Wellen aus Holz

Die extravagante Wandverkleidung lässt sich im Mittelbereich dank ausgeklügelter Technik aufschieben. Bild: Kunz Schreinerei AG

 

Für den Innenausbau einer Eigentumswohnung am Pfäffikersee ZH realisierte die Kunz Schreinerei AG in Frauenfeld TG massgefertigte Möbel. Dabei wurde die ursprünglich zentral im Wohnraum platzierte Designküche entfernt und in einen rückwärtigen Bereich verlegt. Im dadurch vergrösserten Wohnraum wurden im linken Bereich eine Wandverkleidung, im rechten Bereich ein Sideboard (wie es vom Planer genannt wird) jeweils raumhoch als prägende Gestaltungselemente platziert.

Wasserspiel als Vorlage

Auffallend sind dabei deren wellenförmig geschlitzte Fronten, die sich netzartig über die zwei Raumkörper ziehen. Sie gehen auf die Idee des zuständigen Architekten und Gestalters Max Dell’Ava der Dax Architektur in Zürich zurück. «Inspiriert von den Bewegungen des nahe gelegenen Sees sollten sich dessen Wellen im Möbel widerspiegeln», erklärt Simon Biegger, Inhaber und Geschäftsführer der Kunz Schreinerei und zuständiger Projektplaner. Um die Machbarkeit zu prüfen, entwickelte die Schreinerei zunächst einen Prototyp. Schliesslich fiel die Wahl auf das patentierte Fabrikat Dukta, das sich durch ein spezielles Einschneideverfahren flexibel verformen lässt und dadurch vielfältig geschwungene Formen ermöglicht.

Die grösste Herausforderung sei gewesen, die acht Millimeter starken Fronten aus MDF-furniertem Dukta nicht nur als gestalterisches Element, sondern im Mittelbereich auch als funktionierende Schiebeelemente auszubilden, was aufgrund der zahlreichen Wellen und engen Radien nicht so einfach war. «Den ersten Prototyp machten wir nicht in der Höhe des Schiebers, der funktionierte auch gut. Als wir ihn aber in der Originalhöhe ausbildeten, wurde der Reibungswiderstand wegen des hohen Gewichts zu gross.» Nach mehreren Versuchen wurden schliesslich spezielle Kugellager in der unteren Nut eingebracht. «Insgesamt verbauten wir so fast 300 Kugellager, damit die Schiebefronten trotz ihrer komplexen Geometrie leichtgängig funktionieren», sagt Biegger.

Materialmix bringt Spannung

Für eine praktische Montage wurden die Möbel als Module vorgefertigt und vor Ort zusammengesetzt. Charakteristisch ist die Kombination unterschiedlicher Materialien und Oberflächen. Gewellte Schubladenfronten sowie Lauf- und Zierleisten aus Eiche fräste die Schreinerei jeweils aus einem Stück. Dünne Messingplatten, die der Metallbauer laserte, wurden dann auf die Schubladendoppel geklebt. Elemente, wie integrierte Beleuchtung und handgefertigte Keramikkacheln, sorgen für zusätzliche Kontraste. Die profilierten Fronten wurden in Eiche Natur lackiert, die Leisten dunkel gebeizt und lackiert.

www.daxarchitektur.chwww.kunz-schreinerei.ch

michael nussbaum

Veröffentlichung: 18. Juni 2026 / Ausgabe 25/2026

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