Stromer nehmen langsam Fahrt auf

Wegen verschiedener Systeme ist das Aufladen der Batterien vor allem unterwegs nicht immer einfach. Bild: Michi Läuchli

Elektrofahrzeuge. Trotz Skepsis bei Reichweite, Gewicht und Ladeinfrastruktur setzen immer mehr Betriebe auf Elektrofahrzeuge. Schreinereien setzten vor allem bei Personenwagenvermehrt auf elektrischen Antrieb, aber auch für Lieferwagen sind Stromer eine Alternative.

Die Elektromobilität wächst konstant. Im vergangenen Jahr war jedes fünfte neu zugelassene Fahrzeug in der Schweiz rein elektrisch betrieben. Zählt man die Plug-in-Hybriden hinzu, belaufen sich die Neuzulassungen von Steckerfahrzeugen auf knapp einen Drittel – beeindruckend, wenn man bedenkt, dass der Marktanteil vor zehn Jahren gerade mal 1 % betrug. Parallel dazu verloren übliche Verbrenner an Marktanteilen. Dennoch: Die Schweiz hinkt bei der Wachstumsrate mit der E-Mobilität laut dem Elektromobilitätsverband Swiss eMobility mit 8 % deutlich hinter dem europäischen Durchschnitt von 20 % hinterher.

Bedenken halten sich hartnäckig

Auch wenn Elektroautos immer öfters auf Schweizer Strassen anzutreffen sind, gibt es stets viele, die der Elektromobilität skeptisch gegenüberstehen. Zweifel betreffen vor allem die teilweise noch als unzureichend wahrgenommene Ladeinfrastruktur, die begrenzte Reichweite sowie das durch die Batterie erhöhte Fahrzeuggewicht. Damit sich Elektrofahrzeuge etablieren, muss ein dichtes Netz öffentlicher Ladestationen vorhanden sein, zumal das Laden zu Hause oft mit baulichen oder organisatorischen Hürden verbunden ist. In den vergangenen Jahren wurde hier stark ausgebaut: Ende 2025 standen schweizweit über 17 000 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung. Gerade entlang von Autobahnen werden immer mehr sogenannte Hypercharger installiert. Dank Leistungen von 350 kW und mehr lassen sich die leeren Batterien – je nach Modell – innerhalb von rund 20 Minuten auf etwa 80 % laden, selbstverständlich mit einem entsprechend höheren Strompreis.

Mehrgewicht lässt sich kompensieren

Auch leichte Nutzfahrzeuge mit einem elektrischen Antrieb sind gefragter: Laut Swiss eMobility erreichten im Dezember elektrische Lieferwagen mit 26,5 % Marktanteil einen Rekordwert. Wegen des Batteriegewichts sind Elektrofahrzeuge schwerer als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor. Deswegen hat das Parlament die Motion «Bourgeois» umgesetzt, die seit dem 1. April 2022 gilt. «Um Einbussen bei der Nutzlast zu vermeiden, darf das Mehrgewicht bei Fahrzeugen mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb kompensiert werden: So kann ein Elektrotransporter mit bis zu 4,25 t Gesamtgewicht eine ähnliche Ladekapazität erreichen wie ein 3,5 t Lieferwagen mit Verbrennungsmotor», erklärt Florian Widrig, Gründer der Informationswebsite elektrotransporter.ch und Kundenbetreuer bei der Thomann Nutzfahrzeuge AG in Schmerikon SG.

Betriebe stellen um

Die Schreinerzeitung setzte sich auch vor drei Jahren mit dem Thema der Elektromobilität auseinander und hat im Zuge dessen seinerzeit bei den 30 grössten VSSM-Mitgliederbetrieben nachgefragt, wie sie die Entwicklung einschätzen und ob Elektrofahrzeuge bereits im Einsatz stehen oder geplant sind. Damals stand fest: Die meisten Betriebe hatten benzin- respektive dieselbetriebene Fahrzeuge in ihrem Fuhrpark. Wie sich nach einer erneuten Anfrage herausstellte, hat sich das Bild nach drei Jahren verändert. So setzt inzwischen rund die Hälfte der Firmen zumindest teilweise auf Elektrofahrzeuge – vor allem auf Elektro-Personenwagen.

«Zusammenfassend stehen wir der Elektromobilität sehr positiv gegenüber. Wir haben bereits gute Erfahrungen gemacht und sehen insbesondere für regionale und planbare Einsatzbereiche grosses Potenzial für den weiteren Ausbau», sagt Norbert Rieger, Marketingleiter der Huber Fenster AG in Herisau AR. Bei der Firma stehen fünf Elektro-Pkw im Einsatz, der Strom stammt aus der hauseigenen PV-Anlage. Grenzen sieht Rieger unter anderem bei überregionalen Fahrten und Montagefahrzeugen, bedingt durch das bereits hohe Eigengewicht. Auch die Obrist interior AG in Inwil LU setzt beim Laden der E-Autos auf die interne PV-Anlage: «Wir fördern den Elektroverkehr, indem wir unseren Mitarbeitenden acht E-Ladesäulen zum Laden ihrer Privatautos zur Verfügung stellen, welche rege genutzt werden», sagt Dominique Studerus, Leiter Unternehmensentwicklung. Und bei der Killer Interior AG in Lupfig AG steht seit dem vergangenen Sommer erstmals ein 3,5-t-Nutzfahrzeug im Einsatz. Zuerst wolle man damit Erfahrungen sammeln und aufgrund der Erkenntnisse weitere Anschaffungen prüfen, heisst es auf Anfrage. Zwei Schreinerbetriebe, die vor drei Jahren Elektrotransporter angeschafft und damals im Rahmen des Artikels darüber berichtet hatten, schildern in den folgenden beiden Interviews ihre Erfahrungen.

www.swiss-emobility.chwww.elektrotransporter.chwww.huberfenster.chwww.obrist-interior.chwww.killer.ch

Michi Läuchli

Veröffentlichung: 05. März 2026 / Ausgabe 10/2026

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