

Ähnliche Gedanken finden sich beim dänischen Hersteller Leander. Die Möbel sind so konzipiert, dass sie immer neuen Bedürfnissen angepasst werden können. Zum Programm gehören Grundelemente, welche erweitert oder umgebaut werden können. Somit wachsen die Möbel mit dem Kind. Ist das Kind dem Wickelalter entwachsen, wird aus dem Wickeltisch eine Kommode. Das Babybett lässt sich in eine Liege verwandeln, das Hochbett in ein Jugendbett, und dann wird daraus die benötigte Couch für das pubertäre Alter.

Nachhaltiger Erfolg durch die Nische

Kindermöbel sind eine Nische, die auch von Schreinern bedient wird. Sei es durch den «Eigenbedarf» oder wegen vereinzelter Anfragen. So entstehen immer wieder kindgerechte Solitärmöbel. Das Geschäftsfeld systematisch zu bearbeiten, kann allerdings lohnend sein.

«Kindermöbel sind für Schreiner deshalb interessant, weil die jungen Eltern später vielleicht im Eigenheim auch andere Dinge brauchen. Wenn also ein Kontakt zu dieser interessanten Zielgruppe hergestellt ist, kommen der Nachverkauf und die Arbeit oft von allein, wenn sich die Lebenssituation der Kunden wieder ändert», weiss de Breuyn aus seiner langjährigen Erfahrung und Kooperation mit Schreinern.

www.schindlersalmeron.comwww.bennisnest.comwww.debreuyn.chwww.leander.comwww.flexaworld.comwww.minimoebl.ch

ch

Veröffentlichung: 14. September 2017 / Ausgabe 37/2017

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