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Porada hatte wieder einen überzeugenden Auftritt, setzt auf Nussbaum und ein elegantes, aber nicht überladenes Design. Bild: Christian Härtel


Porada hatte wieder einen überzeugenden Auftritt, setzt auf Nussbaum und ein elegantes, aber nicht überladenes Design. Bild: Christian Härtel
Möbel. Vom 20. bis 26. April stand die lombardische Metropole Mailand wieder im Fokus der Designwelt. Der Salone del Mobile war in diesem Jahr von einem erstarkten positiven Geist geprägt. In der Stadt waren die Schlangen vor den Showrooms wieder ziemlich lang.
Der Salone del Mobile ist Jahr für Jahr ein wichtiger Gradmesser für die gesamte internationale Branche. Die Messe hat wieder zugelegt und mit 316 342 Besuchern aus 167 Ländern ein Plus von 4,5 % gegenüber dem letzten Jahr verbucht. Die Stadt mit dem Fuorisalone war während der sechs Tage an vielen Orten übervoll, was sich in langen Menschenschlangen widerspiegelte. Eine grosse Anzahl der Messebesucher kommt jährlich nach Mailand, um das Interior-Design und Ideen zu erkunden für das Wohnen von morgen. Die Entwicklungen im hochwertigen Design wirken auch in das mittlere Marktsegment und beeinflussen damit die Wohntrends in den meisten Ländern der Welt.
Aber mit den Trends ist das so eine Sache. Kaum ist einer ausgemacht, folgen erste Signale des Gegentrends auf dem Fusse. So scheint es auch in diesem Jahr ein wenig willkürlich, wenn man das, was die über 1900 Ausstellenden am Salone del Mobile gezeigt haben, zusammenfassen möchte. Meist sind eilig postulierte Trends nicht ganz falsch, aber auch kaum ganz richtig. Man könnte besser von Linien sprechen, etwa wenn die Entwürfe vieler wichtiger Möbelhersteller ähnliche Merkmale aufweisen. Und das passiert erstaunlich oft. Einen Klassiker stellen diesbezüglich Polstermöbel dar. Klar ist in diesem Salone-Jahr, dass die ganz hellen Cremetöne nicht mehr das Mass aller Dinge sind. Waren im letzten Jahr gefühlt alle Polstermöbel in creme-naturweissen Tönen, ist die Palette nun wieder breiter, wobei die natürlichen erdigen Farben dominieren.
Vieles ist noch runder geworden als im letzten Jahr. Das betrifft nicht nur die Polstermöbel und die Gestellware, sondern auch die gerundeten Eckpartien von Korpussen und die Tischformen. Waren die Polstermöbel doch ziemlich ausladend, sind nun auch wieder solche für andere Kunden als den gemeinen Loftbewohner erhältlich.
Man ist geneigt, zu interpretieren, dass eine gewisse Reisesehnsucht oder ein Fernweh in den Möbeln stecken könnte, wenn sie Anleihen bei den klassischen Überseekoffern aufweisen. Das war öfter zu sehen: Details und gliedernde Zierelemente aus Leder, Bändern oder Geflecht, dazu Messing und Holz, das sich auch wie solches anfühlt, auch wenn die Farbe oft verändert wurde. Bei den italienischen Edelherstellern ist und bleibt der Nussbaum ein sehr beliebtes, fast möchte man sagen, stets angesagtes Ausstattungsholz. Denn das ist bei wichtigen Marken immer wieder zu sehen. Die helle Eiche war schon fast selten. So ganz möchte man der willkommenen Veränderung nicht trauen, hatten doch der Nussbaum und die Eiche in den letzten fünf bis zehn Jahren immer wieder abwechselnd den Ton angegeben. Trotzdem war die Zunahme an Holzarten in diesem Jahr deutlich zu sehen. Stühle aus Buche, Tische aus Esche, auch tropische dunkle Holzarten als Furnier für Fronten und Regale waren öfter zu sehen. Ganz vereinzelt tauchten auch Birke, Lärche und Ahorn bei Entwürfen von Solitärmöbeln auf, die man vielleicht vor einem Jahr noch in Eiche präsentiert hätte.
Die Stimmung an der Messe war schlicht gut. Das haben viele Ausstellende bestätigt. Diese positive Grundhaltung ist auch einer Messestrategie zu verdanken, die aus den Realitäten neue Energie schöpft. So tut es der Messe gut, dass die im Möbelmarkt wildernden Luxusmarken nicht mehr so viel Raum einnehmen. Die neue Ausstellungsfläche der Raritäten in Halle 9 kam sehr gut an. Dort zu sehen: Labels, die sonst kaum auf der Messe zu finden gewesen wären. So auch Möbelentwürfe vom Schweizer Architekturbüro Herzog & De Meuron. Auch die Integration der Technikabteilung Küche auf die Fläche der EuroCucina hilft, die Küchenmesse wieder attraktiver zu machen. In früheren Jahren waren die Geräte- und Technikanbieter für die Küche in einem eigenen Bereich unter der Bezeicnung Technology For the Kitchen (FTK) abgetrennt. Und schliesslich ist es die vernünftige Offenheit der Salone-Macher, Ja zu sagen zum Salone in der ganzen Stadt. Zwar gab es den Fuorisalone schon immer und auch das kulturelle Begleitprogramm in der Stadt. In diesem Jahr hatte man das Gefühl, dass die Präsentationen des Fuorisalone mit 716 Marken, von denen 217 Showrooms allein im Stadtteil Brera lagen, zum Gesamterfolg des Salone besser beigetragen haben als auch schon.
Einzig und allein die zahllosen Menschenschlangen in der Stadt hinderten einen in diesem Jahr öfter daran, all die Präsentationen, Showrooms und Ausstellungen zu besuchen.
Der nächste Salone kommt bestimmt, und zwar vom 13. bis 18. April 2027.
Zum Bericht über die Eurocucina, die Küchenausstellung.
Zum Bericht über den Salone del Bagno, die Badausstellung.
www.salonemilano.itwww.fuorisalone.itwww.breradesigndistrict.it
Mehr zu den gezeigten Möbeln gibt es auf den Websites der Hersteller zu ent- decken, teilweise aufgrund der Aktualität noch nicht ganz vollständig.
www.porada.itwww.faspendezza.itwww.martasalaeditions.itwww.zanat.orgwww.more-moebel.dewww.daft-about-draft.comwww.meroniecolzani.itwww.fenabel.ptwww.anamon.bewww.montina.itVeröffentlichung: 30. April 2026 / Ausgabe 18/2026
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