Flex SD 7-320 4: Ein Akku aus der Hosentasche

Hier ist der elektrische Schraubendreher perfekt: beim Montieren von Stuhlwinkeln. Bild: Christian Härtel

Ganz ehrlich: Am Anfang dachte ich, mein Redaktionskollege scherzt, als er den elektrischen Schraubendreher von Flex für einen Praxistest vorgeschlagen hat. Entdeckt hatte er das Werkzeug an der Messe Holz-Handwerk in Nürnberg. Ein Akku-Schrauber mit 4 Volt und einem Preis von unter 50 Euro. Ich war ziemlich skeptisch, aber auch neugierig.

Kurzerhand habe ich den E-Schrauber von Flex geordert, und als ich ihn hatte, fiel er sogleich einem anderen Kollegen ins Auge und in die Hände. Bei der Erstellung von Gutachten muss der Technik-Kollege oft Beschläge demontieren und hat an seinem Gürtel deshalb so manches Werkzeug parat. Ein Akku-Schrauber für die Hosentasche schien dabei perfekt für ihn. Das Ende vom Lied: Ich hatte Mühe, das Werkzeug zurückzubekommen, und dachte mir, vielleicht ist ja doch was dran und man kann den Schrauber sinnvoll einsetzen. Also habe ich den SD 7-320 4 als zweites, verbessertes Modell des Typs genauer unter die Lupe genommen und gängige Arbeiten ausgeführt.

Besser als gedacht

Mein erster Eindruck mit dem stabförmigen Schrauber in der Hand war, dass der Bedienschalter zu weit hinten sitzt. Wenn man das Werkzeug mit der Hand umfasst, dann stimmt das auch. Später zeigte sich jedoch, dass die Handhaltung beim Arbeiten meist eine andere ist. Entweder die Bedienhand rutscht bei waagrechter Nutzung weiter zurück, sodass der Handballen etwas Druck in Richtung der Schraubachse ausüben kann, oder man greift sowieso um, wenn das Werkzeug lotrecht steht, und der Daumen kommt dann gut in den Bereich des Schalters. Der Totmann-Schalter mit Rechts- und Linkslauf ist richtig platziert und mein erstes Vorurteil damit bereits entkräftet.

Skeptisch war ich auch aufgrund der Leistungsdaten. Ein Schrauber mit 4 Volt, wenn man bedenkt, in welcher Leistungsklasse akkubetriebene Werkzeuge aktuell unterwegs sind. Weshalb die alles entscheidende Frage war: Was schafft der elektrifizierte Schraubendreher?

Der Zwerg hat sieben Drehmomentstufen

Neben sechs Drehmomentstufen hat der Akku-Schraubendreher auch eine maximale Stufe zum Bohren.

Um einen Eindruck zu bekommen, was möglich ist, habe ich unterschiedlich lange Schrauben ausgewählt und diese ohne Vorbohren in dicht gewachsenes Tannenholz eingedreht. Dabei zeigte die geringe Leistung relativ schnell die Grenzen auf. Aber immerhin: Der Schrauber bringt eine 4 × 40 mm Schraube ohne Vorbohren ins feste Nadelholz. Beim Versuch, eine 4,5-×-60-mm Schraube einzudrehen, scheitert der Schrauber auf halbem Wege. Richtigerweise muss man das weiche und harte Drehmoment unterscheiden. Ersteres liegt bei 5 Nm und beschreibt die Kraft, mit der ein ansteigender Widerstand bewältigt wird. Also Schraube ansetzen und eindrehen. Zuerst geht es leicht und dann wird es immer schwerer.

Das harte Drehmoment beschreibt die maximale Kraft, die der Akku-Schrauber bei einem abrupten Stopp aufbringen kann. Wenn also die Schraube schon fest sitzt, kommt das harte Drehmoment ins Spiel, weshalb sich das Werkzeug mit einem harten Drehmoment von 3,5 Nm bei bereits im Holz angesetzten grossen Schrauben aufgrund der sofort nötigen Kraft schwerer tut.

Wenn der Schrauber zu schwach ist, blockiert die Spindel. Dann kann von Hand weitergedreht werden. Auch beim Bohren spielen die beiden Angaben eine wichtige Rolle. Bei grossen Durchmessern wie etwa mit einem Forstnerbohrer braucht es ein hohes hartes Drehmoment, damit der Bohrer nicht stoppt, weshalb der elektrische Schraubendreher dafür nicht geeignet ist. Dagegen bohrt das Gerät mit einem im Test wenig schnittigen 4-mm-Bohrer Loch für Loch mit stoischer Gelassenheit. Je schnittiger und grösser der Bohrerdurchmesser, desto weniger ist der Schrauber geeignet.

Beim Bohren ist ausserdem die Drehzahl eine entscheidende Grösse. Mit 320 U/min ist das Bohren generell ein gemächlicher Vorgang, zudem braucht es die ¼-Bit-Aufnahme. Das Bohren ist damit wohl eher die Ausnahme und beschränkt sich auf kleine Durchmesser, was aber an schwer zugänglichen Stellen durchaus einmal relevant werden kann.

Zeit hat man

Das Werkzeug war bei Anlieferung geladen, wenngleich nicht ganz voll, und ich habe gestaunt, wie lange ich schrauben und bohren kann, bis der Akku platt ist. Im Gegensatz zum Ladevorgang lässt sich die abgegebene Leistung nur aufwendig messen. Als der Akku nicht mehr wollte, habe ich die Zeit beim Laden gestoppt. Von ganz leer bis 100 % Ladung hat es dann erstaunlich lange gedauert, nämlich rund 150 Minuten. Allerdings hat die Anzeige schon nach etwa 60 Minuten optisch mit drei von drei grün leuchtenden LEDs eine volle Ladung angezeigt, was laut Bedienanleitung ab einer erreichten Ladekapazität von 70 % geschieht. Um die restlichen 30 % zu laden, braucht es viel Zeit.

Plus zehn Sekunden

Gegenüber dem Vorgängermodell hat der SD 7-320 4 einen LED-Ring direkt hinter dem Schnell-Bithalter platziert. Das verbessert die Sicht auf das Geschehen bei der Arbeit in dunklen Ecken wie etwa an Beschlägen im Korpus. Durchdacht ist, dass die Beleuchtung auch nach dem Drehstopp noch zehn Sekunden aktiv bleibt. So kann man sich über den Sitz der Schraube noch vergewissern, was schon fast ein intuitives Verhalten ist. Längst nicht jedes grosse Modell hat das zu bieten. Damit sind wir bei einer weiteren möglichen Anwendung: der Montage und Demontage von Beschlägen. Denn durch die schlanke Bauform kann man selbst in bestückten Schränken noch ans Topfband ran, wo ein grosser Akku dann schon ein Ausräumen des Schrankes bedingen würde.

Aber das ganze Prozedere findet seine Grenzen dort, wo gefühlvolles Justieren gefragt ist, also bei den Stellschrauben zum Ausrichten eines Topfbandes oder Ähnlichem.

Zwar dreht der Schrauber mit gemächlichen 320 U/min, was per se zu einer guten Beherrschbarkeit führt, doch hat der Schalter keine elektronische Drehzahlregelung, die ein stufenloses «Gasgeben» beim Schrauben ermöglicht. Der elektrische Schraubendreher ist entweder an und dreht, oder er steht.

Fazit

Der Flex SD 7-320 4 bringt mehr, als ich ihm zugetraut habe. Die 4-×-40-mm-Schraube schafft er ohne Vorbohren in festes Tannenholz, von Hand wird es spätestens nach ein paar Exemplaren davon anstrengend. Und so muss man das Werkzeug wohl auch begreifen: als elektrische Hilfe bei Schrauben, die man sonst von Hand eindrehen würde, wie beim Anbringen von Stuhlwinkeln. Wenn man die Drehzahl über den Schalter modulieren könnte, würden für den Schreiner weitere Einsatzbereiche hinzukommen. So bleibt trotz der Annäherung die Zahl der Anwendungen überschaubar.

www.flex-tools.com

christian Härtel

Veröffentlichung: 22. Oktober 2026 / Ausgabe 43/2026

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