Linien in Bewegung


Elegant schlängelt sich der freistehende Ausbau zwischen Empfang und Mensa durch den Raum. Bild: Kasper AG


Elegant schlängelt sich der freistehende Ausbau zwischen Empfang und Mensa durch den Raum. Bild: Kasper AG
Im Zuge eines Umbaus wurde der Empfangsbereich des Pflegeheims Sonnhalden in Arbon TG durch einen freistehenden, organisch geformten Innenausbau geprägt. Die vom Architekturbüro Frei & Gmünder AG in St.Gallen entwickelte Formgebung mit durchgehenden Radien verband sich mit der von der Bauherrschaft gewünschten Ausführung in Esche. Im 21 Meter langen Baukörper sind Empfang, Garderoben und Nebenräume untergebracht. Die «Amöbe», so die Bezeichnung des Architekten, wurde als selbsttragende Holzkonstruktion in den bestehenden Raum eingesetzt. Sämtliche Bauteile wurden im CAD geplant, konstruiert und direkt an die Fertigung übergeben. «Aufgrund der durchgehenden Rundung war höchste Massgenauigkeit erforderlich, da bereits kleinste Abweichungen dazu geführt hätten, dass die Konstruktion nicht exakt zwischen die bestehenden Anschlusspunkte der Fenster passte», sagt Christian Kasper, Inhaber und Geschäftsführer der Kasper AG Schreinerei Raumgestaltung in Weinfelden TG.
Zur Sicherstellung der Geometrie wurde die gesamte Form mittels Boden- und Deckenschablonen eingemessen und definiert. Diese dienten zugleich als Montagehilfe und teilweise als konstruktive Elemente, etwa die Deckenschablone als Setzholz. «Eine Herausforderung stellten die gerundeten Türen dar, die in die gebogene Form integriert wurden und ein durchgehendes Lamellenbild aufweisen.» Dazu wurden rund gefräste Knaggen doppelseitig mit MDF belegt und anschliessend als Sandwich formverleimt.
Nach dem Setzen der Schablonen wurde die Unterkonstruktion aus zweischaligen Holzrahmen mit Steinwollefüllung montiert. Darauf folgten mehrere Lagen biegsamer MDF-Platten, die aufgeschossen, verspachtelt und anschliessend grau lackiert wurden. Für komplexe Bauteile wie den Empfangsaufsatz kamen eigens gefertigte Pressformen zum Einsatz. Die sichtbare Oberfläche bildet eine Verkleidung aus vertikalen Eschenlamellen. «Eine Verschraubung war nicht möglich, da die Rückseite nicht zugänglich war.» Stattdessen wurden die Lamellen mit dem Einschiebebeschlag «Divario P-18» von Lamello befestigt. Hierfür fertigte die Schreinerei dünne MDF-Bohrschablonen, die aufgespannt werden konnten und ein schnelles, präzises Bohren der Beschlagslöcher ermöglichten.
Dank der Vorfertigung in der Werkstatt waren vor Ort kaum noch Anpassungsarbeiten erforderlich. Vom Einmessen bis zur Fertigstellung dauerte das Projekt rund sechs Wochen. «Die Konstruktion im CAD war relativ aufwendig und zeitintensiv, vieles wurde mittlerweile automatisiert und vereinfacht; vom Fertigungsprozess würden wir es heute wieder gleich machen», sagt Christian Kasper.
Veröffentlichung: 18. Juni 2026 / Ausgabe 25/2026
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