Her mit der Kohle

Die Kohleschicht vom Flammen schützt das darunter liegende Holz. Bild: Ennobled

Flammen.  Durch gezielte Verkohlung der Oberfläche wird Holz geschützt und veredelt. Der Artikel ordnet Technik und Wirkung ein, stellt zwei Bauprojekte vor und beleuchtet den architektonischen Einsatz anhand von Gesprächen mit zwei Architekten.

Holz bewusst verbrennen? Was im ersten Moment absurd klingt, hat durchaus seine Berechtigung. Das wussten schon die Pfahlbauer, die die Technik erstmals anwendeten, um Holz beständiger zu machen. Auch die Römer und Wikinger setzten karbonisiertes Holz beim Schiff- und Hüttenbau ein – die Methode ist also nicht neu.

Brand brachte Erkenntnisse

In Japan wird Holz seit dem 17. Jahrhundert auf diese Weise behandelt. Der Legende nach fand man die positiven Eigenschaften von karbonisiertem Holz im 8. Jahrhundert nach dem Brand eines japanischen Tempels heraus, als dessen verkohlte Balken wasserabweisend geworden waren. Zudem wurde entdeckt, dass Häuser, die einem Brand zum Opfer gefallen waren, aber nicht vollständig zerstört wurden, bei einem weiteren Brand deutlich resistenter gegen Feuer waren. Auf Basis dieser Erkenntnis entwickelten Handwerker die Technik «Yakisugi», was wörtlich übersetzt «verkohlte Zeder» heisst.

Dazu wird traditionell die Sicheltanne – auch als japanische Zeder bekannt – eingesetzt. Im Westen Japans ist das Verfahren unter dem Namen «Shou Sugi Ban» bekannt. Umgangssprachlich spricht man dort von «Seidenholz» wegen des dezenten, seidigen Glanzes der Oberfläche.

Gekonntes Spiel mit dem Feuer

Dabei wird Holz gezielt beflammt, nicht zerstört. Das Verfahren dient der Veredelung und Konservierung und verbessert die Materialeigenschaften messbar. Wichtig ist die Abgrenzung zum verbrannten Holz. Bei der Karbonisierung wird ausschliesslich die Oberfläche verkohlt. Die klassische Yakisugi-Technik ist simpel und effektiv: Jeweils drei Bretter werden zu einem Dreieck zusammengebunden. Dann wird der Hohlraum mit einem natürlichen Brennstoff wie Papier gefüllt. Im nächsten Schritt entzündet man das Papier und stellt das Bündel auf. Bedingt durch den Kamineffekt fressen sich die Flammen nach oben und brennen die Oberfläche wenige Millimeter tief gleichmässig an. Wie lange das Holz beflammt wird, entscheidet das Auge und viel Erfahrung. Das kann Sekunden dauern oder mehrere Minuten. Zum Schluss wird mit Wasser abgelöscht. Durch anschliessendes Bürsten entsteht der typische, seidige Glanz. Im Gegensatz zum klassischen, vertikalen Brennverfahren erfolgt die industrielle Karbonisierung in einem automatisierten Prozess. Dabei werden mehrere Holzelemente horizontal angeordnet und maschinell oder von Hand mit der Gasflamme beflammt. Diese Variante unterscheidet sich deutlich vom traditionellen japanischen Verfahren, gilt aufgrund des Einsatzes fossiler Brennstoffe als weniger umwelt- und klimaverträglich und weist überdies eine dünnere Kohleschicht auf.

Natürlicher Schutzschild

Das gezielte Flammen des Holzes verbrennt dabei die Zellulose, die Holzzellen verdichten und die Poren schliessen sich, wodurch das Material dauerhaft konserviert wird. Durch die Behandlung wird es nicht nur widerstandsfähiger gegenüber Feuer und Wasser, auch Schimmel, Insekten und Witterung können dem Werkstoff weniger anhaben. Besonders deshalb ist Yakisugi für den Aussenbereich interessant: An der harten Oberfläche perlt das Wasser ab, was einen chemischen Holzschutz überflüssig macht, und selbst die Farbe bleibt lange stabil. Ist das karbonisierte Holz erst mal getrocknet, kann es tiefschwarz belassen oder alternativ gebürstet werden. Durch das Abtragen der Russschicht kommt das hellere, strukturierte Holz zum Vorschein. So entsteht ein natürlicher Look von Altholz. Um das Holz vor Abfärben und Auswaschen zu schützen, kann es nach dem Verbrennungsprozess mit Öl oder Wachs nachbehandelt werden.

Breites Einsatzgebiet, selten im Einsatz

Klassisch wird karbonisiertes Holz für Fassaden eingesetzt, aber auch Innenräume lassen sich mit dem Material ausbilden. Das starke Schwarz setzt harte Kontraste zu Beton, Metall oder Glas und funktioniert gut als Gestaltungselement – etwa als Wand- oder Deckenverkleidung.

Anders als in Japan greift man hierzulande nicht auf importierte Zeder zurück, sondern auf heimische Hölzer wie Fichte oder Lärche. Auch modifizierte Hölzer wie Accoya, Kebony oder Thermo-Esche kommen zum Einsatz. Die Zielgruppe ist entsprechend breit gefächert: von Schreinern, Fassadenbauern und Architekten bis zu Holzbaumeistern und privaten Bauherren. In der Schweiz kommt das japanische Verfahren der Oberflächenveredelung bis anhin nur vereinzelt zum Einsatz, obschon die Technik ihre Vorzüge hat und Bauwerke zu einzigartigen Objekten macht. Die Schreinerzeitung stiess bei der Suche auf zwei Objekte, welche im Sinne der traditionellen Methode hergestellt wurden. Im Interview erzählen zwei Architekten über ihre Bauprojekte, weshalb sie sich für die Methode entschieden und wie diese umgesetzt wurden.

michi läuchli

Veröffentlichung: 08. Januar 2026 / Ausgabe 1-2/2026

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