Blitzschneller Bitwechsel mit dem «Speedy-Bit»

Das «Speedy-Bit»-Komplettset mit dem Bit-Magazin sowie den drei Adaptern, in die das Magazin eingesetzt werden kann. Bild: Sven Bürki

Praxistest. Das Optimieren von Abläufen und Handgriffen war ein wichtiger Bestandteil in den Trainings und Vorbereitungen von Fachredaktor Sven Bürki auf seinem Weg zu den World Skills 2017 in Abu Dhabi. Auch heute noch begleitet ihn die Freude am Ausprobieren von neuen Hilfsmitteln oder Methoden, die mehr Präzision oder Effizienz versprechen. Die Möglichkeit, das Schnellwechselsystem «Speedy-Bit» im praktischen Einsatz zu testen, liess er sich deshalb nicht entgehen.

Eigentlich sind die Zeiten ja vorbei, in denen ich bei jedem Arbeitsschritt versucht habe, ein Maximum an Effizienz herauszuholen. Und über diesen Umstand bin ich gar nicht mal so unglücklich. Denn das Arbeiten ist ungemein entspannter, wenn nicht permanent jeder einzelne Handgriff auf seine Effizienz gescannt und optimiert werden muss.

 

Ganz ablegen kann ich den Wettkampfmodus dann aber doch nicht immer. Wohl auch deswegen, weil mir das Optimieren von Abläufen und die Suche nach der effizientesten Lösung in meinen Vorbereitungen für die Berufsmeisterschaften trotz allem immer viel Spass gemacht hat. So kommt es auch heute noch des Öfteren vor, dass mein aktuelles Projekt für geraume Zeit liegen bleibt, weil ich noch einer zweiten oder dritten Methode nachgehe oder ein zusätzliches Hilfsmittel anfertige, das mir dabei einen Zeitgewinn verspricht.

Vom Schreiner entwickelt

Kaum verwunderlich also, dass das Schnellwechselsystem «Speedy-Bit» mein Interesse geweckt hat. Ein berührungsloser und vor allem auch ein blitzschneller Bitwechsel soll damit nämlich möglich sein. Erfunden und entwickelt hat den «Speedy-Bit» Schreinermeister Helmut Hässle, nachdem er auf dem Markt keine zufriedenstellende Lösung für sein Bitmanagement gefunden hat. Was mit kompakten Holzklötzchen, entsprechenden Bohrungen sowie eingebauten Magneten begann, ist inzwischen zum eigenen Produkt mit Patentanmeldung geworden. Produziert und vertrieben wird der «Speedy-Bit» über die eigens gegründete Firma Haju GmbH in Rickenbach (Hotzenwald, Deutschland).

Das Kernstück des Schnellwechselsystems bildet das Magazin, welches insgesamt acht Bits fasst. In der Grundausstattung sind die folgenden Bits enthalten: Torx 10, Torx 15, Torx 20, Torx 30 sowie PZ1, PZ2 und PZ3. An Ort und Stelle gehalten werden die Bitein- sätze durch Magnete, welche im Magazin verbaut sind. Damit die Entnahme und das «Parken» der Bits berührungslos und direkt mit dem Bithalter möglich sind, verfügen die Bit-einsätze über eine Kerbe, in welche die seitlichen Stege des Magazins greifen. Komplettiert wird das Schnellwechselsystem durch drei Adapter («Universal», «Saugfuss» und «Arm»). Diese ermöglichen den Bitwechsel auch ohne Zuhilfenahme der zweiten Hand.

Erste Gehversuche

Nach dem Auspacken zeigte sich schnell: Viel Erklärung oder Übung bedarf das Arbeiten mit dem «Speedy-Bit» wahrlich nicht. Das Entnehmen und Einsetzen der Bits funktioniert so, wie ich es mir erhofft habe: nämlich einfach und schnell. Eine leichte Drehung des Akkuschraubers hilft, beim Aufnehmen der Bits die richtige Position zu finden, in welcher der Sechskantschaft in den Bithalter gleiten kann. Beim «Parken» der Bits ist das hingegen nicht notwendig. Hier kann der Bit einfach in das Magazin eingesetzt und der Bithalter abgezogen werden. Zu beachten gilt es lediglich, dass nicht alle Bithalter kompatibel sind. So dürfen der Durchmesser sowie die Biteintauchtiefe nicht mehr als 10,5 mm betragen, und Bithalter mit Verriegelung sind natürlich generell nicht für das Schnellwechselsystem geeignet. Ein passender Bithalter ist aber auch im Lieferumfang des «Speedy-Bits» enthalten.

Für meine ersten Versuche habe ich den «Speedy-Bit» mit dem integrierten Karabiner an meiner Arbeitshose befestigt. Bei dieser Variante muss zwingend die zweite Hand hinzugenommen werden, was ich aber als nicht weiter schlimm empfand. Denn der Bitwechsel ist auch so schnell und unkompliziert, und die Bits sind durch die Magnete sicher gehalten, auch wenn das Magazin hin- und herschwingt.

Positiv überrascht

Eher skeptisch eingestellt war ich gegenüber dem Armadapter, welcher mit zwei Klettbändern am Unterarm befestigt wird. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass es bequem ist, den Adapter zusammen mit dem Magazin über einen längeren Zeitraum am Arm zu tragen. Hier war ich aber positiv überrascht, und ich habe mich sehr schnell an das Gefühl gewöhnt. Letztlich ist es auch nicht viel anders, als eine Uhr zu tragen.

Apropos Uhr: Da ich als Rechtshänder den «Speedy-Bit» ebenfalls am linken Arm tragen wollte, musste ich meine Uhr natürlich ablegen oder auf die rechte Seite wechseln. Aber abgesehen davon erforderte das Arbeiten mit dem Armadapter für mich keine grosse Umgewöhnung. Zu Beginn gilt es sicherlich, die richtige Balance zwischen bequemem Tragekomfort und ausreichend festem Halt zu finden. Denn der Widerstand des Magneten im Bithalter führt beim Abziehen gerne mal zu einem Verrutschen des Armadapters, sollte dieser zu locker sitzen. Aber sobald ich diese Balance gefunden hatte, konnte ich den Armadapter bequem einen ganzen Tag lang tragen, ohne dass es unangenehm wurde.

Schnell und intuitiv

Das Tragen des «Speedy-Bits» am Arm bietet aus meiner Sicht besonders bei Arbeiten auf einer Leiter einen grossen Mehrwert und vor allem auch mehr Sicherheit. Denn dadurch kann beim Bitwechsel immer eine Hand an der Leiter verbleiben, und der Akkuschrauber muss nicht abgelegt oder mit dem Gürtelclip eingehängt werden. Aber generell hat mich der Armadapter nach der anfänglichen Skepsis überzeugt. Die Arbeit damit ist intuitiv und der Bitwechsel gestaltet sich durch die kurzen Wege besonders effizient, wie das Video beweist.

Universal, aber …

Etwas weniger intuitiv war für mich das Arbeiten mit dem Universaladapter. Die eingebauten Magnete sowie die Schraubpunkte erlauben zwar diverse Montagemöglichkeiten des Adapters, aber das Entnehmen und Einsetzen der Bits ging mir hier eher mal etwas gegen die Hand. Wird der Universaladapter magnetisch auf einer Fläche befestigt, hat auch die Bauform des Akkuschraubers einen Einfluss darauf, in welchem Winkel der Schrauber zum «Speedy-Bit» gehalten werden muss, damit der Bitwechsel möglich ist (Bilder 3 bis 6). Der Bitwechsel mit abgedrehtem Akkuschrauber ging mir etwas gegen die Hand. Das Halten des Schraubers in aufrechter Position war mir in den meisten Situationen am angenehmsten. Da das Magazin lediglich in die Aufnahmen der Adapter eingeklickt wird, ist ein Adapterwechsel praktischerweise aber schnell vollzogen.

Zum Beispiel auf den dritten Adapter im Bunde – den Saugfussadapter. Dieser wird per Hebelspannung auf glatten Flächen wie etwa Glas, Fliesen, Kunstharzbeschichtungen oder lackierten Oberflächen befestigt. Hier sehe ich den Einsatz insbesondere bei der Montage oder Demontage von Küchen- oder Badmöbeln, da sich in diesen Räumen in der Regel viele solche Oberflächen finden. Die Anwendung ist simpel, und der «Speedy-Bit» kann mit dem Saugfussadapter variabel platziert werden.

DIY-«Speedy-Bit»-Bits

Für den stationären Einsatz bei mir in der Werkstatt habe ich mir schliesslich noch eine eigene Halterung gebaut. Auf diese Weise konnte ich den «Speedy-Bit» in der für mich ergonomischsten Position platzieren und gleichzeitig die Beschriftungen der einzelnen Bits anpassen, sodass diese von vorn zu lesen waren. Dank der verbauten Magnete im Magazin reichte ein gefälztes Sperrholzstück mit einem eingesetzten Weissblechstreifen, damit das Werkzeug an Ort und Stelle blieb und dennoch leicht wieder gelöst werden konnte.

Gerade für den Einsatz in der Werkstatt kann ich mir gut vorstellen, zwei oder mehrere Magazine nebeneinander zu platzieren, um Platz für weitere Biteinsätze zu haben. Denn die acht Bits in der Grundausstattung reichen eben dann doch nicht immer aus. Weitere mit dem «Speedy-Bit» kompatible Biteinsätze sind optional erhältlich (Torx 40, PH1, PH2, PH3).

Eigene Bits können aber auch für den Einsatz im Schnellwechselsystem umfunktioniert werden. Die benötigte Kerbe am Schaft des Bits ist bei mir etwa mit der Drehbank und der Trennscheibe entstanden. Auf diese Weise konnte ich mein Bitsortiment für den «Speedy-Bit» um einen Inbus- sowie Schlitzeinsatz erweitern.

3D-Druck und Spritzguss

Ein Wort noch zur Materialisierung des «Speedy-Bits»: Das Magazin sowie die Halterungen der verschiedenen Adapter sind in 3D-gedrucktem Kunststoff gefertigt. Meine Skepsis gegenüber dem Material war unbegründet. Alle Teile machen einen robusten Eindruck und haben über den Testzeitraum tadellos gehalten. Inzwischen läuft auch die Umstellung auf das Spritzgussverfahren. Wie Helmut Hässle sagt, werden die ersten 1000 bis 2000 Exemplare des «Speedy-Bits» aber noch mittels 3D-Druck hergestellt. An der Form- sowie der Farbgebung soll sich gegenüber meinem Testset aber auch mit dem Wechsel auf den Spritzguss nichts mehr ändern.

Fazit

Am Ende des Testzeitraums bleibt für mich eigentlich der gleiche Eindruck wie nach den ersten paar Gehversuchen. Das Arbeiten mit dem «Speedy-Bit» macht Spass.

Der Bitwechsel wird durch das Werkzeug merklich einfacher und vor allem auch schneller. Klar, bei den acht Biteinsätzen der Grundausstattung kann man nicht erwarten, in jeder Situation den richtigen Bit für jede Schraube parat zu haben. Doch die Grösse des Magazins finde ich stimmig gewählt, und die Auswahl der Einsätze kann man sich bei Bedarf individuell zusammenstellen. Und das Umfunktionieren eigener Bits ist keine grosse Sache.

Nicht ganz warm geworden bin ich mit dem Universaladapter, da mir die Position des «Speedy-Bits» hier manchmal etwas gegen die Hand ging. Aber die verschiedenen Adapter bieten insgesamt mehr als genug Optionen für verschiedene Arbeitssituationen. Insgesamt sehe ich den «Speedy-Bit» als praktisches Hilfsmittel – egal, ob für die Baustelle oder in der Werkstatt. Das umständliche Fummeln nach den Biteinsätzen entfällt, und auch wenn ich inzwischen nicht mehr um jede Sekunde bemüht bin, habe ich Gefallen gefunden am effizienten Bitwechsel, den das Schnellwechselsystem ermöglicht.

www.haju-gmbh.com


Sven Bürki

Veröffentlichung: 10. September 2026 / Ausgabe 37/2026

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