Von Computerfreaks und Prüfungsbetrug

Archivbild: VSSM

75 Jahre Bürgenstock.  Auch Schreiner verrichten Büroarbeit, und so ist die EDV in den Beruf eingezogen. Schnell schritt die Entwicklung voran, und mit ihr das Kursangebot auf dem Bürgenstock. Heute stellt sich die Frage, wie man mit dem Internet an Prüfungen umgehen soll.

Schreiner taten sich schwer mit dem Gedanken, in ihrem Unternehmen einen Computer einzusetzen. Für Rechnungen und Offerten hatte man ja eine Schreibmaschine, für die Kalkulation Preisbücher und Formulare.

Ende der 1970er-Jahre begannen einige innovative Schreiner, eigene Programme zu entwickeln, die ihnen den Alltag erleichtern sollten. Computer hatten damals 64 KB oder 128 KB Arbeitsspeicher und keine Harddisk. Die Daten wurden auf Musikkassetten gespeichert und abgerufen. Bald waren aber grössere Speicher und schnellere Prozessoren auf dem Markt erhältlich, was das Entwickeln von Programmen enorm beschleunigte. Die Programme dieser Schreiner wurden immer aufwendiger, und nur wenige überstanden die nächsten Jahre.

Computer hin und her transportiert

Der VSSM startete 1984 mit einer Branchenlösung «EDV für Schreiner». Dazu fanden erste Kurse im VSSM-Sekretariat in Zürich statt und kurz darauf auch auf dem Bürgenstock und an weiteren Stützpunkten. Kursleiter war Linus Schweizer, Schreinermeister und Computerfreak. Die Hardware, bestehend aus fünf Computern und einem Nadel-Drucker, war dermassen teuer, dass sie, um Kosten zu sparen, jeweils von Zürich auf den Bürgenstock und wieder zurück nach Zürich gezügelt wurde.

1988 wurde dann die erste, eigene Anlage auf dem Bürgenstock installiert. Laufend kamen neue Schulungen dazu. Dann ging es Schlag auf Schlag: Nebst der Branchensoftware wurden auch Word und Excel geschult. Ab dem Jahr 1991 kam das Kon- struieren und Werkzeichnen mit AutoCad dazu. Gleichzeitig wurde im Bildungszentrum auf dem Bürgenstock ein Netzwerk aufgebaut und ein neuer EDV-Schulungsraum eingerichtet.

Internet bringt hohes Betrugsrisiko

Parallel zur Entwicklung im Unterricht tauchte bald die Frage nach der Anwendung von Computern an den eidgenössischen Prüfungen auf. Sollen Computer eingesetzt werden dürfen, und wenn ja, für welche Fächer? Als der VSSM beim Bundesamt für Bildung und Technologie eine Anfrage bezüglich Einsatz von EDV an eidgenössischen Prüfungen stellte, hiess es, man solle noch zehn Jahre warten. Im Jahre 2000 war es dann so weit: Alle Hilfsmittel waren erlaubt! Ab sofort konnte die EDV in allen Fachgebieten eingesetzt werden.

Mit dem Internet und den schnellen Übertragungsraten erhöhte sich in der Folge das Betrugsrisiko an den Prüfun- gen massiv. Heute beschäftigen sich die Schreiner-Experten mit den Vor- und Nachteilen einer völligen Internet- Freigabe an Prüfungen. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht.

RR

Veröffentlichung: 21. November 2019 / Ausgabe 47/2019

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