Viele gehen kurz darauf schnuppern

Felix Brühwiler (r.) erklärt den Schülern aus Appenzell den Umgang mit Holzöl. Bild: Martin Minder

Sektion Appenzell.  Die Berufstage der Schreiner und Zimmerleute im Appenzellerland bleiben nicht ohne Folgen: Viele Schülerinnen und Schüler kümmern sich kurz nach dem Anlass um eine Schnupperlehre und damit um eine der wichtigsten Fragen für ihre Zukunft.

Rund 230 Mädchen und Knaben aus 16 Schulen des Appenzellerlandes besuchen derzeit die Berufstage der Schreiner und Zimmerleute. An der Holzfachschule in Teufen können sie selbst Hand anlegen und das Element Holz spüren. Dazu erfahren sie das Wichtigste über die hölzigen Berufe, aber auch wertvolle Tipps für den Bewerbungsprozess allgemein.

«Wie in einem Bienenhaus» sei es, meint der Leiter der Appenzeller Holzfachschule Thomas Meier, als sich über 60 Mädchen und Knaben in Teufen einfinden. Während er im Theorieraum den Teilnehmenden aus Herisau den Schreinerberuf erläutert und Fragen zum Bewerbungsprozess beantwortet, leitet sein Mitarbeiter Felix Brühwiler die Schüler der Realschule Appenzell bei der praktischen Arbeit an: «Schaut genau hin, wie ich es mache. So verschmiert ihr beim Ölen weder Hände noch Kleider, wofür ihr und eure Eltern später froh seid.»

Einblicke ins Berufsleben

Das Ölen der Bilderrahmen ist fast der letzte Arbeitsschritt, danach heisst es, zügig die Werkbank aufräumen, «damit wir zeitig nach Hause gehen können». Sauber arbeiten, den Arbeitsplatz aufräumen oder den Feierabend nicht an der Schulglocke, sondern am fertigen Arbeitsstück ausrichten: Das sind alles Selbstverständlichkeiten eines Handwerkerberufs, die den Schülern in Teufen vermittelt werden.

Start des Berufswahlprozesses

Wie viel davon bewusst oder unbewusst aufgenommen wird, ist von Klasse zu Klasse und von Person zu Person unterschiedlich. Bei den einen oder anderen wird auch einiges schnell wieder vergessen sein, denn es ist ein voller Arbeitstag in Teufen; viele Informationen, langes Stehen, Maschinenlärm und neue Eindrücke. Und doch hinterlässt der Berufstag seine Spuren, wie Benedict Schawalder von der Sekundarschule Herisau weiss: «Das Resultat ist, dass viele kurz nach den Berufstagen schnuppern gehen, egal ob in einem hölzigen Betrieb oder anderswo. Und auch Ehemalige berichten regelmässig, dass die Berufstage ein erster wichtiger Anlass im Berufswahlprozess dargestellt hätten.»

Weniger Handfertigkeit

Mit der Mischung von Theorie und Praxis sei es ein super Angebot, sagt Schawalder, gerade auch für die Schüler der ersten Oberstufe, mit denen er regelmässig an den Berufstagen der Hölzigen teilnimmt. Denn die Erstklässler seien zugänglicher für die praktischen Arbeiten, während ein ganzer Tag Theorie sie überfordern würde. Zudem würden Mädchen und Knaben heute in ihrem Alltag viel weniger mit handwerklichen Arbeiten in Berührung kommen als früher. Die Handfertigkeit habe im Durchschnitt klar abgenommen, und so sei der Besuch bei den Schreinern und Zimmerleuten für viele eine ganz neue Erfahrung.

Clemens Fässler, VSSM Appenzell

Veröffentlichung: 23. Januar 2025 / Ausgabe 4/2025

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