Kevin Kissling ist diplomierter Architekt FH und führt ein eigenes Architekturbüro in Kestenholz SO. Seine berufliche Basis legte er mit einer Lehre als Hochbauzeichner mit anschliessender Berufsmatura. Nach Tätigkeiten in Architekturbüros in Solothurn und Basel machte er sich vor über zehn Jahren selbstständig.
- Schreinerzeitung: Sie haben Ihr eigenes Wohnhaus in Kestenholz mit einer verkohlten Holzfassade realisiert. Was hat Sie an Yakisugi überzeugt?
- kevin kissling: Die Karbonisierung von Holz hat mich schon lange interessiert. Durch das Abflammen wird die Oberfläche geschützt und gleichzeitig die Lebensdauer des Holzes verlängert. Ausserdem entsteht dadurch eine sehr prägnante und eigenständige Oberfläche. Diese Kombination aus technischer Funktion und gestalterischer Wirkung war ausschlaggebend für das Konzept.
- Gab es im Vorfeld Vorbehalte gegenüber dieser Lösung?
- Ja, insbesondere bei Lieferanten und auch bei Fachleuten aus dem Bereich Holzbeschichtungen. Dort wurde eher empfohlen, das Holz schwarz zu streichen. Das war für mich keine Option, weil damit genau der spezifische Charakter der verkohlten Oberfläche verloren geht.
- Mit welchem Produkt wurde die Fassade schliesslich umgesetzt?
- Über die Kuratle & Jaecker AG sind wir auf die Yakisugi-Produkte des österreichischen Herstellers Ennobled gestossen. Das Sortiment reicht von sehr dunklen bis zu grauen, stärker strukturierten Oberflächen. Wir haben zunächst mit rund zehn Mustern gearbeitet, merkten aber schnell, dass sich die Wirkung am Gebäude so kaum beurteilen lässt. Erst die Besichtigung von zwei realisierten Referenzobjekten brachte die nötige Entscheidungsgrundlage.
- Was hat Sie am realisierten Ergebnis letztlich überzeugt?
- Die Fassade erinnert an jahrhundertealte Holzspeicher im Wallis, die durch Sonneneinstrahlung ebenfalls dunkel geworden sind. Die japanische Technik beschleunigt diesen natürlichen Prozess. Anfangs war ich gegenüber der sehr dunklen Farbwirkung skeptisch. In der Realität wirkt die Oberfläche jedoch nicht zu massiv. Je nach Lichteinfall verändert sich der Eindruck deutlich. Die Fassade wirkt lebendig und differenziert, auch wenn sie auf Fotos oft einfach schwarz erscheint. Interessanterweise fügt sich das Haus so ruhiger in die Umgebung ein als ein klassisch helles Gebäude.
- Warum kam eine vorvergraute Fassade nicht infrage?
- Diese Technik kenne ich gut und habe sie auch schon mehrfach eingesetzt. Für dieses Projekt wollten wir jedoch bewusst einen anderen, spezielleren Ansatz wählen – auch um eigene Erfahrungswerte für zukünftige Projekte zu sammeln und zu sehen, wie sich eine karbonisierte Fassade langfristig verhält.
- Wie wurde die Oberfläche danach ausgeführt?
- Nach dem Brennprozess wird die oberste, weiche Kohlenschicht teilweise abgebürstet. Wir haben uns entschieden, die ersten ein bis zwei Millimeter abtragen zu lassen, sodass nur noch das harte, karbonisierte Holz an der Oberfläche verbleibt.
- Wie erfolgte die Montage der Fassade?
- Die Fassadenbretter wurden verdeckt geschraubt, vergleichbar mit anderen hochwertigen Holzfassaden.
- Wurde das Holz nach dem Brennen noch behandelt?
- Nein. Die Bretter wurden im Werk geflammt und gebürstet, aber nicht weiter beschichtet. Sie kamen roh auf die Baustelle. Lediglich bei Schnittkanten oder kleinen Ausfransungen – die Latten waren bis zu sieben Meter lang – wurden diese vor Ort mit schwarzer Farbe nachretuschiert.
- Gab es besondere Ausführungsdetails?
- Beim Wintergarten an der Fensterfront wurden Vierkantlamellen eingesetzt. Während normale Yakisugi-Bretter einmal durch den Brennprozess gehen, mussten diese quadratischen Hölzer viermal gebrannt werden, damit alle Seiten die gleiche Struktur erhielten. Das war auch für den Hersteller eine besondere Herausforderung.
- Gibt es bereits erste Erfahrungen mit der Alterung der Fassade?
- Die Montage erfolgte im Dezember 2024, der Bezug des Hauses war dann Anfang März 2025. Bisher sind keine Veränderungen sichtbar. Natürlich wird sich die Oberfläche mit der Zeit und durch Witterungseinflüsse verändern, aber entscheidend ist, dass sie gleichmässig altert und nicht fleckig oder unruhig wird.
- Sind Abfärbungen, Rissbildung oder andere Schäden ein Thema?
- Nein. Es gibt vereinzelt kleine Harzgallen, die leicht hervortreten, ansonsten ist die Oberfläche sehr homogen. An zwei Stellen sind Äste herausgefallen, die wieder eingeleimt wurden. Auf die gesamte Fassadenfläche bezogen ist das vernachlässigbar.
- Welche Anforderungen stellt Yakisugi an die Planung?
- Konstruktiv unterscheidet sich die Montage kaum von vorvergrauten Sichtfassaden. In der Planung sollte man jedoch auf eine sinnvolle Aufteilung achten, um Verschnitt zu minimieren. Die Gebäudeecken haben wir mit Kanthölzern gelöst. Gehrungsschnitte wären problematisch, da das Holz dabei auf null ausläuft und das helle, unverbrannte Holz sichtbar würde.
- Würden Sie die Technik nach diesen Erfahrungen weiterempfehlen?
- Ja. Optisch ist die Fassade sehr stabil und deutlich lebendiger als eine gestrichene Oberfläche. Je nach Sonneneinstrahlung verändert sich der Ausdruck. Ich halte das Material für sehr hochwertig und würde es wieder einsetzen. Laut Kuratle & Jaecker gibt es mit den Produkten von Ennobled auch über zwei bis drei Jahre hinweg gute Erfahrungen.
- Wie waren die Reaktionen?
- Das Objekt wurde bisher noch nicht publiziert. Es gab aber bereits Interesse aus der Nachbarschaft sowie Besuche von Fachleuten und Vertretern von Ennobled. Ich gehe davon aus, dass sich künftig auch Bauherrschaften das Haus als Referenz ansehen werden.
www.k-konzept.chwww.kuratlejaecker.chennobled.at
michi läuchli
Veröffentlichung: 08. Januar 2026 / Ausgabe 1-2/2026