Maschinenbau aus Schreinerhand

Verschraubte Zapfenverbindungen sorgen bei dem Gestell aus bakelisiertem Sperrholz für die nötige Stabilität. Neuste Erweiterung und auf diesem Bild noch nicht zu sehen: ein Sichtfenster in der Staubfangbox. Bild: Sven Bürki

In der Werkstatt mit Sven Bürki.   2017 war Schreinerzeitungs-Fachredaktor Sven Bürki selbst Teilnehmer der World Skills in Abu Dhabi. Auch bei ihm nahm die Tischoberfräse während der vier Wettkampftage eine zentrale Rolle ein. Neun Jahre später leistet sie in der Werkstatt des Möbelschreiner-Weltmeisters immer noch zuverlässig ihren Dienst und hat in der Zwischenzeit das eine oder andere Upgrade erhalten.

Etwas verschämt musste ich mir kürzlich eingestehen, dass ich wohl nochmal einen schnellen Blick in den üK-Ordner werfen sollte, bevor ich mich mal wieder an eine Kehlmaschine stelle. Zumindest die Formel für die Berechnung der Drehzahl würde ich nochmals kurz gegenchecken wollen, bevor ich selbige einstelle. Zu lange habe ich nicht mehr an der Maschine gearbeitet.

Dabei steht bei mir in der Werkstatt seit Jahren eine Tischkreissägen-Kehlmaschinen-Kombination. Genauso lange setzt der demontierbare Kehlanschlag aber auch schon Staub an. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich die Auswahl an verfügbarem Kehlwerkzeug an einem Finger abzählen lässt. Dieses wird besorgt, sobald es gebraucht wird – so der ursprüngliche Plan. Nur, gebraucht wurde es bisher eben nicht wirklich. Und das liegt in erster Linie an einer anderen Maschine, die bei mir in der Werkstatt steht – nämlich meiner Tischoberfräse. Diese begleitet mich nun seit den Vorbereitungen für die World Skills in Abu Dhabi. Sprich, seit rund zehn Jahren. In dieser Zeit habe ich die Maschine stetig optimiert und auch erweitert. So habe ich diesen Winter erst die Staubfangbox überarbeitet, um die Absaugung zu verbessern. Aber dazu später mehr.

 

Kaufen oder selbst machen

Basis der Maschine bildet das Compact Module System (CMS) von Festool. Wobei davon wahrlich nicht mehr so viel zu erkennen ist. Geblieben sind eigentlich nur der Kehlanschlag, die Oberfräse und die originale Höhenverstellung des CMS. Die Grundidee hinter der Eigenkonstruktion war vorwiegend der Wunsch nach einem mechanisch verstellbarem Kehlanschlag und einem grösseren Maschinentisch, als dies das CMS geboten hat. Um diese beiden Wunschparameter herum ist dann Schritt für Schritt der Rest der Maschine entstanden.

Bei den Detaillösungen habe ich mir da und dort Inspiration im Netz geholt. Etwa auf YouTube, wo sich so manches Video zu Eigenbauten von Tischoberfräsen findet, oder bei entsprechenden Produkten verschiedener Hersteller.

Apropos Produkte: Auch vor zehn Jahren gab es diesbezüglich schon eine grosse Auswahl. Aus finanziellen Überlegungen und weil ich bei einigen Details dann doch hätte Kompromisse eingehen müssen, habe ich mich schliesslich dazu entschieden, alles selbst zu konstruieren. Bereut habe ich die Entscheidung bisher nicht. Klar, heute würde ich wohl so einiges anders angehen und vielleicht etwas professioneller umsetzen. Schliesslich hatte ich damals gerade erst meine Ausbildung abgeschlossen. Dennoch bin ich nach wie vor überrascht, wie robust die einzelnen Details und die Maschine als Ganzes sind.

In den zehn Jahren hatte sich einzig beim Kehlanschlag mal eine Madenschraube gelöst, worauf die Gewindestange für die Verstellung des Anschlages nicht mehr gegriffen hat. Mit dem Nachziehen der Madenschraube war das Problem aber auch schon wieder gelöst.

Denkbar einfach

Viel kaputtgehen kann allerdings auch nicht, denn die Konstruktion für die Verstellung des Anschlages ist denkbar einfach. Dieser sitzt auf einer HPL-Platte und ist auf vier Laufleisten (ebenfalls aus HPL) geführt. Eine Gewindestange greift in eine mittig platzierte Gewindehülse und drückt, bzw. zieht den Anschlag in die gewünschte Richtung. Als Fixpunkt dient ein Kugellager, das an der hinteren Kante der Maschine in einer Befestigung aus Sperrholz sitzt. Über zwei Winkelgetriebe sowie eine Welle mit Kardangelenken erfolgt die Kraftübertragung schliesslich zu einem Handrad auf der rechten Seite der Maschine. Somit gestaltet sich die Verstellung des Kehlanschlages kinderleicht. Der Anschlag bewegt sich in die Richtung, in die das Handrad bewegt wird.

Alternative zu Einlegeringen

Ein Detail, das mir damals viel Kopfzerbrechen bereitet hat, war die Öffnung im Maschinentisch. Bei Kehlmaschinen wird diese Öffnung klassischerweise mit Einlegeringen an den Fräserdurchmesser angepasst, und auch bei vielen Tischoberfräsensystemen, unter anderem beim CMS, wird das Detail auf diese Weise gelöst. In diese Lösung setzte ich allerdings nicht sonderlich viel Vertrauen, besonders nicht bei einer Tischöffnung von nur rund 55 mm. Denn Absätze und Höhendifferenzen wollte ich auf dem gesamten Maschinentisch, aber besonders in der Nähe des Fräsers, nach Möglichkeit verhindern. So habe ich mich schliesslich für eine bewegliche Zwischenplatte entschieden. Diese lässt sich in der Tiefe verschieben, womit die Tischöffnung mit einem Handgriff auf den Durchmesser des Fräsers angepasst werden kann.

Vielseitige Einsatzmöglichkeiten

Das Thema Fräser ist übrigens auch ein Grund dafür, dass ich die Oberfräse und Höhenverstellung des CMS übernommen habe. Denn die «OF 2200» von Festool hat mit 2200 W Leistungsaufnahme und dem 12-mm-Spannfutter genügend Power und die richtige Aufnahme für grosse Fräser, was die Einsatzmöglichkeiten der Maschine deutlich erweitert. Und weil sich inzwischen so einige Werkzeuge mit 12-mm-Schaft in meiner Fräserschublade finden, bin ich bisher auch nicht in die Verlegenheit geraten, meine grosse Kehlmaschine richtig einstellen zu müssen.

Die Möglichkeiten meiner Maschine erweitert hat zudem auch der Schiebeschlitten mit Winkelanschlag (Bild Nr. 5). Dieser ist vor etwa drei Jahren hinzugekommen und vereinfacht mir seither besonders das Fräsen von Zapfenverbindungen.

Für den Schiebeschlitten habe ich eine Linearführung auf der Vorderseite der Maschine angebracht. Die HPL-Platte des Schlittens liegt indes direkt auf dem Maschinentisch auf. Diese HPL-Platte mit dem 90°-Winkelanschlag lässt sich einfach demontieren, sodass auch andere Anschlagvarianten eingesetzt werden können. Zum Beispiel ein variabler Doppelanschlag zum Fräsen falscher Gehrungen, der aktuell noch in Arbeit ist.

Thinking inside the Box

Zunächst stand aber erst mal das Optimieren der Absaugung auf dem Programm. Etwa zeitgleich mit dem Schiebeschlitten habe ich damals eine Staubfangbox montiert, da die Absaugung je nach Fräserhöhe und Anschlagposition noch deutlich Luft nach oben hatte. Was einfach klingt, stellte sich dann doch als Herausforderung heraus. Denn diese Box sollte schliesslich die ganze Oberfräse umschliessen, damit die Absaugleistung dort wirken kann, wo sie soll – nämlich bei der Tischöffnung. Das bedeutet dann allerdings auch, dass alle Funktionen der Oberfräse wie Drehzahlverstellung, Arretierung der Säulenführung oder der Spindel im Innern dieser Box zu liegen kommen. So musste ich für jede dieser Funktionen eine Lösung finden, wie sie von aussen bedient werden können, ohne dass zu viel Absaugleistung verloren geht.

Klare Sicht und Zukunftspläne

Das Ergebnis war dann tatsächlich einigermassen zufriedenstellend. Die Absaugleistung konnte ich mit der Box verbessern. Allerdings musste ich feststellen, dass langfaserige Späne (vorwiegend bei stirnseitigen Bearbeitungen) schnell einmal zu einem Spänestau führten. Nicht immer habe ich diesen sofort bemerkt, worauf sich die Staubfangbox mit Spänen gefüllt hat. Dass der Oberfräse dadurch früher oder später die frische Luft zur Kühlung ausgeht, ist natürlich kaum wünschenswert bzw. gar gefährlich. Mit Dreiecken aus Sperrholz (Bild Nr. 9) habe ich nun versucht, die «toten» Stellen in den Ecken der Box zu entschärfen, und das neue Plexiglasfenster auf der Vorderseite der Staubfangbox soll helfen, einen allfälligen erneuten Spänestau frühzeitig zu erkennen.

Ob sich diese Lösung bewährt, muss sich erst noch zeigen. Doch beim Bau meiner Tischoberfräse habe ich insbesondere gemerkt, wie viel Spass mir das Tüfteln an technischen Details und das Konstruieren machen. So ist es auch nicht weiter schlimm, falls ich mir da noch etwas anderes überlegen muss. Ansonsten geistern mir auch schon Pläne für eine andere DIY-Maschine im Kopf herum.

Sven Bürki

Veröffentlichung: 12. Februar 2026 / Ausgabe 7/2026

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