Wo Schönes schaltet und waltet


Durch den Anschluss an Bussysteme im 24-Volt-Modus können Schalter in Möbeln und Innenausbauten neu gedacht werden. Bild: Christian Härtel


Durch den Anschluss an Bussysteme im 24-Volt-Modus können Schalter in Möbeln und Innenausbauten neu gedacht werden. Bild: Christian Härtel
Schalter. In der Schweiz herrscht bei den Schaltern ein übersichtliches Ordnungsregime. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vormarsch der 24-Volt-Technik mit Bussystemen bringt schier unendlich viele Möglichkeiten beim Design mit sich. Ein kurzer Blick auf einen eher unbekannten Markt.
Als Elektroingenieur Enrico Corelli Ende der 90er-Jahre die Unternehmenszentralen von Jil Sander oder Giorgio Armani in Mailand mit Licht und Elektrik ausstattete, seien deren Wünsche nach besonderen Schaltern und Steckdosen abseits der üblichen Lösungen aus Kunststoff aufgetaucht und wohl schwer zu erfüllen gewesen. Denn damals soll es kaum etwas mit einem Designanspruch, aus besonderen Materialien, Formen oder Oberflächen gegeben haben.
«Solche Elemente wurden in der Architekturszene als zweitrangig und nebensächlich gesehen», beschreibt Corelli seine Erinnerung auf der Website von PLH, dem Unternehmen, das er daraufhin gegründet hat. Er erkannte früh das Bedürfnis nach einer gewissen Exklusivität, den Wunsch nach individuellen Schalterdesigns in der hochwertigen Architektur, und fing an, Schalter mit dem gewissen Etwas zu entwerfen und zu produzieren.
Inzwischen sind solche Schalter und elektrische Anschlüsse in der Architekturszene angekommen. Die letzten Präsentationen der Komponenten an der Euroluce in Mailand oder der Architect at Work in Zürich waren in dieser Hinsicht eindrücklich. Auffällig viele Aussteller mit exklusiven und besonderen Schaltern und Verkleidungen für elektrische Komponenten wie die normalen Netzsteckdosen sind an solchen Veranstaltungen präsent. So auch PLH. Man hat inzwischen sogar eine Niederlassung in Chiasso TI gegründet. «Wir haben schon einige Projekte in der Schweiz realisiert, etwa Hotels in St. Moritz und Lugano und auch verschiedene Villen», sagt Enrico Tamaro, Verkaufsleiter Schweiz bei PLH. Der Schweizer Stecker Typ J scheint dabei nicht das Problem zu sein, auch wenn längst nicht alle Hersteller von exklusiven Schaltern und Steckdosen die Schweizer Variante im Programm haben. Viele Produzenten von edlen Schalterserien nutzen die bestehenden Plattformen, sprich das Innenleben von Steckdosen wie jene vom Schweizer Platzhirsch Feller und bauen darauf ihre Designs auf. Das ist einfacher, als selbst solche Bauteile zu entwerfen und zu produzieren. «Am Anfang widmete sich PLH der Hausinstallation mit 230 Volt. Doch die Kosten für die Sicherheitsprüfungen und Zertifikate für die Baugruppen lassen sich bei den Stückzahlen nicht hereinholen. Dafür war der Markt für Designschalter und -dosen zu klein, und deshalb konzentrieren wir uns heute auf die 24-Volt-Technik», erklärt Tamaro. Und damit sind sie vor allem bei Neuinstallationen zu Hause, bei denen Systeme wie KNX (Konnex) oder Dali eingesetzt werden. Auch mit kabellosen Steuerungen wie Casambi sind die Teile kompatibel.
«Wenn ein Bauherr oder ein Architekt Schalter im gleichen Stoff bezogen haben möchte wie das Sofa, dann können wir das machen», erklärt Tamaro.
Den Oberflächen sind kaum Grenzen gesetzt. Nebst den aktuell gängigen gebürsteten oder geätzten Metallen in Bronze, Kupfer, Messing oder Stahl können die Schalter auch mit Materialien wie Alcantara, Holz, Leder oder sogar Glasmosaik belegt werden. Die Grundrahmen, die das Erscheinungsbild prägen, sind entweder aus Edelstahl, Messing oder Aluminium.
Auch die grossen und etablierten Anbieter von Bedienelementen haben ihr Angebot an besonderen Modellen erweitert. Etwa der Produzent Hager, der drei kompatible Designlinien in Anlehnung an die Berker- Bauhaus-Klassiker im Programm hat. Die Drehschalter sind ausser in Kunststoff auch in edlem Porzellan von Rosenthal erhältlich. Auch im Programm sind solche aus Glas und auch mit Beleuchtung, um die Wertigkeit des Bauhaus-Designs zu unterstreichen.
Bei den exklusiven Angeboten finden sich neben italienischen Anbietern wie PLH, Alphaplate oder Ekinex die meisten Firmen in Belgien: Lithoss, Basalte, Atelier Luxus oder Prado sind Schalterspezialisten mit besonderem Anspruch. Eine besondere Lösung mit dem Schweizer Stecker bietet Prado. Mit nur 42 mm Durchmesser lässt sich die Kunststoffdose in schwarz, weiss oder creme flächenbündig verbauen.
Die meisten Varianten sind in verschiedenen Metalloberflächen gehalten. So auch bei Alphaplate aus Italien. Um für den Schweizer Markt kompatibel zu sein, hat das Unternehmen in allen drei Serien den Schweizer Standard bei den Steckdosen umgesetzt. Die Blenden sind dabei in allen Oberflächenausführungen der Kollektion möglich, sodass in Küchen, Bädern oder Innenausbauten neben den Schaltern stets auch Steckdosen im passenden Look realisiert werden können. Die Schalter selbst arbeiten in der Regel wie bei PLH und anderen mit Niedervoltspannung und sind mit den verschiedenen Steuerungssystemen kompatibel. Die Varianten und Ausführungen sind so vielfältig, dass sich das Stöbern auf den Websites der Hersteller durchaus lohnt, um sich einen ersten Eindruck über das Machbare zu verschaffen.
www.plhitalia.comwww.hager.dewww.alphaplate.itwww.ekinex.comwww.fedebcn.comwww.lithoss.comwww.basalte.bewww.luxonov.comwww.atelierluxus.comwww.modelec.comwww.prado.eu
Veröffentlichung: 26. Februar 2026 / Ausgabe 9/2026
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