Vielfalt in der Natürlichkeit der Fläche

Je trockener und offenporiger Sitzmöbel aus Holz sind, desto wärmer fühlen sie sich auch bei Kälte an. Bild: Renner

Ölauftrag.  Seit den 1980er-Jahren haben sich Ölbeschichtungen für Holzoberflächen enorm weiterentwickelt, was zu einem grossen Angebot an Möglichkeiten geführt hat. Vorgaben bei den Auftragsmethoden optimieren die Handhabung und die Oberflächenqualität.

Wenn man sich in der kälteren Jahreszeit in der freien Natur hinsetzen möchte und die Wahl hat, wird man einen trockenen, unbehandelten oder geölten Holzstuhl auswählen. Durch den offenporigen Aufbau fühlt sich das Holz fast sofort angenehm warm an. Ein Stuhl mit einer geschlossenen Lackschicht braucht schon etwas mehr Aufwärmzeit, ist aber wärmer als ein Stuhl aus Kunststoff. Entsprechend fühlt sich auch naturbelassenes Holz, selbst wenn es mit einer sehr feinen Körnung geschliffen wurde, haptisch immer angenehm an.

Nicht schichtbildend, natürlich atmend

Während Lacke in der Regel auf der Oberfläche eine Schicht bilden, welche die Poren verschliesst, ist eine Beschichtung mit Ölen meist nicht schichtbildend. Diese dringen in die oberste Holzschicht, in die Holzfasern der Zellwände, ein. Die Poren bleiben dabei offen, und das Holz kann weiter atmen – die Oberfläche behält ihren natürlichen «Griff».

Je nach Öl und dem Anteil zusätzlicher Komponenten, wie zum Beispiel verschiedener Wachse, entstehen ganz unterschiedliche Schutzwirkungen, die bis zum schichtbildenden Schutz von Parkettfussböden in stark frequentierten öffentlichen Räumen reichen. Entsprechend sind auch im Möbelbereich Beschichtungen möglich, die von natürlich und matt bis zu schichtbildend und sogar hochglänzend reichen.

Fortschritt durch starke Partnerschaft

Wenn ein klassisches Öl an seine Leistungsgrenzen stösst, gibt es noch eine moderne Ölhärter-Technologie, weiss man bei der Votteler AG in Schwarzenbach SG. Ein solches Produkt, das traditionelle Oberflächenbehandlung und Hightech-Chemie verbindet, muss kein Widerspruch sein. Damit erreicht man eine Oberfläche, die mechanisch robust und chemisch beständiger ist und gleichzeitig reparaturfreundlich bleibt. Auch die Trocknung verläuft schneller, und der nächste Arbeitsgang kann früher erfolgen als bei klassischem Öl.

Zwischen diesen beiden Lösungen gibt es zudem noch einige Möglichkeiten. Beispielsweise bietet die Thymos AG in Lenzburg AG eine Palette von rund 20 verschiedenen Produkten aus sechs Generationen von Ölbeschichtungen an. Das reicht von den historischen Halbölen auf Leinölbasis, Hartölen mit und ohne Lösemittel, Öl-Wachs-Kombinationen ohne Lösemittel bis zu den Zweikomponentenölen und wässrigen Öl-hybridsystemen, die es seit rund zehn Jahren in der Schweiz gibt.

Oxidativ trocknende Naturöle feuern das Holzbild an, indem dieses dunkler und intensiver wird. Für den heute so oft gewünschten Rohholzeffekt müssen Öle allerdings chemisch modifiziert werden, sodass synthetische Beschichtungen entstehen. Diese bestehen im besten Fall aus natürlichen Rohstoffen und trocknen auch schneller. Ihre graue Energie ist aber weniger ökologisch als die unveränderter Naturöle. Der grosse Vorteil der heutigen Vielfalt an Produkten liegt darin, dass sie sehr vielen Ansprüchen gerecht werden.

Die Vorbehandlung ist massgebend

«Für ein gelungenes Oberflächenbild ist eine sorgfältige Vorbehandlung des Untergrundes unerlässlich. Dies gilt ganz besonders bei nicht schichtbildenden Beschichtungen wie den Ölen, die ja nicht auf der Holzoberfläche aufliegen, sondern in die oberste Schicht eindringen», weiss man bei der Adler Lack AG in Tuggen SZ. Eine gute Oberflächenvorbehandlung gewährleistet einerseits ein gleichmässiges Eindringverhalten und damit ein flecken- und wolkenfreies Oberflächenbild, andererseits eine angenehme Haptik.

Der Hersteller empfiehlt, das Holz stufenweise zu schleifen und dabei auch keine Zwischenstufe auszulassen. Bei Möbeln wird im Normalfall eine Abschlusskörnung von 240 angegeben. Massivholz sollte zusätzlich gewässert und nach dem Trocknen nochmals mit der letzten verwendeten Körnung geglättet werden. Wichtig sei auch, den Schleifstaub sorgfältig zu entfernen, damit er nicht die Holzporen verstopft, was gerade bei grobporigen Hölzern schnell der Fall ist.

Mittel und Ablauf einer Applikation

Die Beschichtung selbst kann auf verschiedene Weise und mit ganz unterschiedlichen Mitteln erfolgen. Grundsätzlich wird Öl auf die ganze Fläche gleichmässig aufgetragen, und nach spätestens zehn Minuten muss der Überschuss abgezogen und die Beschichtung allenfalls einmassiert werden.

Wie das Auftragen genau zu erfolgen hat, kann – je nach Produkt und Situation – unterschiedlich ausfallen. Jeder Ölhersteller gibt für seine Produkte jeweils Beschichtungsmethoden an, die sich zudem darin unterscheiden, ob Möbel oder Parkettböden zu behandeln sind. Bei Möbeln steht oft die optische und haptische Wirkung im Vordergrund, während bei Böden der Oberflächen-schutz und die rutschhemmenden Eigenschaften Priorität haben.

Auftragen und Überschüsse abziehen

Als Auftragsmittel werden bei kleinen Teilen in geringer Stückzahl fusselfreie, weisse Baumwolltücher und Pinsel genannt. Diese Teile können in grosser Stückzahl auch getaucht werden. Etwas grössere Werkstücke lassen sich gut mit Schaumstoffschwämmen oder -farbrollen bearbeiten. Bei gros-sen Flächen und Fussböden sollen sich Mohair-Farbwalzen sehr gut eignen. Die Tonet AG in Dulliken SO empfiehlt auch besonders den «Florfix» der Wetrok AG in Kloten ZH. Mit diesem wird das Öl vor allem auf dem Parkett verteilt und ausgezogen, wie alternativ auch mit dem Lippenschaber. Der «Florfix»-Bezug kann laut Hersteller nach Gebrauch ausgewaschen und wiederverwendet werden.

In der Industrie wird, vor allem bei der Parkettherstellung, das Öl im Walzverfahren aufgetragen. Verschiedene Produkte von Adler, Renner – die von Tonet angeboten werden – oder Votteler lassen sich auch mit der Spritzpistole auftragen. Die Firma Votteler weist einerseits auf einen grossen Spritzverlust hin und betont andererseits, dass keine Öle, die selbstentzündlich sind, gespritzt werden sollen, da sich der Nebel des Öls in den Absaugfiltern ansammelt.

Überschüssiges Öl wird mit einem Lappen, dem Lippenschaber (Fensterabzieher) oder dem «Florfix» abgenommen, bevor die Beschichtung mit einem Tuch oder allenfalls mit einem feinen Schleifpad einmassiert wird. Auf keinen Fall unterschätzt werden darf die Selbstentzündlichkeit verschiedener Öle. Lappen, Schwämme, Rollen und dergleichen müssen nach dem Gebrauch kontaktfrei getrocknet oder unter Wasser aufbewahrt werden. Schwämme sollten im Freien getrocknet werden, da sie von innen verkohlen.

www.votteler.chwww.thymos.chwww.adler-lacke.comwww.tonet.chwww.wetrok.ch

Andreas Brinkmann

Veröffentlichung: 08. Januar 2026 / Ausgabe 1-2/2026

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