Ein Stück Decke bestellen per Whatsapp


Sichtbares Holz in den Büroräumen war eine Vorgabe der Bauherrschaft des Holzhochhauses. Bild: Erne


Sichtbares Holz in den Büroräumen war eine Vorgabe der Bauherrschaft des Holzhochhauses. Bild: Erne
Holzhochhaus. Die Elementbauweise stellt den Bauprozess auf den Kopf. Der Polier bestellt das Material kurzfristig direkt beim Chauffeur. Dieser organisiert seine Lieferung. Wie Erne Holzbau den Planungs- und Bauprozess des Holzhochhauses in Rotkreuz koordiniert.
In der Spitze des Suurstoffi-Areals im zugerischen Rotkreuz ist am Holzhochhaus von Burkard Meyer Architekten der Finish im Gange. Schlagzeilen wie «36 Meter in 4 Monaten» gingen durch die Presse (SZ 40/2017). Der Faktor Zeit wird immer wichtiger und fordert Alternativen zum jahrhundertelang bewährten Bau- und Produktionsablauf. Kürzere Bauzeiten sind das stichhaltige Argument für die Elementbauweise und den modularen Bau. Was macht die rasche Errichtung auf dem Bauplatz möglich?
Wenn in drei Monaten ein zehnstöckiges Gebäude errichtet werden soll, muss der gesamte Ablauf vom Start bis ins Ziel durchkomponiert sein und gleicht damit einem Stafettenlauf mit mehreren Beteiligten. Einer der Stabträger war Erne Holzbau in Laufenburg AG. Patrick Suter, verantwortlich für Systembau und Modultechnologie bei Erne, erklärt, dass der Sprint so gut gelaufen sei, weil sie einen grossen Teil der Strecke ohne Übergabe absolvieren konnten. Erne schnürte ein respektables Auftragspaket: Zum Holzbauingenieur addierten sich die örtliche Bauleitung, die Baumeisterarbeiten und die Fenster. So konnte der betonierte Treppen- und Liftkern parallel zur Montage der Holzbauelemente hochgezogen werden, die Bauarbeiter switchten also hin und her zwischen Betonier- und Holzbauarbeiten. Zudem lag die Verantwortung für eine dichte Gebäudehülle bei einem Unternehmer.
Die Bauteile kamen fertig bearbeitet auf die Baustelle: Aussenwände, Stützen und Träger aus Holz und die Holz-Beton-Verbunddecken. Diese Elemente sind das Herzstück des Prozesses. An den bis zu 2,60 × 8 Meter grossen Teilen entwickelte Erne so lange, bis Statik, Leitungen, Brandschutz, Schallschutz und Architektur stimmten. Proof of Concept nennt sich die Vorgehensweise, wenn ein Gebäudeteil durchkomponiert wird, bis es zur Vervielfältigung taugt. Mit der Umsetzung am Computer fand das Planerteam die neuralgischen Punkte, Leitungsführungen und Verbindungen, die dann im 3D-Modell gelöst wurden.
Mit der Ausarbeitung des Holz-Beton-Verbundelementes auf dem Schreibtisch und der Vorfabrikation unter kontrollierten Bedingungen in der Werkhalle erübrigt sich auf dem Bau ein grosser Teil der Arbeiten: Stützen stellen, schalen, armieren, Leitungen einlegen, Abnahme der Spezialisten, betonieren, warten ...
Das heisst, die Arbeiten werden in Ernes Halle in Laufenburg vorgezogen. Die Deckenelemente bestehen aus einem Brettschichtholzträger, verbunden mit einer 12 Zentimeter dicken Betondecke: Das entspricht gerade der Masse, die notwendig ist, damit die Räume thermisch kontrolliert werden können. 12 Zentimeter Beton können tagsüber durch warme Luft erwärmt werden, und in der Nacht kühlt die Raumluft wieder ab.
Mit dem System «Suprafloor Ecoboost» konnte Erne drei Faktoren unter einen Hut bringen: die Deckenstärke, die Kosten und die thermische Nutzung der Gebäudemasse. Die tragende Betonplatte wirkt mit den Holzträgern im Verbund, das Holz bleibt von unten sichtbar, und der 1,22 Meter breite Hohlraum wird für die Leitungsführung genutzt. Die Verkleidungen (Segel) sind akustisch wirksam, sodass in den Büros die Nachhallzeit minimiert wird. Die Luft wird in die Schlitze neben der Deckenverkleidung gesogen, wo sie im Hohlraum unter dem Beton abkühlt, sich ins Kühlelement senkt und danach durch winzige Löcher im Deckensegel wieder austritt.
Im Hohlraum geschieht also ohne Ventilator ein Luftwechsel, pro Stunde 100 Mal. Dies ermöglicht eine optimale thermische Behaglichkeit bei minimalen Investitionskosten – so können durch die Nutzung der Gebäudemasse zum Beispiel Kälteerzeugungsanlagen rund 30 Prozent geringer ausgelegt werden – und im Betrieb werden erst noch Energie und CO2 eingespart.
Solche Elemente zu versetzen, verändert den Bauprozess. «Pull»-Verfahren ist das Schlagwort. Das «ziehende» Verfahren gibt den Takt an, und zwar in Halbtagen und per Whatsapp. Der Blick der Poliere und Bauleiter geht zum unmittelbar Bevorstehenden: Welches Bauteil brauche ich heute und morgen? Wer liefert mir das Element vor Ort? Nur so – also quasi von der Hand in den Mund – war das ambitiöse Ziel erreichbar, zehn Geschosse in drei Monaten zu bauen. Toleranz gibt es auch in der Ausführung praktisch nicht. Sie liegt im Millimeterbereich. «Der Schlüssel eines solchen Systems ist die Zusammenarbeit zwischen Planung und Ausführung», sagt Patrick Suter. So konnte ein komplettes Geschoss in zehn Tagen erstellt werden.
Das Bürohochhaus Suurstoffi 22 bildet den Abschluss auf dem Areal in Risch-Rotkreuz. Mit zehn Geschossen ist dieser Bau das erste Hochhaus in Holzbauweise in der Schweiz. Es ist 36 Meter hoch und in einer Holz- Beton-Verbundkonstruktion erstellt. Wichtige Voraussetzung für den Bau des Hochhauses war die Inkraftsetzung der seit 2015 gültigen Brandschutzvorschriften VKF (Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen), die unter gewissen Voraussetzungen Holzbauten als Standardkonzept zulassen. Am südlichen Arealabschluss entsteht gerade das nächste 16-geschossige Holzhochhaus, es ist 60 Meter hoch. Es wird ebenfalls mit dem Bausystem Suprafloor Ecoboost realisiert.
www.erne.chwww.burkardmeyer.chwww.modulart.ch
Adresse: Suurstoffi 22, Rotkreuz
Bauherrin: Zug Estates AG
Architekt und Generalplaner: Burkard Meyer Architekten BSA, Baden
Systementwicklung, Holzbauingenieur und Holzbauunternehmer: Erne AG Holzbau, Laufenburg
Fläche: 17 900 m2
Geschosse: Tiefgarage, EG Restaurant, 9 Obergeschosse
Realisierung: Feb. 2017 bis Mai 2018
Bausumme: ca. 55 Mio. Fr.
Veröffentlichung: 17. Mai 2018 / Ausgabe 20/2018
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