Formgebendes Schleifen


Das Bearbeiten des Skis wird möglich durch die Bewegung des Schleifaggregats in der Z-Achse. Bild: Kündig AG


Das Bearbeiten des Skis wird möglich durch die Bewegung des Schleifaggregats in der Z-Achse. Bild: Kündig AG
PaidPost. In der Ski-Industrie ist formgebendes Schleifen mit der CNC-Breitband-Schleifmaschine längst etabliert. Mit den Anlagen des Schweizer Präzisions-Schleifmaschinenherstellers Kündig wären auch Anwendungen bei geformten Fertigteilen im Möbelbereich möglich.
Die Wiederholgenauigkeit im Hundertstelbereich sei der Vorteil von CNC-Schleifmaschinen, sagt Marcel Brunner. In der Snowboardcross-Herstellerszene hat er einen guten Ruf. Olympiasieger, Weltmeister und Weltcupsieger fahren mit den Boards der kleinen helvetischen Manufaktur Oxess von Sieg zu Sieg: «2006 sind die Athleten bei der Olympiade in Turin noch mit Serienmaterial angetreten. Heute geht es im Snowboardcross deutlich professioneller zu. Die Spitzenleute fahren wie Skirennläufer massgefertigtes Material.»
Für schnelle Skier oder Snowboards sei die Form des Kerns entscheidend: «Hier können Zehntelmillimeter über Zehntelsekunden entscheiden», erklärt er. «Es gibt keine zwei Rennläufer, welche dieselbe Geometrie fahren wollen. Wiederholbare, individuelle Anpassungen sind aber erst durch die CNC-Schleiftechnik von Kündig überhaupt möglich geworden. Eine durch Siege bewährte Geometrie lässt sich mit ihr immer wieder exakt reproduzieren.» Der Kern der Oxess-Snowboards besteht aus schichtverleimtem Buchen- und Pappelholz. Die verleimten und mit einer Taillierung versehenen Kerne erhalten ihre dreidimensionale Form auf einer CNC-gesteuerten Breitbandschleifmaschine von Kündig.
Der Schweizer Präzisions-Schleifmaschinenhersteller Kündig aus Wetzikon beschäftige sich schon geraume Zeit mit dieser Technologie, erzählt Chefkonstrukteur Stephan Kündig: «Die ersten CNC-Schleifmaschinen haben wir bereits in den 1990er-Jahren konstruiert und gebaut.» Mit einer herkömmlichen Breitband-Schleifmaschine habe die Kündig Technic nur wenig gemeinsam, sagt er. «Das Schleifaggregat kann während des Schleifvorganges in der Z-Achse bewegt werden. Wir formen mit der CNC-Schleifmaschine aus einem flachen Brett den Kern für Skier und Snowboards mit dickerem Mittelteil und dünnerem Ende.»
Ein Vakuumvorschubband sorgt für eine sichere Aufspannung des Werkstücks: «Die Schleifmaschine ist zu beeindruckenden Zerspanungsleistungen fähig – bis zu 16 mm sind möglich.» Der dafür nötige, konstruktive Aufwand ist bemerkenswert. Die Aggregatführungen im Maschinenbett sind fast raumhoch. Das eigentliche Schleifaggregat wird an ihnen mit Kugelumlauf-Spindelgetrieben dynamisch auf und ab bewegt. Auf diese Weise könne der Winkelfehler genauer justiert werden, was sich dann in höherer Schleifpräzision äussere, erläutert Kündig. «So können wir weite Radien mit recht hohen Vorschüben exakt formen. Dadurch eignet sich unsere CNC-Schleiftechnik auch für die Grossserienproduktion.» Der kleinstmögliche Schleifradius hängt von der gewählten Schleifwalze ab. Eine wichtige Rolle komme auch der Steuerungssoftware zu: «Wir legen viel Wert auf Benutzerfreundlichkeit. Von den komplexen Vorgängen im Hintergrund soll der Anwender möglichst wenig merken.» Man muss wohl kaum anmerken, dass auch die Software das Ergebnis langjähriger Entwicklungsarbeit ist.
Dem formgebenden Schleifen attestiert Marcel Brunner Zukunft: «Materialien wie Kohlefasern, Schäume oder Honeycomb-Strukturen widersetzten sich bisher erfolgreich einer Fräsbearbeitung. Ihre Verwendung wurde erst durch die formgebende Schleiftechnologie von Kündig möglich, weshalb sich die namhaften Grossserienhersteller ihrer heute verstärkt bedienen», weiss er aus seiner Branche. Der gelernte Schreiner sieht aber auch Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Möbelherstellung: «Die heute nachgefragten, dreidimensionalen Möbelfronten könnte man mit der Kündig-CNC-Schleifmaschine wahrscheinlich schneller und effizienter herstellen, weil die bei Querholz problematischen Fräsvorgänge und das zeitraubende Schleifen mit Handmaschinen entfallen könnten», meint er. Technisch wäre das denkbar, bestätigt Stephan Kündig: «Mit mehreren Aggregaten könnte man Teile formen und in einem Durchlauf bis zur fertigen Oberfläche fein schleifen.»
Die Baureihe Kündig Technic bezeichnet übrigens nicht nur die CNC-Schleifmaschine, sondern umfasst zahlreiche modulare Lösungen für die individuellen Anforderungen von Betrieben aus Handwerk und Industrie. Die Abstimmung auf unterschiedliche Materialien wie Holz, Kunststoff und sogar Glas, Exklusivschleifverfahren wie die CNC- oder die Diagonalschleiftechnik und spezielle Anforderungen wie ein verzögerungsfreier Wechsel zwischen Längs- und Querschliff in Linienfertigung mit Losgrösse 1 können damit kosteneffizient realisiert werden.
Veröffentlichung: 04. April 2021 / Ausgabe 11/2021
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