Freunde fürs Leben

Mit den schlanken Lisenen zur Teilung der Rückenpartie erhält der «Valet Chair» von PP MØbler fast das Antlitz eines Musikinstrumentes. Bild: PP Møbler

Stummer Diener.  Sogenannte Herrenmöbel führen ein Dasein abseits von Moden und Trends. Doch wer glaubt, es gibt sie sowieso nicht mehr, der möge sich mit den folgenden Beispielen von der Vielfalt der nützlichen Gestellmöbel überzeugen lassen.

Schon der Begriff «Herrenmöbel» tönt seltsam aus der Zeit gefallen. Ist das Schminktischchen für die Frau noch durchaus üblich, klingen Möbeltypen wie Herrenkommode oder stummer Diener doch eher verstaubt und irgendwie nach unterer Schublade. Trotzdem: Es gibt sie, die stummen Diener, die uns ein Leben lang begleiten und treu ergeben allen unseren Launen und Stimmungen zum Trotz stets ihren Dienst vollbringen. Sie nehmen unsere Kleider auf, die Uhr ist versorgt, auch das Halstuch und natürlich der Schlüsselbund. Dann müssen wir ihn nie suchen, weil das, was seinen Platz hat, nicht gesucht werden muss.

Man kann sich auch gut darauf einigen, dass der stumme Diener selbst zwar männlich ist, seine Benutzer aber gerade in heutiger Zeit jedes Geschlecht haben können. Und tobt draussen noch so ein Sturm um Gendergerechtigkeit und Gleichberechtigung: Der stumme Diener nimmt es hin und dient ein Leben lang, weshalb wir ihn dann doch so gerne um uns haben, abseits eines jeden Geschlechterbewusstseins.

Meister seines Faches

Der dänische Grossmeister des Designs, Hans J. Wegner, hat vor über 70 Jahren für PP Møbler den «Valet Chair» entworfen. Bis heute ist der Entwurf ein Hingucker. In der Grundform eines Stuhles verbirgt sich unter der Sitzfläche ein Stauraum, und wenn die Sitzfläche aufgeklappt wird, dient diese mit ihrer besonderen Form als Kleiderstange, um etwa die Hose abzulegen. Das edle und aufwendig gearbeitete Stück hat dafür auch einen stolzen fünfstelligen Listenpreis.

Der stumme Diener ist ein praktisches Möbelstück. Meist im Schlafzimmer oder in einem begehbaren Kleiderschrank aufgestellt, sind die Übergänge zum Garderobenmöbel oder dem Kleiderständer fliessend. So hat der italienische Hersteller Poltrona Frau gleich für alle drei Fälle den Entwurf der Kollektion «Ren» entsprechend ausgestaltet.

Ein fast intimes Möbel

Der stumme Diener ist dabei das persönlichste Möbel. Während Kleiderständer und Garderobe von jedem benutzt werden, ist der stumme Diener ein Möbel für den sehr persönlichen Gebrauch. Manche Modelle spielen bewusst mit den Geschlechtern und laden zu einer Doppelung ein. So lässt sich der Entwurf von Ligne Roset einfach doppelt aufstellen, was das Möbel dann schon fast zu einem Raumteiler macht.

Ganz wichtig sind auch die Ablagemöglichkeiten für die persönlichen Gegenstände wie Schmuck, Uhr, Schlüssel und andere Dinge, die sich am besten auf eine weiche Unterlage betten lassen. Die edlen Stücke der Designmöbelhersteller setzen dafür meist Leder ein. Andere nehmen für die Ablage einfach Holz, dann wäre eine Auflage aus Filz durchaus eine Verbesserung, weil eine weiche Oberfläche das Benutzen deutlich angenehmer gestaltet.

Ob man nun fix montierte Kleiderbügel oder mobile Varianten bevorzugt, ist natürlich ein Detail, dem man aber durchaus Beachtung schenken könnte. Letztlich bleibt es Geschmackssache. Aber ein Entwurf für einen stummen Diener, der mit beiden Varianten funktioniert, könnte – sicher kein Trend – aber vielleicht eine interessante Option sein.

www.pp.dkwww.baxter.itwww.nomon.eswww.porada.itwww.poltronafrau.comwww.cassina.itwww.zilioaldo.itwww.misuraemme.itwww.giorgetti.itwww.ligne-roset.com

Christian Härtel

Veröffentlichung: 05. Februar 2026 / Ausgabe 6/2026

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